Über Stimmungen, Sorgen und Schlagzeilen

„Wir brauchen Spangenberg“: Interview mit Janne Friederike Meyer-Zimmermann

+
Am Start in Spangenberg: Janne Friederike Meyer-Zimmermann mit ihrem neunjährigen Hengst Desperado.  

Spangenberg. Zweimal hat sie den Großen Preis schon gewonnen, auch diesmal steht Janne Friederike Meyer-Zimmermann beim internationalen Spangenberger Reitturnier im Fokus. Als Reiterin, aber auch als kritischer Geist, der viel zu sagen hat über ihre Liebe zu diesem CSI und zur Entwicklung im deutschen Springsport.

Frau Meyer-Zimmermann, herzlichen Glückwunsch noch zur Vermählung. Was zieht Sie nun ein halbes Jahr später erneut nach Spangenberg?

Meyer-Zimmermann: Auf dieses Turnier und sein tolles Publikum freue ich mich immer besonders. Es herrscht so eine familiäre Atmosphäre mit der Familie Pfanzelt, allen Helfern und auch mit den Sponsoren.

Spangenberg ist kein 08/15-Turnier. Wie meinen Sie das?

Meyer-Zimmermann: Hier haben wir eines der ganz wenigen Turniere, das auf so hohem Niveau noch von einem Verein mit seinen Ehrenamtlichen organisiert wird. Seit vielen Jahren haben wir dieselben Ansprechpartner, das macht es sehr persönlich. Es gibt hier viele Alleinstellungsmerkmale. Die Ausschreibung ist sehr glücklich und wird unseren Wünschen gerecht, die Bedingungen wie der überdachte Abreiteplatz sind großartig. Die Sorge um das Wetter bereitet mir hier keine schlaflosen Nächte. Apropos: Auf die Übernachtung im Schloss freue ich mich riesig, das erste Mal vor vielen Jahren war für mich als junges Mädchen unvergesslich.

Nachgefragt: Parallel gibt es derzeit Fünf-Sterne-Turniere in Estoril (Portugal) und Knokke (Belgien), wo es viel mehr zu verdienen gibt. 500.000 Euro allein im Großen Preis, das entspricht hier dem Gesamtbudget fürs Turnier. Warum sind Sie dennoch in Spangenberg?

Meyer-Zimmermann: Geld ist nicht alles. Und wir müssen unsere Pferde doch erst einmal ausbilden, damit sie diese Fünf-Sterne-Prüfungen bewältigen können. Die jungen Reiter übrigens auch. Und dafür brauchen wir Turniere wie hier. Auf der unteren Ebene gibt es internationale 1*- und 2*-Turniere, die sich über Startgeld finanzieren, für uns die Arbeitsturniere ohne sportliche Klasse, ohne Atmosphäre für Zuschauer. Hier aber sind wir gewissermaßen im Mittelstand. Der hat es ganz schwer zu überleben mit Zuschauern und Sponsoren, weil alle Welt auf die Fünf-Sterne-Springen blickt. Umso stolzer können wir mit den Spangenbergern sein, was sie hier mit großem Einsatz und Herzblut auf die Beine stellen. Dieser Mittelstand ist die Basis von allem. Mit guten Bedingungen, guter Stimmung und hohen Anforderungen, die Pferde und Reiter weiterbringen.

Dennoch brechen ähnliche Turniere weg. Hachenburg, Gera, Hannover und künftig auch die Baltic Horseshow in Kiel - allesamt Geschichte. Warum?

Meyer-Zimmermann: Weil sie kaum mehr zu finanzieren sind. Für uns Reiter ist das fatal, denn uns fehlen die Youngster Touren und Aufbauprüfungen für die Ausbildung der jungen Pferde, also die Zulieferer für zukünftige Championatspferde. Wir Reiter und unser Sport - wir brauchen Turniere wie dieses hier in Spangenberg. .

Wenn man weiß, dass zum Beispiel die Spangenberger vor zwei Jahren rund 40.000 Euro Abgaben an die Reiterliche Vereinigung bzw. den Weltverband FEI zu zahlen hatten, muss man nach der Gegenleistung fragen und ob die FN ihren Aufgaben gerecht wird.

