Interview

Kasseler Bogenschütze Maximilian Weckmüller: „Mein Ziel heißt Olympia“

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Zuversichtlich: Bogenschütze Maximilian Weckmüller hat große Ziele für das kommende Jahr. 

Maximilian Weckmüller zählt in seiner Sportart zur Weltspitze. Der Kasseler Bogenschütze war Junioren-Weltmeister und nahm bei den Senioren an Welt- und Europameisterschaften sowie der Universiade teil. Wir haben mit dem 24-Jährigen über seinen Sport, seine Laufbahn und sein großes Ziel für 2020 gesprochen.

Herr Weckmüller, wenn Sie es sich aussuchen könnten, wo sind Sie Ende Juli 2020?

Ich bin in Tokio und starte hoffentlich mit zwei anderen deutschen Herren und drei Frauen, die ihren Platz schon sicher haben, bei den Olympischen Spielen.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, sich für Olympia zu qualifizieren?

Es wird nicht leicht. Wir haben bei der WM mit dem Team die Quotenplätze für Olympia verpasst, die Frauen haben dort ihre Aufgabe etwas besser gelöst. Wir haben unsere Sache gut gemacht, sind allerdings extrem knapp gescheitert. Aber wir bekommen bei der Europameisterschaft und dem Weltcup in Berlin noch zweimal die Möglichkeit, uns zu qualifizieren. Es wird dort auch anstrengend, aber unsere Chancen stehen nicht schlecht.

Wie stehen im internationalen Vergleich die deutschen Bogenschützen da?

Wir haben in Deutschland ein sehr gutes Potenzial und viele gute Schützen. Uns fehlt aber die Leistungsdichte wie sie die Koreaner und generell die Asiaten haben. Mit dem Team sind wir auf jeden Fall weltweit unter den Top Zehn. Das haben wir auch schon mehrmals bewiesen.

Wie viele Teams treten bei Olympia an?

Zwölf Mannschaften.

Mit Maschinenbau haben Sie ein anspruchsvolles Studium. Wie schwer fällt es, Leistungssport und Studium unter einen Hut zu bringen?

Es ist wirklich nicht leicht. Das Maschinenbau-Studium muss man ernsthaft angehen und viel Zeit investieren. Dasselbe gilt für unseren Sport auch. Es ist extrem schwierig, gerade in den Wettkampfperioden, wenn ich viel unterwegs bin, in der Uni dranzubleiben. Ich schreibe nächstes Jahr zwar ein paar Klausuren, aber im kommenden Jahr heißt mein Ziel Olympia. Wenn die Spiele in Tokio vorbei sind, egal ob ich dabei bin oder nicht, konzentriere ich mich verstärkt auf mein Studium.

Sie sind durch Ihren Sport schon viel in der Welt herumgekommen. Was waren die schönsten Wettkampforte?

Puh, das ist echt nicht leicht. Am beeindruckendsten fand ich die Mongolei. Das ist ja kein typisches Urlaubsland, in das man sonst reist. Es ist ein großes Land mit wenigen Einwohnern – um die Hauptstadt herum war einfach Nichts. Die Mentalität der Leute kann man mit unserer überhaupt nicht vergleichen. Sehr schön und modern war auch Taipeh. Es ist halb asiatisch und halb europäisch. Beeindruckend war zudem Mexiko City. Es ist eine Riesenstadt. Die Stadt hört einfach nicht auf. Landschaftlich war es in Salt Lake City in den USA am Schönsten.

Sie haben auch schon in Las Vegas geschossen. Wie kam es dazu?

Es gibt dort das weltweit größte Hallenturnier mit dem höchsten Preisgeld im Bogenschießen. Wenn ich kommendes Jahr wieder hinfliege, ist es mein viertes Mal in Vegas. Es ist klasse, weil man in dem Hotel wohnt, in dem auch das Turnier stattfindet. Ich nehme meinen Bogen und gehe vom Hotelzimmer einfach runter und schieße. Dann gehe ich etwas Essen und mal ins Kasino zum Spielen. Es ist schon witzig. Vegas muss man mal gesehen haben.

In wie viele Länder reisen Sie für Wettkämpfe und Trainingslager im Jahr?

Ich sehe pro Jahr schon so sieben, acht Länder. Wir sind häufiger in der Türkei, weil dort unsere Trainingslager stattfinden. Da es in Deutschland keine eigene feste 70-Meter-Halle für Bogenschützen gibt, trainieren wir im Winter bis zu sechsmal in der Türkei und sind dann jeweils zehn Tage dort. Bei diesen Lehrgängen können wir auch im Winter draußen schießen, anstatt in der Halle. Auf dem Draußen-Schießen liegt das Hauptaugenmerk, weil dort ja auch die Olympischen Spiele stattfinden.

Das ist alles sehr kostspielig. Wie finanzieren Sie es?

Die Reisen und die Pfeile übernimmt der Deutsche Schützenbund. Das restliche Material müssen wir uns selber organisieren. Bei einigen Komponenten werde ich von den Herstellern gesponsert. Es ist schon sehr kostspielig. Mein Koffer mit den beiden Bögen kostet um die 10 000 Euro. Neben den Sponsoren aus dem Bogensport unterstützen mich auch die Sparkasse und die BMW Niederlassung Kassel.

Was war der größte Erfolg in Ihrer Laufbahn?

Das war der Weltmeistertitel 2014 bei den Junioren. Es war die erste Einzelmedaille bei einer WM für die deutschen Bogenschützen in dieser Altersklasse überhaupt. Und dann gab es auch noch zwei, weil ich zusammen mit meinem sehr guten Freund Carlo Schmitz im Finale stand. Ich holte Gold, er Silber. Da bekomme ich immer noch Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke.

Zur Person

Maximilian Weckmüller (24), ist in Eschwege aufgewachsen, war später im Nachwuchsleistungszentrum in Jena und lebt seit 2014 in Kassel. Er schoss früher für die Freie Bogengilde Werratal-Eschwege, seit 2016 für den BSC Vellmar. Er war Junioren-Weltmeister und -Vize-Europameister, im Herrenbereich waren seine größten Erfolge Bronze mit dem Team beim Weltcup in Schanghai und Platz neun bei der WM im Einzel. Weckmüller studiert Maschinenbau an der Uni Kassel und ist Profisportler. Er ist ledig, aber vergeben.

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