Trotz jugendlichen Alters schon fast ein alter Hase

Jan Schäfer ist mit 19 Jahren Torwarttrainer beim Verbandsligisten TSG Sandershausen

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Spaß bei der Arbeit: Mit Jan Schäfer hat der Verbandsligist Sandershausen einen jungen Torwarttrainer. 

Dass ein 19-Jähriger als Torwarttrainer bei einem Fußball-Verbandsligisten arbeitet, hat Seltenheitswert. Doch für Jan Schäfer, der sich bei der TSG Sandershausen für die Form von Tobias Orth und Loic John verantwortlich zeichnet, ist das ganz normal. Wir stellen ihn vor.

Angefangen hat alles ganz zufällig. Mit Kumpels nahm Schäfer, selbst früher Schlussmann, an einem Hobby-Turnier in der Kasseler Goethe-Anlage teil. Spaßeshalber machte er mit den Torhütern des Teams ein paar Trainingseinheiten. Und fand Gefallen daran. Im Mai 2015 übernahm er bei seinem Heimatverein SV Nords-hausen als Torwarttrainer der Jugendmannschaften. Eine Aufgabe, mit der ihn Trainer Dirk Peter betraute. 2017 arbeitete Schäfer als 17-Jähriger mit den Keepern der Nordshäuser Kreisoberligamannschaft. Im ersten Halbjahr 2019 ging es weiter nach oben, als er bei Hessenligist FSC Lohfelden tätig war. Nach dem Rückzug des FSC wechselte dessen Torhüter Tobias Orth im vorigen Sommer nach Sandershausen. „Tobi sagte zu mir, komm’ doch mit. Das habe ich gern getan“, erklärt Schäfer.

Damals ahnte er nicht, wie besonders es auf seine Arbeit ankommen würde. Orth als ursprüngliche Nummer eins litt unter Verletzungen und absolvierte nur vier Partien, dem 20-jährigen John fehlte die Erfahrung. Zudem musste sich dieser auf Verbandsliganiveau erst bewähren. „Das haben die Beiden prima hinbekommen. Loic hat sich stark verbessert und seine Sache gut gemacht“, sagt TSG-Trainer Bernd Hüter.

„Loic, Tobi und ich sind ein super Trio und haben viel Spaß zusammen“, sagt Schäfer. Nie seien aus der Altersstruktur des Gespanns Konflikte erwachsen. Was ja hätte sein können, denn Orth ist 34 Jahre alt, hat zudem über 220 Spiele in Hessen- und Oberliga auf dem Buckel.

Auch sonst hatte Schäfer mit Akzeptanz-Problemen kaum zu tun. „Na ja, am Anfang in Lohfelden hat Tobi mal leicht amüsiert zu den anderen gesagt, dass da jetzt ein 18-Jähriger kommt, der Torwarttraining machen will. Aber nach der zweiten Einheit war das Alter kein Thema mehr.“ Wurde er nie belächelt? „Jein. Von Spielern und Trainern nicht. Eher von Außenstehenden, die meine Arbeit nicht einschätzen können.“

So zielstrebig, wie Schäfer ins Torwarttrainer-Amt einstieg, treibt er sein Weiterkommen voran. „Ich besuche Lehrgänge und Workshops, schaue mir vieles zum Thema bei YouTube an und benutze alle möglichen Medien“, sagt er. „Und zwar immer unter dem Motto, wie ich Torhüter besser machen kann.“ Zudem hospitierte er einige Tage lang bei der U17 von Bundesligist TSG Hoffenheim. Schäfer erwarb die C-Lizenz, absolvierte den Torwarttrainer-Basislehrgang sowie den Leistungskurs.

Was einen guten Torwarttrainer ausmacht? „Er muss auf die speziellen Bedürfnisse der Schlussleute eingehen und auf sie hören. Und sie eher aufbauen, als hart kritisieren. Ich gehe voll mit, lobe sie und treibe sie an“, sagt Schäfer. Und ganz wichtig: „Spaß muss immer dabei sein. Es darf nie langweilig werden.“ Wird es zwangsläufig aber doch, oder? „Klar, das Training lebt auch von Wiederholungen. Aber man muss immer neue Reize setzen und die Übungen variieren.“

Ein Vorbild hat Schäfer nicht. Einen aber findet er schon gut, den er noch aus dessen Zeit beim KSV Hessen kennt: „Pascal Formann hat Casteels und Pervan bei Wolfsburg stark verbessert.“

Bleibt eine Frage. Wer entscheidet, wer zum Rückrundenauftakt im Tor steht, wenn beide Keeper fit sind? „Ich“, sagt Schäfer, „und dass Bernd Hüter mir das überlässt, ehrt mich.“

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