Sechsfacher Deutscher Meister hat die Olympische Spiele im Blick

Kasseler Karateka Kuhn: Mit Kicks und Köpfchen nach Tokio

Gut gelaunt und fokussiert: David Kuhn vom SV Herkules demonstriert einen Karate-Kick mit dem Fuß. Links im Bild: eine Pratze.
+
Gut gelaunt und fokussiert: David Kuhn vom SV Herkules ist sechsfacher Deutscher Karate-Meister und gehört zu einem kleinen Kreis Karatekas, die sich für die Olympischen Sommerspiele in Tokio qualifizieren können.

Ein letzter, konzentrierter Blick. Dann springt er hoch, zielt und trifft die Pratze, das weiche Kissen an der Hand seines Gegenübers – aus der Drehung heraus, exakt mit dem Fuß. Dazu bedarf es jeder Menge Körperbeherrschung und der richtigen Koordination. David Kuhn hat beides.

Denn der 22 Jahre alte Kasseler vom SV Herkules macht Karate. Und darin ist er so gut, dass er nicht nur sechsfacher Deutscher Meister ist, sondern als Mitglied der Nationalmannschaft auch ein großes Ziel im Blick hat: Er will 2021 nach Tokio und dabei sein, wenn seine Sportart erstmals olympisch sein wird.

Wenn er beim Qualifikationsturnier im Juni einen von noch sechs freien Plätzen in seiner Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm ergattert, dann erfüllt sich sein großer Traum. Diesem hat er quasi sein komplettes Leben untergeordnet. Er ist Sportsoldat bei der Bundeswehr, um sich voll und ganz auf Karate konzentrieren zu können.

Training steht nahezu täglich auf dem Programm, dazu kommen nach der langen Corona-Zwangspause nun auch wieder regelmäßige Lehrgänge mit der Nationalmannschaft, so wie in diesen Tagen in Hennef. Aber sie sind nur ein kleiner Ausgleich für das, was bald eigentlich angestanden hätte: die Weltmeisterschaft, die von November auf 2021 verschoben wurde. Im März war bereits die EM ersatzlos gestrichen worden.

Dass er zu Deutschlands Besten gehört, zeichnete sich schon früh ab: „Ich mache Karate, seitdem ich fünf Jahre alt bin.“ Als er 2010 Deutscher Meister seiner Altersklasse wurde, rückte er ins Blickfeld des Nationaltrainers. Doch fast noch wichtiger war die Unterstützung seines Coaches vor Ort: „Alexander Lang habe ich unglaublich viel zu verdanken. Er hat mich immer gefördert, mir auch bei Problemen geholfen.“

Es folgten besondere Momente wie die Bronzemedaille 2013 bei der Jugend-WM ebenso wie schmerzhafte: „Einmal hatte ich die Nase gebrochen, einmal habe ich einen Wettkampf zu Ende gebracht und erst hinterher die Diagnose bekommen, dass ich nach einem falsch geblockten Tritt einen dreifach gebrochenen Mittelhandknochen hatte.“

Etwas, das viel über Kuhn aussagt. Er hat Biss und Durchhaltevermögen. „David denkt schnell, strategisch und ist technisch sehr gut aufgestellt“, charakterisiert ihn Alexander Raiswich (18), einer von Kuhns Trainingspartnern beim SV Herkules. Wer den Kasseler dort erlebt, der merkt auch: So schnell bringt ihn nichts aus der Ruhe. Das liegt vielleicht ein bisschen daran, dass es ziemlich laut wird. Denn jede Aktion im Karate geht mit einem lauten Schrei einher. „Punkte darfst du nur erzielen, wenn du schreist. Der Vorteil ist: Du lässt Kraft raus, du fühlst dich kräftiger, schneller“, erklärt er. K.o.-Schläge aber sind im Karate nicht erlaubt. „Beim Boxen kann mit einem Schlag alles vorbei sein, bei uns allerdings nicht.“ Auch das gehört zu seinem Sport: Respekt. „Karate hat viel mit Anstand zu tun.“ So sind Verbeugungen Pflicht, vor dem Gegner ebenso wie vor dem Schiedsrichter.

Für Kuhn zahlt sich die Arbeit mit Spezialtrainern aus: zum einen mit dem Mentalcoach des Nationalteams. „Denn die letzten, entscheidenden Prozente im Karate sind Kopfsache.“ Zum anderen mit dem Kasseler Fitnesscoach Lutz Anders. „Seitdem bin körperlich viel fitter geworden.“

Und wenn er doch mal eine Auszeit braucht vom Karate, dann findet er Ausgleich bei Freundin Melissa. Oder beim Fußball. Mit Freunden spielt er beim FSC Lohfelden in der Kreisliga. Es muss halt nicht immer nur um Olympia gehen.

(Von Michaela Streuff)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.