Handball: Profis setzen immer häufiger zusätzlichen Feldspieler ein – in unteren Ligen aber kaum Thema

Kein Risiko mit dem Leibchen

Kassel. Immer häufiger mischt im höherklassigen Handball, wenn auch nicht beim Bundesligisten MT Melsungen, ein zusätzlicher Feldspieler mit.

Manchmal, um Überzahl zu schaffen, manchmal, um eine Zeitstrafe zu kompensieren. Ab dem Sommer greift eine neue Regel: Der zusätzliche Spieler muss dann nicht mehr im Leibchen gekennzeichnet sein. Allerdings darf in diesem Fall kein Feldspieler den Torraum betreten. Wir hörten uns um.

Der Landesliga-Trainer

„Wir haben bisher noch nicht den zusätzlichen Feldspieler gebracht. Voraussetzung dafür ist eine Menge Trainingsarbeit, um die Abläufe einzustudieren. Vielleicht streuen wir die Variante in die nächste Vorbereitung mit ein“, erklärt Andreas Paul, der als Landesliga-Trainer sowohl mit den Männern als auch mit den Frauen des TSV Vellmar vor dem Aufstieg steht. Überhaupt ist das Mittel in der Landesliga nach Pauls Beobachtung wenig verbreitet: „Die Ersten, die es gegen uns angewendet haben, waren am Wochenende die Korbacher. Und zwar jedes Mal, wenn sie in Unterzahl waren.“

Die Bezirksoberliga

Eine siebte Feldspielerin ist in der Bezirksoberliga der Frauen eher selten. „Wir haben das noch nie gespielt und auch nicht trainiert“, erklärt Luisa Schaumburg von der TSG Wilhelmshöhe. Und die Gegnerinnen? „Ich kann mich an einen Fall erinnern, aber das war die große Ausnahme.“

Der Abgucker

Mehr Erfahrung mit der Variante hat Arnd Kauffeld. Der ehemalige Trainer des GSV Eintracht Baunatal wendet sie noch heute bei der ESG Gensungen/Felsberg an und bediente sich ihrer schon früh „Es muss vor fünf Jahren in der 3. Liga gewesen sein. Ich erinnere mich gut, weil sich unser Gegner Pohlheim veralbert fühlte“, sagt er. Als Pionier sieht er sich nicht: „Ich war eher der Abgucker. Als Aktiver in Gensungen habe ich gegen Pfullingen gespielt. Dessen Trainer Rolf Brack hat damals schon den siebten Feldspieler eingesetzt“, rühmt Kaufffeld den scheidenden Nationaltrainer der Schweiz.

Das Gefälle

Wenn es also so zu sein scheint, dass der siebte Feldspieler in den unteren Klassen im Gegensatz zu den höheren selten eingesetzt wird, stellt sich die Frage nach dem Warum. „Weiter oben passieren weniger technische Fehler. Den Mannschaften weiter unten ist das Risiko zu hoch, leichte Gegentore zu fangen“, sagt Andreas Paul.

Der Verband

Noch keine weiteren Überlegungen zum Thema hat der Hessische Handball-Verband (HHV) angestellt. „Das liegt auch nicht in unserer Zuständigkeit. Wir setzten nur die Richtlinien des Deutschen Handballverbandes um“, betont Judith Schura, HHV-Beauftragte für Lehrwesen.

Der Jugendbereich

Aus Regelgründen – von der E- bis zur C-Jugend darf der Torhüter nicht über die Mittellinie – ist das Spiel mit einem zusätzlichen Feldspieler nicht praktikabel. Und in A- und B-Jugend macht es keinen Sinn, weil Wechsel nur bei Ballbesitz erlaubt sind. Einen Fall registrierte Fynn Welch, Trainer der männlichen A-Jugend der HSG Fuldatal/Wolfsanger, dennoch: „Beim Oberligaspiel in Gelnhausen nahm der TVG seinen Torhüter als siebten Mann mit nach vorn.“

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