Kampf um Respekt

Kasseler Fight Night: Boxer Özcan Cetinkaya trainiert für den letzten Anlauf

Ein klares Ziel vor Augen: Der Gudensberger Boxer Özcan Cetinkaya will nach der nächsten Kasseler Fight Night im Juni den Ex-Weltmeister im Cruisergewicht Marco Huck herausfordern. Fotos:  Dessauer

Kassel. Die wuchtigen Schläge gegen den Sandsack hallen im kargen Keller des Boxklubs im Kasseler Wesertor wider. Der Geruch von altem Schweiß und rostigen Metallgewichten liegt in der Luft.

Hier an der Josephstraße, zwischen Esso-Tankstelle und Al-Huda- Moschee, bereitet sich Özcan Cetinkaya aus Gudensberg auf den vielleicht letzten großen Anlauf seiner Boxkarriere vor.

Ungewisse Zukunft

„Ich bin 39, wenn ich von den nächsten fünf Kämpfen einen verliere, höre ich auf“, stellt Cetinkaya klar. Am kommenden Samstag boxt er bei der Kasseler Fight Night im Autohaus Dürkop (Waldau) gegen den Georgier Giorgi Abuladze. Ein Vorbereitungskampf soll es werden. Denn im November will der Hesse mit türkischen Wurzeln den ehemaligen WBO-Weltmeister im Cruisergewicht Marco Huck herausfordern – um „noch mal einen Großen vor die Fäuste zu kriegen“, wie er sagt.

Ungeduldiger Beginn

Einer, der ihn auf diesem Weg begleitet, ist sein Trainer Manfred Jassmann (64) aus Korbach. Der ehemalige Deutsche Meister im Schwergewicht kann sich noch gut an sein erstes Treffen mit Cetinkaya 1999 erinnern: „Özcan war ziemlich schwammig, hatte ein paar Speckrollen zu viel“, erzählt der Altmeister. Cetinkaya sei ungeduldig und blauäugig gewesen damals, habe direkt von der großen Karriere geträumt und sich einige Abreibungen geholt. Jassmann übte ihn in Geduld, baute ihn langsam auf.

„Wenn du 21 bist, denkst du anders, willst schnell das große Geld verdienen“, räumt Cetinkaya seinen jugendlichen Übermut von damals ein. In den vergangenen 18 Jahren haben sich die Wege der beiden immer wieder gekreuzt. Knapp 30 Kämpfe haben Jassmann und Cetinkaya zusammen vorbereitet. Die Chemie zwischen dem Korbacher und dem Gudensberger scheint zu stimmen. Im vergangenen Jahr hatte Cetinkaya noch mit Graciano Rocchigiani trainiert. Doch es passte nicht. „Man muss seinen eigenen Stil finden“, erklärt Cetinkaya. „Graciano wollte, dass ich boxe wie er, deshalb kam ich auch nicht mit ihm klar.“

Der Sandsack als Sparring-Partner: Trainer Manfred Jassmann (links) schaut bei Cetinkayas Schlägen genau hin.

Verpasste Chance

Die größte verpasste Chance seiner Karriere, sagt Cetinkaya etwas wehmütig, sei der Kampf gegen den Kubaner Juan Carlos Gomez 2010 gewesen. Der Gudensberger verlor gegen den damaligen Elften der Weltrangliste nach Punkten. Der Kampf wurde live bei Eurosport übertragen. „Die Niederlage war verdient“, gesteht sich Cetinkaya zwar ein, doch ein Sieg hätte seine Karriere noch mal auf ein anderes Niveau heben können. Gomez hatte ein Jahr zuvor noch gegen Vitali Klitschko geboxt.

Gewonnene Reife

Heute sieht Coach Jassmann seinen Schützling als gereift an. „Er träumt nicht mehr, weiß, was Realität ist und was Fantasie.“ Diese Reife will Cetinkaya auch bei öffentlichen Auftritten zeigen. Es gehe ihm beim Boxen nicht um die Show, sondern um die Ehre. Er sei kein Freund von Provokationen. „Nur im Ring zeigst du, was du drauf hast.“

In Kassel werden am Samstag auch Cetinkayas Frau Sevda und sein 14 Jahre alter Sohn Taycan dabei sein. Sie kommen zu allen seinen Kämpfen. Im Gegensatz zu seinen Eltern. Früher haben sie ihm das Boxen verboten. Mittlerweile sei es aber „für sie okay“.

Warum Cetinkaya Boxer wurde? „Ich wollte eigentlich immer Polizist werden, wollte von den Leuten respektiert werden“, erinnert er sich. „Als Kind hatte ich in der Schule Probleme, war ein Außenseiter“, sagt das Einzelkind. „Ich bin Boxer geworden, um respektiert zu werden.“

Karten für die Kasseler Fight Night im Autohaus Dürkop, Heinrich-Hertz-Straße 27, gibt’s für 35 Euro an der Abendkasse.

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