Vor Leichtathletik-WM in London

Interview mit Siebenkämpferin Carolin Schäfer: "Die Chance will ich ergreifen"

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Hofft, bei der Weltmeisterschaft in London um die Medaillen kämpfen zu können: Carolin Schäfer aus Bad Wildungen. Foto: Kaliske

Bad Wildungen. Rio ist abgehakt, London das neue Ziel. Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft will Carolin Schäfer Medaillen gewinnen, wie sie uns im Interview verraten hat.

Die Saisonvorbereitung geht in die heiße Phase, wie lautet Ihr bisheriges Fazit?

Carolin Schäfer: Sehr gut. Ich habe mich nach einer langen Pause mit meinem Trainer zusammengesetzt und wir haben geschaut: Was können wir verbessern? Wir haben zunächst die Abläufe verändert. Den Ausdauerkomplex haben wir auf Ende Januar verschoben, vorher haben wir uns vor allem um die technischen Disziplinen gekümmert. Wir wollten Gewohnheiten brechen und neu anfangen. Wir haben viel Wert auf die Sprungkraft gelegt. Ich habe viel mit der Kugel gemacht, aber auch Hoch- und Weitsprung. Wir sind auf einem sehr guten Weg.

Kann Carolin Schäfer überhaupt vom Sport abschalten? 

Schäfer: Total gut. Ich habe die Zeit echt gebraucht. Mal die Füße hochlegen, einfach essen, was man will, ins Bett gehen, wenn man will. Den Tag mal so gestalten, wie man es selber möchte. Zweieinhalb Monate habe nichts gemacht, außer Joggen. Ich hatte auch gar nicht das Bedürfnis, das kam erst langsam wieder.

Haben Sie die vielen Erlebnisse bei den Olympischen Spielen in Rio verarbeiten können? 

Schäfer: Rio hat sich eingebrannt. Man denkt zwar nicht immer daran, aber es begleitet einen in schwierigen Phasen und Trainingswochen. Wenn man dann die Erinnerungen zurückruft und sich ins Stadion zurückdenkt, ist das ein Motivationsschub und macht Lust auf mehr.

Ihre Bestleistung liegt derzeit bei 6557 Punkten. Was ist das Ziel für 2017? 

Schäfer: Das 6600er Niveau hatte ich schon vergangenes Jahr – eine Punktzahl, von der ich auch immer geträumt habe. Mittelfristig aber sind jetzt die 6700 Punkte mein Ziel.

Mit Platz fünf in Rio sind Sie auch mehr in die Öffentlichkeit gerückt. Kommen Sie damit zurecht? 

Schäfer: Ich finde das gut, weil es ja auch Anerkennung für das ist, was ich geschafft habe. Dafür macht man ja auch Sport. Ich habe einige Projekte angenommen. Ich bin aber ein Typ, der nur das macht, was ich machen möchte. Ich lasse mich nirgends hineindrängen.

Neben Facebook sind Sie mittlerweile bei Instagram vertreten. Gehört das heute dazu? 

Schäfer: Man muss da mitgehen, aber in Grenzen. Ich bin ein Typ, der in sein Leben einblicken lässt. Aber: Privat bleibt bei mir privat. Man muss nicht alles preisgeben.

Der Saisonhöhepunkt ist die Weltmeisterschaft in London vom 5. bis 13. August. Ist die Qualifikation nur Formsache? 

Schäfer: Eigentlich ja. Ich will mich nicht mehr nur qualifizieren, ich denke darüber hinaus. Die Qualifikationen sind Durchgangsstationen und Standortbestimmungen, wo ich in der Welt stehe.

Mit Jessica Ennis-Hill und Brianne Theisen-Eaton haben zwei Ausnahme-Athletinnen ihre Laufbahn beendet. Macht das in diesem Jahr den Reiz aus, dass das Medaillenrennen offener ist? 

Schäfer: Ich denke schon. Es gab zuletzt immer klare Favoriten. In diesem Jahr ist Nafissatou Thiam stark einzuschätzen, das übrige Feld ist dicht beieinander. Das wissen auch alle und deswegen trainieren auch alle doppelt so hart.

Wer sind mittelfristig die größten Konkurrentinnen? 

Schäfer: Nafissatou Thiam, Laura Ikauniece-Admidina und Katarina Johnson-Thompson. Aber man muss auch schauen, ob alle beim Siebenkampf bleiben, oder ob sich jemand noch spezialisiert.

Was ist Ihr größter Wunsch für 2017? 

Schäfer: Eine Medaille bei den Weltmeisterschaften. Sicher ist das nicht planbar. Aber ich will in der körperlichen Verfassung sein, dass ich um eine Medaille kämpfen kann. Die Chance ist da, und die will ich ergreifen.

2018 findet die Heim-EM in Berlin statt. Auf Ihrer Homepage kündigen Sie an, das Stadion rocken zu wollen ... 

Schäfer: Es gibt nichts Geileres für einen Sportler, als vor heimischem Publikum den Wettkampf seines Lebens zu bestreiten und mit einer Medaille nach Hause zu gehen. Ich war als Jugendliche schon mal in Berlin am Start, das war phänomenal, ein Gänsehaut-Erlebnis. Ich bin froh, dass ich so etwas erleben darf.

Zur Person

Carolin Schäfer (25) kommt gebürtig aus Bad Wildungen. Die Siebenkämpferin, früher als Handballerin aktiv, startet seit diesem Jahr für Eintracht Frankfurt. 2016 war die Polizeikommissarin bei den Olympischen Spielen in Rio am Start und belegte dort Rang fünf. Ihre Bestleistung liegt bei 6557 Punkten, aufgestellt 2016 beim Wettkampf in Götzis.

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