HNA-Interview

Schwälmer beim Ironman auf Hawaii: „Es wird richtig fies wehtun“

Vor zwei Jahren: Bereits 2013 war Triathlet Marc Unger auf den Straßen von Hawaii beim legendären Ironman unterwegs. Foto:  nh

Kassel. Schwälmer Triathlet Marc Unger startet am Samstag beim Ironman auf Hawaii. Im Interview spricht er darüber.

Marc Unger tut’s schon wieder. Der Schwälmer Triathlet vom SC Neukirchen startet an diesem Wochenende zum zweiten Mal beim Ironman auf Hawaii. Es ist kein gewöhnlicher Wettkampf. Es ist die Weltmeisterschaft. Es ist der Triathlon schlechthin. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, zum Abschluss ein Marathon - und das bei Hitze, Wind und hoher Luftfeuchtigkeit. Seit zehn Tagen weilt der 28-Jährige auf der Inselgruppe im Pazifischen Ozean. Anfang der Woche haben wir mit dem Extremsportler telefoniert.

Herr Unger, haben Sie sich schon akklimatisieren können?

Marc Unger: Vor zwei Jahren sind wir auch schon so früh nach Hawaii geflogen. Das ist gut so. Die Zeitumstellung macht einem zu schaffen - wir liegen zwölf Stunden zurück. Hier herrscht ein anderer Rhythmus. Zum Beispiel wird es um 18.30 Uhr vom einen auf den anderen Moment stockdunkel. So langsam habe ich mich aber akklimatisiert.

Gibt es denn die Möglichkeit, die Insel zu genießen?

Unger: Das schon. Zumindest knüppeln wir hier nicht bis zum Wettkampf durch. Ich trainiere maximal eine Stunde pro Tag, und das bei reduzierter Belastung. So richtig entspannen kann ich aber erst nach dem Rennen. Dann fliege ich auf die Insel Maui und mache ein bisschen Urlaub.

Jetzt also noch kein Sonnenbaden am Strand?

Unger: Dafür fehlt mir die Ruhe. Die Tage verfliegen aber trotzdem rasant. Gestern sind wir beispielsweise die Laufstrecke abgefahren und waren am Pier, also dort, wo geschwommen wird. Es ist spannend zu beobachten, wie das Triathlon-Fieber auf der Insel von Tag zu Tag steigt. Immer mehr Stände werden aufgebaut. Es ist zu spüren, dass hier in Kürze etwas Besonderes passiert.

Ist es diese Atmosphäre, die den Ironman auf Hawaii so außergewöhnlich macht? 

Unger: Ja, natürlich. Die Bezeichnung Mythos kommt dem Ganzen schon sehr nahe. Hier findet die Weltmeisterschaft statt - da kann nicht jeder mitmachen. Aber jeder Triathlet will einmal dabei sein. Das ist schwer zu beschreiben: Mit Hawaii verbinden die meisten Urlaub, Sonne, Strand. Aber gleichzeitig findet in diesem Paradies einer der härtesten Sportwettkämpfe statt. Auch dadurch wird der Ironman besonders.

Und was ist das Besondere aus sportlicher Sicht? 

Unger: Hitze und Wind sind brutal. Wir haben Temperaturen um die 30 Grad, und es ist extrem schwül. Außerdem ist Schwimmen im Meer nicht zu unterschätzen. Das Knifflige ist, dass die Bedingungen innerhalb einer Minute wechseln können. Da muss schnell die Taktik geändert werden.

Es gibt eine Taktik? 

Unger: Na logisch.

Wie sieht die aus? 

Unger: Ich will versuchen, die Belastung auf die drei Disziplinen gleichmäßig zu verteilen. Vor allem will ich beim Radfahren nicht überziehen. Damit ich beim Laufen erst möglichst spät in den Bereich komme, wo es wehtut. Und so viel ist sicher: Es wird richtig fies wehtun.

Warum tun Sie sich das an? 

Unger: Ich bin halt ein bisschen besessen und will mich immer verbessern. Auf jeder Teilstrecke soll eine schnellere Zeit herauskommen. Vor zwei Jahren hatte ich hier auf Hawaii noch mal richtig Blut geleckt.

Apropos: Vor zwei Jahren wurden Sie in Ihrer Altersklasse Dritter und sind unter neun Stunden geblieben. Was ist dieses Mal drin? 

Unger: Das ist es ja gerade: Hier auf Hawaii kannst du nichts vorhersagen. Zumindest fühle ich mich aktuell besser als noch vor zwei Wochen. Die Platzierung ist mir wichtiger als die Zeit. Kurz vor dem Wettkampf werde ich in mich hineinhören und dann intuitiv eine Taktik festlegen. Am Ende des Tages will ich sagen können, dass ich alles gegeben habe.

Der Ironman am Samstag im Internet und im Fernsehen:

• ab 18.15 Uhr auf:

www.ironmanlive.com

• ab 18.20 Uhr: hessenschau.de

• ab 23.45 Uhr im hr-Fernsehen

Zur Person

Marc Unger (28) ist in Schwalmstadt geboren, aufgewachsen und lebt heute noch dort. Nach dem Abitur am Schwalmgymnasium studierte er „Bewegung und Gesundheit“ auf Bachelor an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Es folgte ein Masterstudiengang in „Klinische Sportphysiologie und Sporttherapie“. Unger arbeitet bei Projekt Gesundheit und Orthopädie Stamm. Seit 2008 betreibt er Triathlon beim SC Neukirchen. Anfang Juli wurde er in seiner Altersklasse Europameister und qualifizierte sich damit für den Ironman auf Hawaii. Unger ist ledig, aber vergeben an Freundin Dorothee. (lip)

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