Ungewisse Zukunft

Kasseler Town Squash Club ist plötzlich ohne sportliche Heimat

Da flogen noch Bälle im City Squash: Kassels Julian Brückner (vorn) vor sieben Jahren im Duell mit dem Darmstädter Rodney Bysh.
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Da flogen noch Bälle im City Squash: Kassels Julian Brückner (vorn) vor sieben Jahren im Duell mit dem Darmstädter Rodney Bysh.

16 Jahre lang war der Town Squash Club Kassel hier zuhause. Unversehens steht er ohne sportliche Heimat da. Denn das City Squash im Kasseler Königstor schließt zum 31. Dezember.

Kassel - Doch das Aus für die letzte Anlage in Kassel soll nicht auch das Aus des Vereins sein. Dafür legen sich die Verantwortlichen ins Zeug, auch wenn sie aufgrund der Pandemie derzeit nicht auf den Courts aktiv sein können.

Einen ersten Erfolg gibt es bereits zu verzeichnen. „Wir haben mit dem Tennis- und Squashcenter Bergshausen eine kurzfristige Lösung gefunden, falls wieder gespielt werden darf. Allerdings ist es etwas ungünstig, weil außerhalb der Stadt gelegen“, sagt Julian Brückner. Zudem könnte es in Fuldabrück eng werden, fürchtet der im Hessenliga-Team Spielende und im Vorstand Engagierte: „Es gibt dort nur drei Plätze, aber viele Betriebs- und Hobbysportler.“ Das Problem: „Die Courts werden immer knapper. Sie sind nicht in öffentlicher Hand, sondern privat. Und werden meist zu Fitnessstudios umgewandelt“, sagt Brückner. Schließlich ist Squash nicht mehr so populär wie in den Hochzeiten zwischen 1980 und der Jahrtausendwende.

Langfristig peilt der Verein eine befriedigendere Lösung als die in Bergshausen an. „Wir sind offen für Anregungen, suchen Investoren und auch das Gespräch mit der Stadt Kassel. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, uns irgendwo anzugliedern“, erklärt Brückner. In den Hochzeiten der 90er-Jahre hatte der Verein rund 250 Mitglieder. Heute sind es noch 50, Tendenz steigend.

Was der Klub, der sogar einmal der 2. Bundesliga angehörte, sportlich auf die Beine stellt, kann sich sehen lassen. Die erste Mannschaft tritt in der Hessenliga an, die zweite in der Landesliga und die dritte in der Bezirksliga. Doch nicht nur das. „Wir wollten mit der Ersten endlich mal wieder Hessenmeister werden und hatten wohl gute Chancen“, sagt Brückner. Doch nach zwei klaren Siegen war zumindest vorerst coronabedingt Schluss, Fortsetzung ungewiss. Auch im Kinder- und Jugendbereich tat sich einiges. Dies belegen nicht zuletzt zwei hessische Meisterschaften für Luis Brandl, inzwischen Mitglied des Hessenligateams, in der U 15 und U 17. Neben Brückner und Brandl bilden Andreas Hitsch und Johannes Dehmer-Saelz derzeit die erste Mannschaft.

Bleibt die Frage, wieso der 1977 gegründete Town Squash Club, einst in der längst geschlossenen Halle in Rothenditmold zu Hause, seine Heimat im City Squash Club fand. „Von 2004 bis 2006 hatten wir dort trotz aller Rivalität eine Spielgemeinschaft mit deren Leuten. Als sie nicht mehr fortgeführt wurde, starteten wir wieder unter unserem alten Namen“, berichtet Brückner. Der Weg führte den Town Squash Club sogar bis in die 2. Bundesliga.

Wenn die Kasseler nun also die geliebte angestammte Spielstätte räumen, geschieht dies mit flauem Gefühl. „Klar, ich habe da ja fast gewohnt, war drei oder vier mal pro Woche in der Halle, auch wenn kein Spiel war. Bei uns allen ist viel Wehmut dabei“, sagt der 33-jährige Brückner und ergänzt: „Das ist, als ob man im Alter noch mal umziehen muss.“ (Von Wolfgang Bauscher)

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