HNA-Volontär Maximilian Bülau war beim Probetraining des Kasseler Rugbyvereins dabei

Keine Angst vor Körperkontakt: Selbstversuch beim Rugby-Training

Mundschutz ist Pflicht: Maximilian Bülau beim Probetraining.

Kassel. In England stehen bei der Rugby-WM die Halbfinals an. Der heimischen Rugbyverein Rugby Cassel startet dagegen jetzt erst richtig in die Saison.

Beim Probetraining wurden die zukünftigen Sternchen gesichtet. Ein willkommener Anlass, diesen Sport einmal zu testen:

Ich habe mich vorab angekündigt, gefragt, welche Ausrüstung notwendig und wie gefährlich der Sport ist. Die Antwort: „Wir werden dich nicht gegen die härtesten Leute stellen. Aber ein paar blaue Flecken sind möglich. Und blaue Flecken im Gesicht sind schnell ein ausgeschlagener Zahn. Ein Mundschutz wäre deshalb gut. Und Stollenschuhe. Mehr nicht.“

Den Mundschutz in der Tasche wartet am Sportplatz der Sportfreunde Fasanenhof, dem Trainingsplatz von Rugby Cassel, die erste Überraschung. Bei acht Grad und leichtem Nieselregen ist der Rasenplatz gesperrt. Trainer Lucas Damrow (40) kommentiert das mit den Worten: „Schade. Aber dann gehen wir auf den Hartplatz nebenan.“

Hände auf die Schulter, Knie in der Luft: HNA-Volontär Maximilian Bülau (Mitte) zusammen mit Lars Ruckstuhl (links), Student aus Kassel. Bei dieser Übung werden Oberschenkel und Rumpfmuskulatur beansprucht. Co-Trainer Michael Meier achtet auf die richtige Ausführung. Alle Fotos:  Fischer

Damrow ist geborener Amerikaner, ein ruhiger Typ, der gern lacht. Auf dem Platz geht es unter ihm aber zur Sache, wie sich herausstellt. Umgezogen, werfen wir uns 20 Minuten später den Rugbyball in einem Kreis zu. Die Spieler, die schon länger dabei sind, bekommen das so hin, dass der Ball eine Drehbewegung entwickelt. Für die Neulinge gilt: Mit beiden Händen werfen, an der Hüfte vorbei, da beim Rugby nur nach hinten gepasst werden darf. Und wenn man den Ball bekommt, die Hände entgegenstrecken.

Anschließend begrüßt Damrow sein Team und die Testspieler. „Nach einem gemeinsamen Warmmachen werden die Gruppen getrennt. Die Neuen machen mit Michael das Probetraining, die Spieler kommen mit mir. Samstag steht das nächste Partie an“, erklärt Damrow. Michael Meier ist Spieler und Co-Trainer.

Als die Aufwärmphase vorbei ist, ringe ich nach Luft. Meine Oberschenkel brennen. Zwei Runden um den Platz, dann kurze Läufe, Dehnen, Gymnastik und Sprints über den halben Platz – das alles immer wieder unterbrochen von Damrows Rufen: „Runter! Fünf Liegestütze!“

Lucas Damrow

Ich bin froh, als der Co-Trainer uns übernimmt. Meier erklärt die grundlegenden Regeln. Danach geht es an die erste Übung. „Rumpfmuskulatur und Oberschenkel sind beim Rugby am wichtigsten“, sagt er. Immer zu zweit müssen wir uns hinknien, auf die Fußspitzen stellen, den Kopf unter der Schulter verkeilen und eine Hand auf die Schulter des Anderen legen und gegeneinanderdrücken.

Eine von vielen Erfahrungen an diesem Abend, die mir zeigen: Rugby ist keine wilde Prügelei. Koordination, Fitness, Technik – das alles gehört dazu, und ist nicht von heute auf morgen zu erlernen. Angst vor Körperkontakt sollten Rugbyspieler aber trotzdem nicht haben. Der Mannschaftszusammenhalt ist auch als Neuling schon zu spüren.

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