Vor Ort auf den Waldauer Wiesen

Deutsche Meisterschaft im Ultimate Frisbee: Immer fair auf Scheiben-Jagd

Es geht hoch her: Im Damenfinale der Titelkämpfe ist Valérie Möller (verdeckt) aus München vor Melina Koschnitzki (links) und Carolin Janitschke aus Mainz an der Scheibe. Fotos: Fischer

Kassel. „Aaaaacheeeen“ tönt es bei jeder Unterbrechung über den Kunstrasen auf den Waldauer Wiesen in Kassel. Es läuft das Finale der Deutschen Meisterschaft im Ultimate Frisbee in der offenen Klasse.

Das ganze Wochenende kämpften 46 Mannschaften aus weiten Teilen Deutschlands um die Meistertitel. Was sich hinter dem Sport mit den ausgefallenen Teamnamen und dem ausgeprägten Fairplay-Gedanken verbirgt und warum Aachen so oft zu hören ist, lesen sie hier:

Die Wettkämpfe 

Eigentlich soll neben den Waldauer Wiesen auch die Hessenkampfbahn bespielt werden, doch der Wettergott und das Kasseler Sportamt spielen nicht mit: Außer dem Kunstrasen am Kreisel verbleibt kein Spielfeld, sodass viele Platzierungsspiele ausfallen müssen. Bei den Damen besiegen die Woodchicas aus München im Finale die Mainzer Mainzelmädchen mit 15:11. In der offenen Klasse – es spielen im Endspiel reine Männerteams – dominieren Bad Skid aus dem Raum Heilbronn beim 15:8-Sieg die Aachener Frizzly Bears.

Die Atmosphäre 

Das Damenfinale ist vorbei. Jetzt betreten die Herrenteams aus Aachen und Heilbronn das Feld. Der Auftritt der Schwaben mit viel Getöse erinnert an einen Haka-Tanz der neuseeländischen Rugby-Mannschaften. Aus der Ecke der Frizzly Bears schallt das lang gezogene „Aaaaachen“. Bereits bei dem Damen war die Stimmung mitreißend, besonders die Mainzelmädchen wurden von der männlichen Fankurve mit „Auf geht’s Mädels, euer Punkt“-Rufen angefeuert.

Die schnellen Wechsel zwischen dynamischen Angriffen, taktierendem Warten und gefühlvollen Pässen über das halbe Feld sorgen für den Rest: Auf lautstarke Schlachtrufe folgen „Ooohs“ und „Aaahs“. Es geht freundschaftlich zu, sowohl neben als auch auf dem Feld.

Seinen Ursprung hat Ultimate Frisbee an US-amerikanischen Universitäten. „Auch in Deutschland kommen die meisten Spieler an Universitäten mit dem Sport in Berührung“, berichtet Alexander Böttcher aus Darmstadt, der mit seiner Mannschaft Ars Ludendi jedoch früh die Segel streichen musste.

Die Extraportion Fairplay 

In der noch relativ überschaubaren Ultimate-Frisbee-Gemeinschaft in Deutschland kennen sich die Sportler untereinander. Doch nicht nur das sorgt für ein entspanntes Beisammensein: In wohl kaum einem anderen Sport nimmt das Fairplay eine derart zentrale Rolle ein.

„Jeglicher vermeidbare Körperkontakt ist ein Foul“, erklärt Studentin und Nationalspielerin Rebecca Partsch aus Kassel. Ob Foul oder nicht – darüber entscheidet allerdings kein externer Schiedsrichter: Die Spieler selbst übernehmen diese Rolle, gibt es keine Einigung, wird die Situation wiederholt.

Nach dem Damenfinale versammeln sich beide Mannschaften zu einem großen Kreis – eine wohl einzigartige Erscheinung des Ultimate Frisbees. „Wir nennen das den Spirit-Circle“, erklärt Jörn Benner, Geschäftsführer des Deutschen Frisbee-Sportverbandes das Besondere beim Ultimate Frisbee. „Die Teams tauschen sich nach den Partien aus und bewerten die Fairness des Gegners. Regelkunde und sportliches Verhalten sind somit Grundvoraussetzung für jeden Spieler.“

Von Gregory Dauber

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