Ehemaliger Zweitliga-Profi im Interview

Kicker-EM: Wayne Thomas übers Turnier und seine Fußball-Karriere

Wayne Thomas jubelt lachend mit erhobenen Armen in die Kamera.
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Aus der Saison 1985/86: Am 10. August 1985 bejubelt Wayne Thomas einen Treffer für Hannover gegen Leverkusen im Niedersachsenstadion.

Am Kickertisch konnte sich Wayne Thomas nicht über einen Sieg bei der Tischfußball-EM unserer Zeitung freuen. Als Fußball-Profi hat er umso mehr erlebt. Ein Interview.

Kassel - Und auch wenn dem 61-Jährigen an den Holmen kein Erfolg für Wales gelungen ist, so hat er in seiner Zeit als Fußball-Profi vor allem in den 1980er-Jahren eine erfolgreiche Zeit erlebt.

Im Interview erzählt Thomas, warum er in England geboren wurde und trotzdem für Wales angetreten ist, warum er seine ehemaligen Mitspieler oft auf Beerdigungen wieder sieht und warum er eine komplette Auflage dieser Zeitung kaufen möchte. Das alles – wie Thomas eben so ist – nicht immer ganz ernst gemeint.

Herr Thomas, warum Wales, wenn Sie doch in England geboren wurden?
Mein Vater ist Waliser. Auch er ist aber schon mit zwei oder drei Jahren nach England gezogen. Meine Großeltern haben damals wegen der Arbeit das Land gewechselt. Thomas ist aber ein sehr bekannter walisischer Name.
Warum hat es am Kickertisch nicht für einen Sieg gereicht?
Weil ich zu schlecht war (lacht). Ernsthaft. Ich habe seit 40 Jahren nicht mehr gespielt. Da fehlt dann ein bisschen was. Ich hatte keine Chance, das ist schon in Ordnung. Italien und Schweiz, die hatten einfach mehr Gefühl dafür. Das waren alles nette Jungs. Es gab keine Schlägereien und keine versteckten Fouls unterm Tisch (lacht).
Früher waren Sie ja ein Zweikämpfer, haben selbst gesagt, dass die „Zehner“ auf dem Platz immer Ihnen gehört haben. Hätten Sie gern mal zu einer Grätsche angesetzt?
Ja. Man verliert nicht gern. Und die Türkei – das ist nicht böse gemeint – die war eigentlich genauso schlecht wie ich. Wir haben uns da nicht viel genommen.
Wo hatten Sie als Profi Ihre schönste Zeit?
Das kann ich gar nicht sagen. Ich hatte eine schöne Zeit beim KSV Baunatal. Da haben wir erst in der 2. Bundesliga gespielt, dann in der Oberliga, was heute die dritte Liga wäre. Wir haben uns mit dem KSV Hessen das Auestadion geteilt, hatten immer viele Zuschauer und waren damals ja vor den Kasselern. Auch als wir dann das Parkstadion bekommen haben, waren immer viele Leute da. Ich erinnere mich gern an Spiele von damals gegen 1860 München zum Beispiel.
Was kam dann?
Anschließend bin ich zu Alemannia Aachen gewechselt. Auch das waren zwei schöne Jahre. Dann ging es zu Uerdingen. Damals war Timo Konietzka Trainer. Der erste Torschütze der Bundesliga. Anschließend wollte ich eigentlich in Ausland. Das hat nicht so richtig geklappt. Und dann bin ich zu Hannover 96 gegangen. Das war schon klasse. Da hatten wir in der zweiten Liga immer 45 000 Zuschauer. Wir sind damals aufgestiegen in die Bundesliga. Das war schon eine tolle Saison. Ich mag die Stadt, habe viele Freunde dort und fahre oft zu Spielen und bleiben das Wochenende da. Mein Sohn und ich sind auch Mitglied. Nur meine letzte Station in Offenbach hätte ich nicht mehr gebraucht. Das war schon sehr speziell.
Das hört der Nordhesse gern.
Da bin ich mir sicher (lacht).
Sehen Sie die ehemaligen Kollegen aus Hannover noch häufig?
96 macht jedes Jahr ein Treffen mit ehemaligen Spielern. Das sind wir immer so 200 Leute. Einer ist dabei, der ist fast 100 Jahre alt und war mit Hannover mal Meister. Viele erkennst du nicht mehr, weil sie kürzer und breiter geworden sind. Deswegen haben wir alle Namenschilder (lacht). Wir sagen dann immer, dass wir uns mal wieder treffen müssen. Aber – und das stimmt wirklich: Wir treffen uns dann immer erst auf Beerdigungen, wenn ein ehemaliger Mitspieler gestorben ist. Für Beerdigungen hat jeder Zeit. Sonst nicht. Das ist jetzt ganz schwarzer, englischer Humor – wenn ich gehe, dann rufe ich immer laut: ‘Alles klar, Jungs. Bis zur nächsten Beerdigung.’
Was war ihr größter Erfolg als Profi?
Einmal sicher der Pokalsieg mit Uerdingen 1985. Wir haben damals als Erstligist im Halbfinale gegen Saarbrücken gespielt. Wie dieses Jahr. Damals war Saarbrücken aber Tabellenführer in der zweiten Liga. Aber auch die Meisterschaft in der zweiten Liga mit Hannover und der Aufstieg.
Noch mal zurück zum Kickern. Haben Sie Reaktionen auf Ihr Ausscheiden bekommen?
Ja, ich wurde beschimpft. Egal, wo ich hingegangen bin. Vielen Dank dafür (lacht). Ich habe WhatsApps von Leuten aus Kassel bekommen, da wusste ich gar nicht, dass ich die kenne. Die haben geschrieben, was ich für eine Pfeife sei (lacht). Ich habe mich gar nicht mehr rausgetraut. Ich hatte ja auch keine Ausreden. Ich habe dann gesagt: ‘Jungs, bleibt ruhig, ich bezahle.’ Wenn dieses Interview erscheint, muss ich die ganze Auflage kaufen. Sonst wird es wieder teuer.

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