Eishockey: Justin Schütz spielt im Nationalteam U18 und lebt in Salzburger Akademie

Ein Kasseler in Österreich

Im Salzburger Dress: Justin Schütz (links) mit seinem Betreuer Ronny Hufschläger. Fotos: privat

Kassel. Wer in diesen Tagen die Eishockey-Kader deutscher Jugend-Nationalteams durchblättert, kommt ins Staunen. Denn dabei gilt: Nicht ohne einen Kasseler. Mirko Pantkowski ist in der U20 als Torwart Nummer eins gesetzt. In der U18 stehen drei Talente, die in der Eishockey-Jugend Kassel groß geworden sind: Yannik Valenti (jetzt Mannheim), Erik Betzold (Köln) und Justin Schütz. Der 17 Jahre alte Angreifer wird seit 2014 in Salzburg ausgebildet - an der Akademie von Red Bull, die als Europas modernstes Nachwuchszentrum gilt.

In der U18 schließt sich ein Kreis. Schütz spielte schon in Kindertagen mit Valenti bei den EJK-Kleinschülern - und nun sind beide Teil der ersten Sturmreihe im Nationalteam. „Eine Ehre“, wie Schütz sagt.

Die Anfänge

Wer weiß, wie es gekommen wäre, wenn Milan Mokros nicht Andrea Schütz angesprochen hätte, ihre Söhne Robin und Justin mal zum Eistraining zu schicken. Er hatte den richtigen Riecher. Beide entdeckten ihre Liebe zur Puckjagd. Schütz allerdings wählte einen anderen Weg als Valenti. Während Yannik erst im November 2015 nach Mannheim wechselte, zog es Justin Schütz schon 2011 fort. Nach Klasse fünf wechselte der damals elf Jahre alte Kasseler vom Goethegymnasium nach Iserlohn. „Sehr zu meinem Leidwesen. Aber es war Justins großer Wunsch und wir haben ihn unterstützt“, gesteht die Mutter heute. Auch der ältere Bruder Robin (heute 21) war schon dort. „Wir hatten eine Wohnung vor Ort, sind jedes Wochenende hingefahren.“ Justin bereut die Entscheidung nicht. „Ich würde es immer wieder so machen. Klar, das erste Jahr war nicht immer einfach. Ich bin viel schneller eigenständig geworden.“

Das zweite Zuhause

Über Kontakte zum Leiter der Akademie, Helmut de Raaf, und ein Probetraining kam Justin 2014 nach Salzburg. Die Akademie ist sein neues Zuhause. Die Eltern besuchen ihn einmal pro Monat, auch Schütz’ Länderspiele sind Pflichttermine - ebenso wie Spiele von Robin, der mit Neuwied in der Regionalliga spielt und in Köln eine Ausbildung macht. Sein jüngerer Bruder hingegen bewohnt eines der 70 Doppelzimmer in der Akademie und spielt mit der Salzburger U18-Auswahl in der tschechischen (!) Liga. Parallel dazu besucht er die gymnasiale Oberstufe, macht im kommenden Jahr Matura, das österreichische Abitur.

Den Großteil der Kosten übernimmt die Akademie, die Eltern zahlen für Justin monatlich 250 Euro. Training, Schule und Spiele freitags und samstags bestimmen den Alltag, nur sonntags ist frei.

Ein strammes Programm, das wenig Freiräume lässt. Doch wer mit Justin spricht, der merkt nicht nur, dass mittlerweile ein paar Brocken österreichischer Dialekt zum Wortschatz des Kasselers gehören, sondern dass er das, was er macht, genießt: „Ich fühle mich hier richtig wohl“, sagt Justin. „Die Ausbildung in der Akademie ist unschlagbar.“

Die Zukunft

Noch steht nicht fest, wie es für den jungen Stürmer nach dem Ende der Schulzeit weitergehen wird. Red Bull, Namensgeber der Akademie, ist auch Sponsor des Münchner DEL-Teams. Möglich ist auch, dass es Schütz erst einmal über den Atlantik zieht. „In Nordamerika zu spielen, wäre ein Traum“, sagt der junge Stürmer.

Doch egal, wohin ihn sein sportlicher Weg führen wird, eines dürfte bleiben. Die Liebe zur Ahlen Wurscht. „Sie ist und bleibt die Nummer eins“, sagt er und lacht.

Wussten Sie schon, dass...

• die Akademie im Sommer 2014 in Salzburg gegeründet wurde?

• Ex-Nationaltorwart Helmut de Raaf Leiter der Akademie ist?

• in der Eishockeyschmiede Talente zwischen 14 und 20 Jahren gefördert werden?

• für die Puckjäger jeweils in zwei 2500 Quadratmeter großen Eishallen trainieren? Die Flexbanden geben beim Aufprall nach, um Verletzungen zu vermeiden.

• in den beiden sogenannten Skatemills, die Talente auf Kunsteis Lauftraining-Einheiten absolvieren? Außerdem gibt es noch ein Center, in dem nur Schießen geübt wird.

• es sechs Fußballplätze und eine 6000 Quadratmeter große Trainingshalle gibt?

• alle Akademieschüler den Motorikpark mit 42 Stationen für ihr Fitnesstraining nutzen können?

• die Schüler auf zwei Etagen in 70 Doppelzimmern leben?

• die Akademie mit fünf verschiedenen Salzburger Schulen zusammenarbeitet? Dabei gilt der Grundsatz: 51 Prozent Schule, 49 Prozent Sport. Heißt: Schule hat Vorrang. (mis)

Von Michaela Streuff

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