Udo Fricke, Geschäftsführer des Westfälischen Handball-Verbands, über die Bestrafung von Vereinen

„Ich halte nichts von Punktabzügen“

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Oft beschimpft und doch bitter benötigt: Schiedsrichter, die Männer und Frauen mit der Pfeife.

Kassel. Nach den Punktabzügen und Geldstrafen für fehlende Schiedsrichter ist im Handball-Bezirk ein Diskussion über die Regelung beim Hessischen Handball-Verband (HHV) entbrannt. Aber wie handhaben andere Verbände die Schiedsrichterregelung? Wir haben mit Udo Fricke, Geschäftsführer des Handball-Verbands Westfalen (HVW), gesprochen.

Herr Fricke, wie geht der HVW vor, wenn ein Verein nicht die nötige Schiedsrichterzahl meldet?

Udo Fricke: Gemäß Schiedsrichterordnung muss jeder Verein seinem Kreis pro Mannschaft einen Schiedsrichter melden. Ab der Kreisliga aufwärts sind es zwei pro Mannschaft. Kann ein Verein das Soll nicht erfüllen, liegt die Strafe bei 200 Euro pro fehlendem Schiedsrichter. Bei Nichterfüllung des Solls können Vereine auch für Freundschaftsspiele oder Turniere gesperrt werden.

Punktabzüge gibt es also nicht?

Fricke: Wir haben schon darüber diskutiert, versuchen es aber nicht so weit kommen zu lassen. Vereine, die ihre Außenstände nicht beglichen haben, sind schon mal gesperrt worden und das verzerrt die Tabellen. So ist der Ärger vorprogrammiert.

Was halten Sie denn aus der Praxis von Punktabzügen als Bestrafung?

Fricke: Das ist ein ganz schwieriges Feld, ich persönlich halte davon nichts. Dadurch entsteht eine Zufallstabelle. Wenn eine Mannschaft um die Meisterschaft mitspielen will, dann aber weiß, dass sie vier Punkte abgezogen bekommt, geht doch auch schnell die Motivation verloren. Zusätzlich gerät die sportliche Leistung in den Hintergrund und die Schere zwischen großen und kleinen Vereinen wird größer.

Inwiefern?

Fricke: Vereine, die mehr Geld haben, können sich einfach Schiedsrichter einkaufen und dadurch eine Bestrafung umgehen. Kleinere Vereine haben aber nicht diese Möglichkeit und würden zusätzlich bestraft. Zumal das Problem fehlender Schiedsrichter immer stärker wird.

Sie sprechen damit ein weiteres Problem an. Viele Vereine in Hessen klagen darüber, dass sie keine Schiedsrichter mehr finden. Woran liegt das?

Fricke: Die Entwicklung ist eher ein gesellschaftliches Problem. Gerade bei den jungen Leuten ist die Bereitschaft nicht mehr da, sich dieser Verantwortung und Belastung zu stellen. Hinzu kommt auch, dass es die Schiedsrichter in den Hallen nicht sonderlich leicht haben.

Sie spielen sicherlich auf die Rolle der Zuschauer an?

Fricke: Das mit den Zuschauern ist gerade für junge Schiedsrichter schwierig. Häufig sitzen da Personen, die noch nie ein Spiel gesehen haben, dann aber die Schiedsrichter beleidigen. Oder Schiedsrichterbeobachter, die wenig einfühlsam mit den Schiedsrichtern umgehen. Das wollen sich junge Leute einfach nicht antun. Es bleibt aber unser Ziel, Nachwuchskräfte speziell in diesem Bereich, nicht nur in Regelkunde, sondern auch charakterlich zu fördern, aber das dauert eben seine Zeit.

Wie kann man denn junge Menschen wieder an den Handball führen?

Fricke: Der Sport, sowohl in der Vereinsverwaltung als auch im Spielbetrieb, wird zunehmend technischer und das könnte interessant für junge Menschen sein. Allerdings braucht der Handballsport an sich wieder mehr Aufmerksamkeit. Nach dem WM-Triumph 2007 hatten wir einen großen Mitgliederanstieg in den Vereinen. Seitdem aber die sportlichen Erfolge ausbleiben, fehlen auch die Vorbilder und ohne Handball-Helden entscheiden sich Kinder eventuell für andere Sportarten.

Von Max Seidenfaden

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