Interview: Zwei Nordhessen sind heiß auf den Ironman auf Hawaii

Grüße von der Wettkampf-Strecke: Peter Roth (links) und Martin Huhndorf beim Training auf Hawaii. Foto: nh

Kassel. Sie wagen es erneut, das Abenteuer Hawaii: Martin Huhndorf, Nordhessens Sportler des Jahres 2015, und Peter Roth vom SC Neukirchen starten in der Nacht zu Sonntag bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf der Pazifik-Insel. Im Interview sprechen der 38-Jährige und der 51-Jährige über die Herausforderung.

Herr Huhndorf, Sie sind zum vierten Mal dabei, Herr Roth, Sie zum zweiten Mal. Warum tun Sie sich den Stress an?

Peter Roth: Es ist eine Ehre, dort teilzunehmen. Bei mir ist es jetzt drei Jahre her, und ich hätte nicht gedacht, dass ich es noch einmal auf mich nehme. Aber es sind noch einige Ziele übrig geblieben. Beim letzten Mal war die Teilnahme das Wesentliche, ins Ziel zu kommen. Jetzt möchte ich versuchen, in meiner Altersklasse einen vorderen Platz zu belegen.

Martin Huhndorf: Ich habe mich auf Hawaii bisher immer steigern können. Und auch wenn es im vergangenen Jahr äußerst erfolgreich war, hatte ich doch recht schnell das Gefühl, dass für mich das Unmögliche doch möglich zu machen ist. Ich möchte versuchen, meine Altersklasse zu gewinnen.

Roth: Ich habe gemerkt, dass sich Martin im Vergleich zum Vorjahr in der Vorbereitung noch steigern konnte. Ich traue ihm das deshalb zu.

Herr Huhndorf, Sie haben den Wettkampf im vergangenen Jahr als „Rennen Ihres Lebens“ bezeichnet, als sie 36. im Gesamtklassement und Dritter ihrer Altersklasse wurden. Heißt, Sie müssen nun noch einmal ein Rennen des Lebens zeigen.

Huhndorf: Ich bin natürlich auch mit weniger zufrieden. In solch einem Rennen hat man mehrere Ziele. Der Sieg in der Altersklasse wäre das Traumziel. Das wäre tatsächlich noch einmal das Rennen des Lebens.

Herr Roth, Sie nennen als Ihr schönstes Triathlon-Erlebnis den Ostseeman, den Sie unter 10 Stunden absolvierten. Könnte Hawaii das dieses Jahr toppen?

Roth: Ja, da bin ich inzwischen einige Jährchen älter. Vor drei Jahren habe ich knapp über zehn Stunden gelegen. Deshalb wäre es für mich erstrebenswert, jetzt unter zehn Stunden zu bleiben.

Was unterscheidet den Ironman auf Hawaii von anderen Wettkämpfen?

Roth: Der Mythos dieses Rennens. Dort ist unser Sport entstanden. Jeder Triathlet möchte irgendwann einmal nach Hawaii. Aber nicht jeder kommt dorthin. Es ist also eine Ehre. Außerdem verlangt es sportlich einem alles ab, um die Qualifikation zu erbringen. Mich persönlich erfüllt es mit Stolz, das erbracht zu haben.

Huhndorf: Im Triathlon kann man sich bei den meisten Rennen anmelden und teilnehmen. Für Hawaii aber muss man sich im Vorfeld qualifizieren. Der Reiz, das zu schaffen, und die Insel an sich, das sind die Punkte, warum ich jetzt hier bin.

Nehmen Sie uns mit auf die Strecke. 3,8 Kilometer Schwimmen stehen zu Beginn an.

Huhndorf: Auf Hawaii gibt es ein starkes Schwimmerfeld. Man sollte sich relativ schnell nach dem Startschuss befreien, um seinen langen Armzug schwimmen zu können. Im Getümmel sollte man sich nicht mehr als 300, 400 Meter aufhalten, weil das kraftraubend ist. Andere Athleten blockieren die Füße, wenn sie zu eng aufschwimmen. Man bekommt Schläge. Man muss mit dem Atmen aussetzen, wenn eine Salzwasserwelle kommt. All das kostet Kraft.

