Lauf-Manager Christoph Kopp über Melat Kejeta und die Laufszene

Melat Kejetas Zukunft liegt im Marathon

Im September 2019 lief Melat Kejeta in Berlin als schnellste deutsche Marathonläuferin über die Ziellinie am Brandenburger Tor.
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Im September 2019 lief Melat Kejeta in Berlin als schnellste deutsche Marathonläuferin über die Ziellinie am Brandenburger Tor.

Der Berliner Manager Christoph Kopp über die Perspektiven der Kasseler Weltklasseläuferin Melat Kejeta und die aktuellen Entwicklungen im Laufsport.

Kassel - In diesem Jahr wurde der Valencia Marathon mit seinen über 21 000 Finishern aufgrund des Coronavirus in ein Elite-Rennen umgewandelt. Das Rennen wird am 6. Dezember gestartet. Die Startliste war eigentlich schon geschlossen, aber nach der Silbermedaille bei der Halbmarathon-WM Mitte Oktober wurde Melat Yisak Kejeta vom Laufteam Kassel noch ein Startplatz eingeräumt. Um den gekümmert hat sich ihr Berliner Manager Christoph Kopp, der noch rund 40 andere internationale Spitzenathleten betreut. Wir sprachen mit dem 72-Jährigen über Kejetas Perspektiven und die aktuellen Entwicklungen im Laufsport.

Zwischen 1980 und 1997 waren Sie Geschäftsführer und Sportlicher Leiter beim Berlin Marathon. Was war das für ein Gefühl als der dieses Jahr nicht stattfinden konnte?

Natürlich kein schönes. Aber das alles hat ja bereits im Frühjahr begonnen, und man konnte die Entwicklung absehen. Hannover, Hamburg und Berlin, Köln und Frankfurt – das ist schon ein großer Verlust für die nationale Laufszene, und damit meine ich die breite Masse der Läufer und die Veranstalter gleichermaßen.

Im vergangenen Jahr war Melat Kejeta in Berlin die schnellste Deutsche. Inzwischen sind Sie ihr Manager. Wie kam es dazu?

Durch meine jahrzehntelange Bekanntschaft mit Melats Trainer Winfried Aufenanger. Dadurch fiel dann am Ende die Entscheidung, dass Melat und ich einen Repräsentantenvertrag für das Jahr 2020 abschließen. Wir werden sehen, wie es 2021 weitergeht. Im Moment müssen alle kleinere Brötchen backen. Viele Ausrüster haben bereits Athletenverträge gekündigt.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie noch bei íhr?

Einige. Sie ist seit einigen Jahren in der Laufszene. Ihre Zukunft liegt aus meiner Sicht im Marathon. Voraussichtlich wird sie das auch am 6. Dezember in Valencia zeigen können. Dort waren eigentlich die Plätze für den Elite-Lauf vergeben, aber als Vize-Weltmeisterin hat sich zum Glück nochmal eine Tür für sie geöffnet.

Wessen Idee war es, dass Kejeta Anfang Dezember beim Marathon in Valencia startet?

Sie wollte natürlich selbst auch dort starten. Zum einen, um national einen Leistungsnachweis zu bringen aber auch, um sich international zu profilieren und ihren Marktwert zu steigern. Für sie wird es außerdem wichtig sein, wie sie danach weiter trainiert. Im Moment ist es noch nicht sicher, ob sie im Winter ins Trainingslager nach Kenia oder nach Äthiopien gehen kann. Dies hängt vor allem von der weiteren Corona-Entwicklung ab.

Bei der Halbmarathon-WM hat Kejeta ihr Potenzial gezeigt. Wie geht es weiter?

Das Ziel ist Olympia. Auch, weil nur der Marathon olympisch ist und nicht der Halbmarathon. Bei guten Bedingungen traue ich ihr eine Zeit unter 2:20 Stunden zu.

Auf Ihrer Homepage können die Athleten auch einige Preislisten der Läufe einsehen. Mit welcher Erwartungshaltung kommen die Läufer denn zu Ihnen?

Das ist unterschiedlich. Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um neue Bestzeiten, was wiederum für die Ausrüsterverträge wichtig ist. Ich versuche das individuell abzustimmen. Die Athleten sagen mir, wann sie laufen wollen und vor allem wann sie hier sind, und ich suche dann entsprechende Läufe. Wenn mir vom Veranstalter ein Angebot vorliegt, kann ich das den Athleten und ihren Trainern vorlegen.

Sind Sie nur für das Geschäftliche zuständig oder entwickelt man auch private Beziehungen zu den Läufern?

Auf alle Fälle. Wie in jedem Betrieb muss auch bei mir eine gewisse Harmonie herrschen. Wenn mein Ratschlag gesucht wird, stehe ich zur Verfügung, aber trainingstechnisch halte ich mich raus.

Die Preisgelder sind für viele Athleten ein echter Wirtschaftsfaktor. Was haben Sie denen denn im Corona-Jahr gesagt?

Es gab viele finanzielle Engpässe, aber inzwischen hat sich das Blatt teilweise gewendet. Wir in Berlin haben mit einigen kleinen Elite-Läufen dazu beigetragen – allerdings nicht in finanzieller zumindest aber in sportlicher Hinsicht.

Auch 2021 bleiben Unsicherheiten für große Laufveranstaltungen. Wie planen Sie damit?

Den Terminplan haben wir alle in der Hand. Wenn es keine Großveranstaltungen gibt, werden wir weiter mit kleinen Elite-Läufen planen müssen. Auch wenn Läufer wie Melat Kejeta eigentlich für Olympia qualifiziert sind, müssen und wollen die natürlich ihre Form beweisen.

Von Martin Scholz

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