Meyer-Zimmermann: Ich denke, dass der Verband zu wenig Unterstützung leistet und die Abgaben viel zu hoch sind. Wenn die hochwertigen 3*- und 4*-Turniere sich nicht mehr halten können, können wir unserem Anspruch und dem Bildungsauftrag für Reiter und Pferde nicht mehr gerecht werden. Das würde langfristig auch Auswirkungen haben auf den Spitzensport bei Weltreiterspielen und Olympia. Es fallen Turniere weg, die unverzichtbar sind.

Zurück zu ihnen: Wie geht es ihrem Mops, der ja nicht mehr mitgekommen ist nach Spangenberg?

Meyer-Zimmermann: Nein, mein Erfolgspferd Lambrasco ist jetzt schon 19 und steht mit einigen jungen Pferden ganz glücklich daheim bei meinen Eltern auf der Weide.

Wissen Sie, was ihnen gemein ist mit Gerd Wiltfang, Carsten-Otto Nagel und Luciana Diniz?

Meyer-Zimmermann: Keine Ahnung, außer der Passion für unseren Sport.

Dieses Quartett hat jeweils zweimal den Großen Preis gewonnen. Sie können also am Sonntag mit ihrem dritten Triumph zur Königin von Spangenberg werden.

Meyer-Zimmermann: Das wäre schön. Aber mein erstes Ziel ist es, mich und meine Pferde hier in guter Verfassung zu präsentieren. Und es muss viel zusammenkommen, damit es klappen kann.

Wenn es klappen sollte am Sonntag, gibt es doch ein kleines Problem: Janne Friederike (ohne Bindestrich) Meyer-Zimmermann (mit) passt in keine Schlagzeile. Wie lösen wir das?

Meyer-Zimmermann: Lassen Sie einfach weg, was ihnen nicht gefällt. Manchmal fällt die Friederike hinten runter, dann mal wieder heiße ich Meyer-Zi. oder nur Meyer. Mein Mann und ich, wir können auch damit gut leben.

Janne Friederike Meyer-Zimmermann (36) sitzt seit 30 Jahren auf Pferden. Schon die Eltern waren erfolgreiche Züchter und Lehrer, von Tjark Nagel bekam sie den Feinschliff. Sie ist mehrfache Deutsche Meisterin, Team-Europameisterin 2011 sowie Team-Weltmeisterin 2010. Bei der Riders Tour 2008 wurde sie Zweite, mit Lambrasco gewann sie 2011 den Großen Preis von Aachen. Das Mitglied des A-Kaders heiratete im Januar und betreibt nun selbst in Pinneberg einen Reit- und Ausbildungsstall.

Das Programm in Spangenberg 2017 

Freitag 

8.00 Uhr: Youngster Tour, Springen nach Strafpunkten und Zei 

10.30 Uhr: Springprüfung nach Strafpunkten und Zeit (Kleine Tour) - danach: Springen nach Strafpunkten und Zeit (Mittlere Tour) - danach: S-Springen nach Strafpunkten und Zeit (Große Tour) 

13.30 Uhr: Springen nach Strafpunkten und Zeit (Mittlere Tour) 

16.30 Uhr: S-Springen, erste Qualifikation zuum Großen Preis 20 Uhr: Musik im Biergarten 

Samstag 

8.00 Uhr: Amateur-Punkte-Springen mit Joker (Kleine Tour) - danach: Springen mit Joker (Mittlere Tour) - danach: Punkte-Springen mit Joker (Große Tour) 

11.00 Uhr: Zwei-Phasen-Springen (Finale Youngster Tour) 

13.30 Uhr: S-Springen mit Stechen um Weltranglisten-Punkte (Mittlere Tour) 

16.30 Uhr: S-Springen mit Stechen um Weltranglistenpunkte (zweite Qualifikation Großer Preis) 

20 Uhr: Musik im Biergarten 

Sonntag 

8.00 Uhr: Zwei-Phasen-Springen (Mittlere Tour) - danach: Zwei-Phasen-Springen (Große Tour) 

10.30 Uhr: S-Springen mit Stechen um Weltranglisten-Punkte (Finale Mittlere Tour) 

14.30 Uhr: Großer Preis von Spangenberg, S-Springen mit Stechen um Weltranglisten-Punkte (Finale Große Tour) 

Die Anfangszeiten können sich auch auf aufgrund der Witterung verschieben. Aktualisierte Pläne, aktuelle Ergebnisse und Neuigkeiten gibt es auf der Homepage www.csi-spangenberg.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.