Trainer sollen weitergebildet werden

Kooperation: MT Melsungen und Eintracht Baunatal wollen Talente in Region halten

Baunatal. Bundesligist MT Melsungen und der mit 663 Mitgliedern größte Handballklub der Region, Drittligist GSV Eintracht Baunatal, machen gemeinsame Sache: Beide Klubs haben einen Kooperationsvertrag für den männlichen Bereich abgeschlossen.

Er läuft zunächst bis zum 30. Juni 2018, verlängert sich aber automatisch von Jahr zu Jahr, sofern er nicht jeweils zum 31. März aufgekündigt wird.

Worum geht es in diesem Vertrag?

„Wir wollen gemeinsam Handball als Leistungssport fördern und zusammen stärker werden“, sagt GSV-Abteilungsleiter Claus Umbach. Vordringliches Ziel sei es, junge, hoch talentierte Spieler in der Region zu halten. Dazu soll die Talentförderung enger verzahnt werden, insbesondere durch individuell optimale Angebote von Aus- und Weiterbildung - im Sport, aber auch im Umfeld mit Familie, Schule, Studium, Berufsausbildung.

Einige Fixpunkte sind die Zusammenarbeit im Spitzen-, Jugend- und Breitensport, bei Talentsuche und -förderung, bei Veranstaltungen wie Handball-Schulen, Schnupperkursen, Mini-Spielfesten, Fairplay-, Anti-Drogen- und Integrationsprogrammen. Die Aus- und Fortbildung von Trainern sowie deren Zusammenarbeit sollen forciert werden, auch in Form von Hospitanzen.

Was sind die Hintergründe des neuen Miteinanders?

Kinder und Jugendliche haben mit den Bundesliga-Stars der MT nun Idole, Vorbilder direkt vor der Haustür. „Uns geht es gemeinsam darum, alle Talente hier in der Region zu halten, statt nach Magdeburg, Minden oder Berlin abwandern zu lassen, und ihnen die Chance zu bieten, ihren Traum hier zu leben. Auch mit besserem und umfangreicherem Training als es die Heimatklubs leisten können“, sagt Axel Renner, Nachwuchskoordinator der MT.

Da aber von allen, die Danner, Allendorf, Golla, Müller und Co. nacheifern, nur einzelne den riesigen Sprung in die Bundesliga schaffen, gibt es auch einen zweiten Ansatz: „All denen, die trotz einer optimierten Ausbildung es am Ende nicht in die erste Reihe schaffen, wollen wir anschließend andere gute Perspektiven schaffen bei heimischen Klubs wie der Eintracht mit ihren guten Bedingungen, in Körle und Guxhagen.“

Bringt die neue Kooperation etwas für die Region?

Renner wie auch Umbach wissen um die Sorge in den Klubs, dass sie im Nachwuchs von MT und GSV geplündert werden. „Davon kommen wir nur weg, wenn wir vom klassischen Abwerben hinkommen zum Absprechen, durch Kommunikation Vertrauen bilden und mit allen Beteiligten individuelle Lösungen zum Wohl insbesondere der Spieler schaffen“, sagt Dominik Schwietzke von der Eintracht. „Es geht um den Handball in der Region, nicht um einzelne Vereine.“

Ziel sei es, auch Oberligisten wie Vellmar und Gensungen sowie Verbandsligisten mit ins Boot der Koordination zu bekommen. „Sie suchen doch händeringend gute junge Leute“, sagt Renner. Und sie können künftig junge Erwachsene in ihre Männerteams zurückbekommen, die nach einer besseren Ausbildung zwar nicht den Sprung nach ganz oben schaffen, in ihren Klubs aber enorme Verstärkungen sind.

Warum aber hat die MT im vergangenen Sommer die Jugendnationalspieler Ignatow aus Fuldabrück und Backs aus Hann. Münden mit einem Zweitspielrecht für Hildesheim versehen statt für Baunatal?

„Beide sind besser als dritte Liga. Für sie bietet Hildesheim als Zweitligist die bessere Perspektive“, sagt Renner. Magnus Rulff und Florian Weiß indes sind im Sommer nach Baunatal zurückgekehrt - und in der dritten Liga nun bestens aufgehoben.

Das Beispiel: Jona Gruber

Die Baunataler Eintracht ist sein Verein. Ohne Wenn und Aber. Seine sportliche Heimat. Sie hat Jona Gruber im Sommer verlassen, als die Großenritter den Sprung in die Junioren-Bundesliga verpasst hatten. „Ich hatte andere Möglichkeiten, aber in Melsungen passt jetzt das gesamte Paket. Ich kann in der höchsten Jugendklasse spielen, in meinem privaten Umfeld mit Familie und Freunden bleiben und im nächsten Sommer wie geplant mein Abitur an der Lichtenberg-Schule in Kassel machen. Ich habe kurze Wege, optimale Trainer und Trainingsbedingungen. Und seit einigen Wochen trainiere ich ein- bis zweimal pro Woche sogar mit den Männern der Bundesliga-Mannschaft mit“, erklärt der 17-Jährige. Und schließt eine mögliche Rückkehr zu seinem Verein nach Baunatal nicht aus.

Kommentar

Endlich der erste Schritt

Gerald Schaumburg zur Kooperation von MT Melsungen und Eintracht Baunatal

Endlich! Endlich haben die Verantwortlichen der beiden nordhessischen Topklubs begriffen, dass ein Miteinander Sinn macht - für beide Klubs und für die jungen Spieler. Der Weg dorthin war weit angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen einst in Baunatal, doch das Zusammenraufen sollte sich nun langfristig auszahlen. Allen Beteiligten ist indes auch bewusst, dass die Verabredung zur Kooperation nur ein erster Schritt ist. Dass es Stolpersteine geben wird, auch mal Disharmonien, die es einvernehmlich auszuräumen gilt. Sicher ist: Ein Miteinander von MT und Eintracht kann allen Beteiligten nutzen.

Auch dem gesamten Handball in der Region. Wenn tatsächlich langfristig ein Zwei-Wege-System funktioniert. Und wenn auch die Macher in anderen Klubs begreifen, dass sie von der Strahlkraft des Bundesligisten MT und seiner Infrastruktur profitieren können. Wenn sie merken, dass Handball so auch in der Breite gestärkt werden kann und es sich lohnt, jedes einzelne Talent in der Region zu halten.

Übrigens: Zum Vorbild taugt den Handballern, was die Eishockey-Huskies bei der Talentförderung vormachen - in der Kooperation nach oben und unten mit Mannheim und Hannover.

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