Andres Nogeitzig ist beim VfL Kassel viel mehr als nur Platzwart

„Ich brauche kein Schulterklopfen“

Andreas Nogeitzig am Spielfeldrand beim Fußball-Gruppenligisten VfL Kassel am Hochzeitsweg.
+
Andreas Nogeitzig engagiert sich in vielen Fuktionen bei Fußball-Gruppenligist VfL Kassel.

Andreas Nogeitzig ist Platzwart beim VfL Kassel. Er gehört zu den treuen Seelen des Vereins und sorgt dafür, das am Hochzeitsweg alles seinen Gang geht.

Kassel - Verlassen liegt der Platz am Hochzeitsweg da. Stille herrscht, wo sonst rund 20 Mannschaften dem Fußball nachjagen. Die Pandemie hat auch das Treiben auf dem Sportgelände des VfL Kassel zum Erliegen gebracht. Nur einer ist da. Wie fast immer. Andreas Nogeitzig, Platzwart und vieles mehr, fegt, der Jahreszeit entsprechend, Laub.

Wer denkt, dies wäre in fußballloser Zeit seine einzige Aufgabe, der irrt. Normalerweise ist er auch Torwarttrainer für die Jugend, koordiniert den Einsatz der Vereinsbusse, fungiert als Kassierer der Altherren-Mannschaftskasse und erledigt, was sont noch anfällt. Was ihm selbst jetzt noch viel Arbeit beschert, sind die, wie er sagt, „leicht antiquierten“ Funktionsgebäude.

Oder anders gesagt, Nogeitzig ist auch Hausmeister. „Da ist ständig genug zu tun. Mal muss ein Duschkopf gewechselt werden, mal ist das Dach undicht, mal sind Rohre verstopft“, berichtet er. Zuletzt strich er Bänke in den Kabinen, entrostete, grundierte und strich die Heizkörper. Die Abdeckung einer Neonröhre musste gewechselt werden: „Sie war von 1996.“

Im selben Jahr fand Nogeitzig, vom Heimatort Ballenhausen (Niedersachsen) nach Kirchditmold gezogen, zum VfL. Er spielte für die Reserve und die Altherren und war bis zum vorigen Jahr Torwarttrainer der Senioren. Wo er unter anderem den Baunataler Hessenliga-Schlussmann Pascal Bielert ausbildete.

Läuft der Spielbetrieb, kommt der verheiratete Vater einer Tochter zu Reparaturen oder Renovierungen kaum. Ab 11 Uhr ist er auf dem Platz. „Bis die Kabinen wieder besenrein sind, ist es 19 Uhr“, sagt der Rentner und frühere Kaufmännische Angestellte. Linien müssen markiert, Getränke bereitgestellt, elektronische Spielberichte eingestellt werden und vieles andere. Nicht nur am Hochzeitsweg, sondern auch auf den weiteren Spielstätten des VfL an den Stockwiesen und der Schulstraße.

Sein Ehrgeiz, den Fußballern passende Bedingungen zu schaffen, zeichnet ihn aus. Auch wenn für den Hauptplatz die Stadt zuständig ist und diesen mäht. Aber alles drumherum, auch der Acker genannte Nebenplatz, fällt in Nogeitzigs Zuständigkeit. Und mit dem Mähen ist es schließlich nicht getan. „Die letzten drei Sommer waren wegen der Trockenheit eine Katastrophe.

Wenn nachmittags Spiele oder Training waren, musste ich ab 7 Uhr morgens wässern“, sagt der 63-Jährige. Dass der Rasen grün blieb, erfüllt ihn mit Stolz. „Direkt daneben und drumherum war aber Sahara“, sagt er. Als Mädchen für alles sieht Nogeitzig sich nicht. „Ich helfe bloß, wo ich kann. Und wenn ich Hilfe brauche, frage ich. Das alles schaffst du nur im Team. Besonders jetzt im Moment mit den ganzen Corona-Bestimmungen.“

Auch Streicheleinheiten benötigt er, seit 2008 im Amt, nicht. „Deswegen mache ich das nicht. Ich brauche kein Schulterklopfen, sondern bin einfach froh, wenn ich etwas erledigt habe.“ Über eine Bestätigung seines Einsatzes freute er sich dennoch: den Ehrenbrief des Hessischen Fußballverbandes.

Wie viele Stunden er in etwa pro Woche am Hochzeitsweg tätig ist, behält er für sich: „Das ist geheim.“ Wichtiger ist ihm „der Spaß an der vielfältigen Arbeit. Es gibt immer etwas anderes zu tun, das ist das Interessante. Und ich bin den ganzen Tag an der frischen Luft“. Sein Motto, angelehnt an die Kurzform seines Vornamens, lautet: „Andi Arbeit. Ohne Ehrenamtliche würde das Ganze nicht funktionieren.“ Kann man als Appell verstehen.

Von Wolfgang Bauscher

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.