Roth: Es ist zwar nicht einfach, den schnellsten Weg von A nach B zu finden. Er bedeutet dann aber eine gute Schwimmzeit. Es wird ohne Neopren geschwommen bei einer Wassertemperatur von 28 Grad.

Dann folgen 180 Kilometer Radfahren.

Roth: Die hohen Temperaturen und der Wind sind auf Hawaii die besondere Herausforderung. Man kann zwei Stunden Gegenwind bekommen, aber auch die entsprechende Zeit mit Rückenwind fahren. Es ist deshalb schwer, sich das Rennen auf dem Rad einzuteilen.

Huhndorf: Die Strecke ist wellig. Es sind zwar keine Alpenpässe, aber es ist ein ständiges Auf und Ab. Aber das macht auch den Reiz aus. Man muss sich disziplinieren, nicht zu hart anzufahren.

Und dann folgt ein Marathon.

Huhndorf: Die Frage ist, wie geht es den Beinen? Sind sie auf den ersten Metern locker oder zäh? Man fährt die Beine leer, weil man beim Laufen in neue Muskelgruppen reingeht, die noch nicht so erschöpft sind.

Roth: Die ersten 16 Kilometer des Marathons führen durch bewohntes Gebiet mit vielen Fans. Aber danach geht es raus in die Wüste. Die Strecke ist für den Zuschauer weitgehend gesperrt. Wir sind auf uns allein gestellt. Das ist eine psychologische Herausforderung.

Herr Huhndorf, an Ihrem Kühlschrank hängt die Liste des Zieleinlaufs vom vergangenen Jahr. Welches Andenken wollen Sie diesmal mitnehmen?

Huhndorf: Da hängt sie immer noch. Vielleicht tausche ich sie ja einfach aus.

Und Sie, Herr Roth?

Roth: Von Maskottchen mache ich keinen Gebrauch. Es ist einfach das Ideelle, an diesem Rennen teilzunehmen, das einem nachher niemand mehr nehmen kann.

Zu den Personen:

Martin Huhndorf (38) lebt mit Freundin Anna im Homberger Stadtteil Mardorf im Schwalm-Eder-Kreis. Er arbeitet in Vollzeit als Ingenieur für Qualitätsanalyse im Baunataler VW-Werk. 2003 absolvierte er seine ersten Triathlon-Rennen. Seine Bestzeit: 8:52 Stunden, aufgestellt 2016 in Frankfurt. Er startet in der Altersklasse 35 bis 39.

Peter Roth (51) ist verheiratet und vierfacher Vater. Die Familie lebt in Alsfeld. Der Bauingenieur trägt seit 2010 das Trikot des SC Neukirchen. Er startet in der Altersklasse 50 bis 54. Seine Bestzeit stellte er 2013 in Frankfurt auf: 9:33 Stunden.

Der Ironman im TV:

In der Sportschau am kommenden Samstag gibt es eine Liveschaltung nach Hawaii gegen 18.45 Uhr. Die ARD zeigt das Finale in der Nacht zu Sonntag dann ab 1.15 Uhr bis voraussichtlich 3.40 Uhr live. Der Hessische Rundfunk überträgt sogar den kompletten Ironman per Livestream. Dieser ist am Samstag ab 18.20 Uhr verfügbar. Dort gibt es alle Entscheidungen, Interviews und Analysen.

Diese Zeiten peilen Sie an:

SCHWIMMEN (3,8 km)

Martin Huhndorf:

57/58 Minuten

Peter Roth: etwa eine Stunde

RADFAHREN (180 km)

Huhndorf: 4:47 Stunden (Zeit 2015), plus/minus zehn Minuten

Roth: 5:10 / 5:15 Stunden

LAUFEN (42,195 km) Huhndorf: 3:13 Stunden (2015), geplant 3:08

Roth: 3:30 bis 4 Stunden

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