Meißner und Schulenburg haben den Verein gewechselt

Kasseler Fechterinnen auf neuen Wegen

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Sie wissen sich zu wehren: Die Degen-Fechterinnen Katrin Meißner (links) und Patricia Schulenburg beweisen sich inzwischen beim FC Tauberbischofsheim und dem HBV Heidenheim.

Der Schritt war aus ihrer Sicht folgerichtig. Und wohl überlegt. Um sportlich noch weiter nach oben zu kommen, wechselten sie im vorigen Sommer vom Fechtclub Kassel zu großen, renommierten Vereinen. Katrin Meißner geht nun für den FC Tauberbischofsheim mit dem Degen auf die Planche, Patricia Schulenburg für den HBV Heidenheim.

So oft wie möglich fahren beide U17-Talente seither an den Wochenenden und für mehrtägige Lehrgänge zu ihren neuen Klubs. Ansonsten trainieren sie in der Woche wie früher in Kassel. Selbstredend sind Meißner und Schulenburg dort weiter Mitglied, starten aber für die neuen Vereine. Zahlreiche Turniere, auch im Ausland, kommen hinzu. Nervt der hohe Aufwand? „Wir sind es so gewohnt. Immerhin wohnen wir ja in der Mitte Deutschlands, sonst wären die Fahrten noch weiter“, sagt Schulenburg. Meißner hingegen beklagt die viele Sitzerei auf den Fahrten: „Das ist für den Rücken nicht gut.“

Dass sie überhaupt wechselten, hat mit den aus ihrer Sicht wesentlich besseren Bedingungen und Infrastrukturen an den neuen Orten zu tun. Wobei sie sich ein wenig so fühlen könnten, als seien sie aus Katakomben ins Paradies gekommen. Schließlich tauschten sie die beengten Räume des FCK in der ehemaligen Gaststätte und Kegelbahn der Königstorhalle mit dem besonderen Charme gegen schmucke Leistungszentren. „Aber am besten ist es doch in Kassel. Dort sind die Leute nicht abgehoben, in den großen Vereinen schon ein bisschen,“ sagt Meißner.

Letztlich aber schätzen beide die Bedingungen in der neuen sportlichen Heimat. „Wir müssen uns nicht mehr um alle organisatorischen Details kümmern. Die Hotels sind gebucht, wir fahren zu den Turnieren gemeinsam mit dem Bus und nicht in Fahrgemeinschaften“, sagt Meißner. Schulenburg freut sich zudem über die Unterstützung bei den Kämpfen: „Wenn wir auf Turnieren fechten, sind viele von uns in der Halle und feuern uns an. Das gab es vorher nicht.“

Ganz bewusst wählten beide Mädchen ihre neuen Klubs nach individuellen Kriterien aus. Auch aus Bonn, einer weiteren deutschen Fechthochburg, gab es Anfragen. Ebenso wohl überlegt entschieden sie sich gegen ein Internat. „Das wäre nicht mein Fall und kam nicht infrage“, betont Meißner. Schulenburg sieht es so: „Ich würde meine Eltern vermissen. Außerdem spiele ich vier- bis fünfmal die Woche Geige. Dafür hätte dann die Zeit gefehlt.“

Erfolge sammelten die beiden Teenager in den vorigen Jahren eine Menge. Satt sind sie längst nicht. Wenngleich sie an eine zukünftige Olympia-Teilnahme nicht denken. „Man hofft auf das Höchste. Aber so ein Ziel setze ich mir nicht. Es würde mich nur unter Druck setzen. Ich denke Step-by-Step“, erklärt Schulenburg. Und Meißner? „Mein bisheriges Ziel, mich für die WM zu qualifizieren, habe ich erreicht. Als Nächstes will ich bei der EM eine Medaille holen.“

Für den Fechtclub Kassel ist der Weggang Beleg für die geleistete gute Jugendarbeit. Dennoch wird der Wechsel mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet. „Es wäre schon schön, wenn beide noch für uns fechten würden. Aber wir sind auch stolz, dass sie als hier Ausgebildete so gefragt sind“, sagt Präsident Marcel Ansorge. Und ganz weg sind sie ja schließlich nicht.

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