Fragen und Antworten nach Stollentritt und Kopfverletzung in Regionalliga Bayern

„Kontrolle dient als Alibi“

Zeigt her eure Schuhe: Die Stollen der Fußballer sollen vor Spielbeginn vom Schiedsrichter kontolliert werden. Viel Zeit bleibt dafür aber oft nicht. Foto: Zgoll

Kassel. Diese Szene beschäftigt die Gemüter. Nachdem Bastian Lerch, Schlussmann der SpVgg. Greuther Fürth II, im Spiel der Regionalliga Bayern von einem Spieler des gegnerischen TSV Buchbach mit einem Stollen seines Fußballschuhs am Kopf getroffen und schwer verletzt wurde, tauchen Fragen auf. Wir beantworten sie.

?Sorgt ein solcher Unfall für Verunsicherung?

!„Man darf sich nicht zu viele Gedanken machen. Es pasiert doch so gut wie nie, dass ein Torhüter schwer verletzt wird“, betont Christoph Herbst, Schlussmann von Verbandsligist TSV Rothwesten. Der 30-Jährige trug während seiner Karriere „nur“ eine leichte Gehirnerschütterung durch einen Zusammenprall mit einem Gegner davon.

?Welche Stollen tragen Fußballer heutzutage?

!Es gibt Stollen aus Kunststoff sowie aus Metall. Auch Nockenschuhe sind noch immer gängig. In den unteren Ligen kommt es häufig vor, dass die Kicker nur über ein paar Schuhe verfügen und die Stollen nach Bedarf wechseln. Weiter oben besitzen sie mehrere Modelle mit verschiedenen Stollen. Innerhalb des vorgegebenen Rahmens gibt es bei der Form der Stollen Unterschiede zwischen den einzelnen Herstellern.

?Wählen die Spieler selbst die Stollen aus?

!„Normalwerweise schon, auch in den höheren Klassen. Wenn aber ein Spieler häufig ausrutscht, kann es passieren, dass der Trainer ihn im nächsten Spiel nicht aufstellt“, sagt Christoph Herbst.

?Kontrollieren die Schiedsrichter das Schuhwerk?

!„Ja, aber die Kontrolle ist zu kurz und dient eher als Alibi“, glaubt Herbst. „Länge und Beschaffenheit der Stollen werden kaum geprüft.“ Der Torhüter liegt damit anscheinend richtig. „Im Rahmen der Passkontrolle haben wir für die Stollen kaum Zeit. Daher schauen wir nur schnell drüber. Hätten wir Zweifel, müssten wir nachmessen“, sagt Canice Uhl, der in der Kreisoberliga pfeift. Hessenliga-Schiedsrichter Pascal Loschke betätigt dies: „Wollte man länger prüfen, würde man sich lächerlich machen. Also begnügt man sich mit dem Augenschein.“

?Kommt es dennoch vor, dass Spieler auffallen?

!Weder Uhl noch Loschke mussten jemals einen Spieler Schuhe oder Stollen wechseln lassen.

?Sind Tricksereien der Spieler denkbar?

!„Schon. Es gibt Spezialisten, die ihre Stollen mit Werkzeugen verändern, um die Standfestigkeit zu erhöhen“, weiß Herbst. Altbekannt ist auch, dass Spieler die Schuhe nach der Kontrolle noch einmal wechseln. Werden sie erwischt, zieht dies eine Gelbe Karte nach sich.

Von Wolfgang Bauscher

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