Lauf-Ass zieht in ihre Heimatstadt

Heimkehr: Laura Hottenrott startet künftig für den PSV Grün-Weiß Kassel

Läuferin Laura Hottenrott kehrt in ihre Heimatstadt Kassel zurück und trägt künftig die Farben des PSV Grün-Weiß Kassel. Sie lehnt lässig an einem Fernrohr.
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Neues Trikot, neues Ziel im Blick: Läuferin Laura Hottenrott kehrt in ihre Heimatstadt Kassel zurück und trägt künftig die Farben des PSV Grün-Weiß Kassel.

Lauf-Ass Laura Hottenrott kehrt zurück nach Kassel: Sie trägt künftig das Trikot des PSV Grün-Weiß Kassel, in der neuen Wohnung packt sie gerade die Umzugskartons aus.

Viele Leichtathleten sind Zugvögel. Sie verlassen die Heimat, weil sie andernorts bessere Trainingsmöglichkeiten geboten bekommen, größere Aussicht auf Erfolg haben. Auch die Kasselerin Laura Hottenrott war so ein Zugvogel.

Studium und Sport haben sie nach Köln geführt, nach Portland und Boston in den USA, und zuletzt nach Bochum ins Ruhrgebiet. An der Ruhr-Universität hat sie nach dem Biologie-Studium ihre Promotion in Trainingswissenschaft begonnen, die sie künftig von Kassel aus weiterschreibt.

Denn sie setzt einen Schlusspunkt unter das Umherziehen. Sie will Wurzeln schlagen. Und wo lässt sich das am besten? Für die 28-Jährige gibt es auf diese Frage nur eine Antwort: in der alten Heimat. Hottenrott zieht nicht nur zurück nach Kassel, sie trägt künftig auch wieder die Farben eines hiesigen Vereins: Das blaue Trikot des TV Wattenscheid tauscht sie ein gegen das des PSV Grün-Weiß Kassel. Dabei hat sie sich gegen das Laufteam Kassel, für das viele starke Läufer aus der Region starten, und für die Grün-Weißen entschieden: „Dort fühle ich mich besser aufgehoben.“

Der Wechsel, die Heimkehr, sie sind wohldurchdacht. „Kassel ist meine Heimat. Meine Familie lebt hier, viele enge Freunde aus der Schulzeit ebenso. Mein Vater ist mein Trainer, auch Sascha Seifert, mein Physiotherapeut, hat seine Praxis in Kassel“, erklärt sie. Hinzu kommt: „Ich fühle mich auch auf den Strecken hier am wohlsten.“ Sie schätzt die abwechslungsreichen Profile. „Es geht hoch und runter.“

Hoch und runter ist ein Bild, das auch gut zu ihrer bisherigen Laufkarriere passt. Sie ist auf den langen Strecken zuhause, häufig aber warfen sie vor Großereignissen Verletzungen zurück. Bis 2020 kam. Das Pandemie-Jahr natürlich, für sie aber auch das Jahr, in dem sie endlich einmal verletzungsfrei und auskuriert einen großen Wettkampf absolvieren konnte.

Zuletzt war das die Halbmarathon-Weltmeisterschaft in Polen. Sie lief in 1:10:49 Stunden nicht nur persönliche Bestzeit und kam als 26. ins Ziel, sondern freute sich mit der deutschen Frauen-Mannschaft mit der zweiten Kasselerin im Team, Vizeweltmeisterin Melat Kejeta, auch über die überraschende Bronzemedaille. „Ich bin so froh über einen guten Jahresabschluss. Das war echt genial“, blickt Hottenrott zurück. Denn letztlich war dieser Wettkampf der einzige, der im entspannteren Corona-Frühherbst noch stattfinden konnte. Auch auf nationaler Ebene zahlt sich ihre Leistung aus: Mit ihrer Zeit hat sie den Sprung in den Perspektivkader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) geschafft. Das gibt nicht nur zusätzliche Motivation für das kommende Jahr, sondern unter anderem auch Möglichkeiten, sich in Trainingslagern des DLV vorzubereiten.

Sie sagt: „Mit meiner Halbmarathon-Zeit traue ich mir eine Zeit unter 2:29:30 zu. Das ist die Olympianorm.“ Drei Startplätze sind in Tokio für deutsche Läuferinnen reserviert, drei Läuferinnen haben die Norm bereits geknackt, darunter Kejeta.

Zwar sind die Sommerspiele terminiert, aber noch keine Qualifikationsrennen. Die könnten im Februar oder März angesetzt werden, je nach Entwicklung der Pandemie. Bis dahin bleibt Hottenrott nur eins: trainieren. 140 Kilometer spult sie pro Woche ab, setzt sich auch gern mal aufs Rennrad oder schnallt die Langlauf-Skier an, sobald Schnee liegt. Und jetzt packt sie erst einmal Kartons aus. In ihrer Wohnung im Vorderen Westen.

(Von Michaela Streuff)

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