Tischtennis-Vereine zwischen Sorge und Verständnis für Saisonabbruch

„Jetzt fehlt uns ein ganzes Jahr“

Peter Schumann
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Peter Schumann

Offiziell gibt es in dieser Saison keine Tischtennis-Wettbewerbe mehr auf hessischer Ebene. Dies hat das Präsidium des Hessischen Verbandes am Donnerstag beschlossen (wir berichteten). Wir sprachen mit Vertretern lokaler Vereine, was die Annullierung der Saison für einzelne Klubs bedeutet.

SVH Kassel

Mit ihrer Drittliga-Mannschaft gehört die SVH Kassel zu den lokalen Aushängeschildern im Tischtennis. „Natürlich sind wir froh, dass unsere erste Mannschaft weiter trainieren konnte, aber natürlich sind wir jetzt mit all unseren anderen Mannschaften voll von der Saisonabsage auf Hessenebene betroffen“, sagt Dieter Salmen, Abteilungsleiter bei den Harleshäusern, bei denen es Mannschaften in der Hessenliga, Verbandsliga sowie auf Bezirks- und Kreisebene gibt.

Vor allen die zweite Herrenmannschaft sei in der Hessenliga sehr ambitioniert in die Saison gegangen. Ein Aufstieg in die Oberliga sei wahrscheinlich gewesen. Natürlich gäbe es jetzt viel Frust, weil das sportliche Ziel nicht mehr erreicht werden könne. „Als Kreiswart habe ich allerdings damit gerechnet. Für alle ist es jetzt wichtig, geordnet ins Training zurückzukehren“, sagt Salmen, der auf möglichst einheitliche Regelungen hofft, „damit es bundesweit nicht zu Verzerrungen kommt“.

SC Niestetal

Insgesamt 18 Mannschaften sind beim SC Niestetal von der Annullierung der Saison betroffen. „Wir waren auf alle möglichen Szenarien vorbereitet“, sagt Peter Schumann, der die Entscheidung des Hessischen Tischtennis-Verbandes (HTTV) nachvollziehen kann. Der SCN-Vorsitzende sieht allerdings neben den aktuellen Problemen auch langfristig Veränderungen im Tischtennis-Sport: „Es wird Veränderungen geben, die bis hin zu einem verstärkten Mannschaftssterben führen werden.“

Vor allem ältere Spieler könnten dann aus Schumanns Sicht vermehrt aussteigen, während der Nachwuchs nicht mehr wie bisher als Ersatz bereit stünde. Die Niestetaler seien zwar mit ihren sieben Herren-, vier Damen- und sieben Jugendmannschaften gut aufgestellt, aber viele kleine Vereine könnten ab 2022 oder auch noch etwas später in eine ernste Krise schlittern.

TTC Elgershausen

Mit etwas Bedauern hat Guido Oliv vom TTC Elgershausen die Entscheidung des HTTV aufgenommen. „Unsere Verbandsliga-Damen wollten aufsteigen und standen zuletzt auf Platz zwei der Tabelle. Außerdem wollten unsere Herren in der Bezirksklasse nach dem Lockdown noch einmal angreifen, aber daraus wird nun eben nichts mehr“, sagt der Elgershäuser Vorsitzende, der den Saisonabbruch als zu früh empfindet und gern noch weiter gespielt hätte: „Mitte März hätte man vielleicht nochmal einsteigen können, zumal wir mit einem umfassenden Hygienekonzept vorbereitet waren“, sagt Oliv.

Betroffen seien jetzt vier weitere Mannschaften auf Kreisebene und natürlich die Jugendmannschaften. „Jetzt fehlt uns ein ganzes Jahr, wenn wir das alles hinter uns haben“, macht sich Oliv Sorgen um die langfristige Perspektive für den TTC und die Jugend. Als kleine Perspektive stellt der TTC inzwischen eine App zur Hallenbuchung zur Verfügung: „Dann kann man zumindest zu zweit in der Halle spielen.“ (Martin Scholz)

Peter Schumann

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