Kreativ und kraftvoll klettern: Hessische Boulder-Meisterschaften

Titelkämpfe in Kassel: Lokalmatador Wiegler ist Hessenmeister im Bouldern

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Er will hoch hinaus: Tim Wiegler sicherte sich bei den Hessischen Meisterschaften im Bouldern den Titel. Hier greift er mit den Händen an den „Henkel“, einen Griff in der Wand. Fotos:

Kassel. 2020 wird Bouldern, das Klettern ohne Seil, olympische Disziplin. Die Sportart boomt. In Kassel fand jetzt die Hessische Meisterschaft statt. Wir waren vor Ort.

Bouldern boomt. Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo wird das Klettern ohne Seil erstmals olympische Disziplin sein. Am Wochenende hat der Hessische Landesverband des Deutschen Alpenvereins die Hessischen Meisterschaften im Bouldern im Kletterzentrum Nordhessen auf der Marbachshöhe ausgerichtet. Wir waren vor Ort.

Starkes Teilnehmerfeld

188 Starterinnen und Starter aus vier Landesverbänden sind in den vier Wettkampfklassen A-, B- und C-Jugend sowie bei den Erwachsenen am Start. „Die heutige Wertung gilt nicht nur für die Hessenmeisterschaft, sondern dient auch als Qualifikation für die Westdeutschen Meisterschaften im Bouldern“, erklärt Niko Schad vom Organisationsteam. „Deswegen sind auch Starter aus Nordrhein Westfalen, Rheinland Pfalz und dem Saarland vor Ort.“

Lob für die Helfer

Die neue Boulderhalle in Kassel ist erst im April vergangenen Jahres eröffnet worden. „Wir nutzen diese Meisterschaften auch als Werbung für unser neues Angebot“, sagt Merlin Voßwinkel, Betriebsleiter des Kletterzentrums. Die rund 60 Helfer, die für den Wettkampf im Einsatz sind, erhalten viel Lob. „Ich habe noch nie erlebt, dass alle mit so viel Herzblut dabei sind“, berichtet Jurypräsidentin Christa Lau, die die sportliche Leitung innehat und über mehr als 30 Schiedsrichter wacht. Auch Urs Reusch vom Landesverband ist froh, dass alles reibungslos läuft. „Die Sektion Kassel hat alles super vorbereitet.“ Robert Lohse, sonst für das Training der Leistungsgruppe zuständig, moderiert den Wettkampf. „Damit auch Außenstehende verstehen, was an der Kletterwand passiert.“

Biegsame Schuhe: Die Gummi-Sohle gibt dem Kletterer Halt an der Wand.

Routenbauer im Einsatz

Lohse stellt nicht nur die Sportler vor, sondern erklärt auch Wettkampfablauf und Fachbegriffe. Jeweils fünf Minuten haben die Sportlerinnen und Sportler Zeit, die jeweiligen Boulder zu klettern. Fünf in der Qualifikation, vier im Finale. Professionelle Routenbauer haben sich im Vorfeld genau überlegt, wo sie Volumen und Griffe an die zuvor leeren Wände anschrauben, um für alle im Starterfeld einen herausfordernden Wettkampf anzubieten. „Bouldern besteht aus zwei Herausforderungen“, sagt Schad. „Zum einen braucht man natürlich die nötige Physis und Kraft, um auch kleine Griffe zu klettern. Zum anderen muss man aber auch mental fit sein und unter Stress kreative Lösungen und Bewegungsideen entwickeln, wie man die jeweiligen Boulder bewältigen möchte.“

Kasseler überzeugen

Beides gelungen ist Tim Wiegler. Der 19-jährige Niederzwehrener wird Hessenmeister und Dritter in der Gesamtwertung. „Mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden“, sagt der Lokalmatador. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich Hessenmeister werde.“ Der Wettkampf vor der eigenen Haustür sei schon etwas Besonderes gewesen. „Meine Eltern und Freunde waren vor Ort und ich war schon aufgeregter als in anderen Hallen.“

Doch die gewohnte Routine gibt Wiegler vor dem Wettkampf Sicherheit. Eine Stunde vor dem Finale muss er mit seinen Konkurrenten in die Isolationszone. Die Boulder bekommen die Athleten erst im Wettkampf zu sehen. Kletterschuhe und Chalk-Bag für guten Grip an der Kletterwand stehen bereit. Bei lockeren Gesprächen tauschen sich die Finalisten aus.

Kreide im Beutel: Das „Chalk“ hält die Hände der Kletterer trocken.

Während sich sein Vereinskamerad aufs Finale vorbereitet, sitzt Sven Iffland mit seiner Familie bereits beim Burger-Essen. Die Belohnung für den dritten Platz bei den Hessischen Meisterschaften der B-Jugend. Pünktlich zum Finale der Erwachsenen will der 14-Jährige wieder in der Kletterhalle sein, um sich für die nächsten Wettkämpfe etwas abzuschauen.

Der Ausblick

Niko Schad zieht ein positives Fazit. „Das war eine tolle Werbung für unseren Sport“, sagt er. „Vielleicht richten wir im kommenden Jahr noch eine Stadtmeisterschaft aus, um einen besonderen Anreiz für Kletterer aus der Region zu haben.“

Von Carina Wagener

Video: Die Boulderhalle in Kassel

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