Was war denn da los? In fünf Spielen fallen 46 Treffer, unter den Ergebnissen ist ein 4:9 und ein 14:0

Kreisliga A: Furios und kurios

Am Wochenende in Torlaune: Lohfeldens Adrian Bravo-Sanchez (rechts), hier im Zweikampf gegen Alzenaus Julian Steigerwald. Foto: Koch

Kassel. 46 Tore in fünf Spielen – und es handelt sich hier jetzt nicht um Eishockey, sondern um Fußball. Ein Blick in die Niederungen des Fußballs ergibt nämlich, dass sich in der Gruppe 1 der Kreisliga A Kassel am Wochenende Erstaunliches ereignet hat: ein 4:9, ein 14:0, ein 8:1, ein 8:0 und – wie gewöhnlich, wie gewöhnlich – ein 2:0. Macht: mehr als neun Treffer pro Partie. Da sind Schützenfeste kleine Kindergeburtstage dagegen. Die Geschichten zu diesem Spieltag:

DER SECHSFACHE SCHÜTZE

Adrian Bravo-Sanchez vom FSC Lohfelden vollbrachte am Wochenende ein kleines Kunststück: Er übertraf sich nämlich selbst. In der Hessenliga schoss er am Samstag zwei Tore beim 3:0 gegen Wehen Wiesbaden II, am Sonntag war er dann gleich viermal erfolgreich beim 14:0 der Lohfeldener Reserve gegen Nieste. „Es lief ganz gut“, stellt er fest. Zumal er beim Kantersieg gegen Nieste auch noch „vier bis fünf Vorlagen“ beisteuerte. Nach seinem 45-minütigen Einsatz in der Hessenliga fragte ihn sein Trainer Otmar Velte, ob er einen Tag später nicht auch in der Zweiten spielen wolle. „Da habe ich in die Runde geschaut und war dabei“, sagt der 21-Jährige.

Jetzt ist Lohfeldens Zweite Erste – mit besten Perspektiven. „Wir wollen in diesem Jahr unbedingt unsere Chance nutzen und aufsteigen“, sagt Vorsitzender Willi Becker. Der FSC soll so gerade für die jüngeren Spieler attraktiver werden, die auf dem Sprung in den Hessenligakader stehen und Spielpraxis in der Reserve sammeln sollen – so wie Adrian Bravo-Sanchez, der seinen persönlichen Rekord allerdings nun verfehlte. „Im Sommer habe ich mal sieben Tore in einem Spiel gemacht“, erzählt er.

DIE GEBEUTELTEN

„Ich konnte von außen nicht mehr reagieren, das ging alles viel zu schnell. Mit unserer jungen Mannschaft waren wir zudem nicht in der Lage, Adrian Bravo-Sanchez aufzuhalten – da fehlt uns ein Raubein, dasmal ein Zeichen setzt“, sagt Niestes Trainer Michael Pfaffenbach nach der 0:14-Packung in Lohfelden. Der Coach, der einst in Rothwesten selbst die Defensive zusammenhielt, sah einen zu braven Auftritt seines Teams. „Unser Durchschnittsalter liegt bei 22 Jahren, und wir befinden uns noch im Aufbau. Wir hatten einfach keine Chance“, sagt Pfaffenbach. Und weiter: „Wir werden das aber schnell wegstecken.“

DAS EISHOCKEY-ERGEBNIS

3:3 nach 40 Minuten, 4:9 nach 90 Minuten – „ja, es hatte etwas von Eishockey“, sagt Heiligenrodes Trainer Marco Burghardt nach dem am Ende doch noch sehr deutlichen Sieg beim AFC Kassel. Florian Steinhauer traf zwischen der 40. und 47. Minute dreimal, zudem stellen die Niestetaler nun mit 82 Toren in 18 Spielen die Offensive mit den meisten Treffern. „Diese Liga spielt echt verrückt, jeder kann jeden schlagen. Das ist schon kurios“, sagt Burghardt.

Kurios und mitunter zum Verzweifeln – zumindest für Peter Buchenau (56), den Trainer des geschlagenen Albanischen Fußballclubs Kassel (AFC). Vor der Winterpause war das Team noch Tabellenführer. „Da waren wir am Limit, haben Disziplin gezeigt und Leidenschaft. Und wir hatten kaum Verletzten“, erzählt Buchenau, der das 4:9 noch verarbeiten muss. Er führt die jüngsten Rückschläge auf eine schlechte Vorbereitung und eine gestiegene Zahl von Verletzten zurück – unter ihnen Torjäger Ilir Ferati. So bleibt dem Tabellenzweiten nur eins: „Die guten Zeiten musst du genießen, die schlechten ertragen“, sagt Buchenau. Vor einer Woche unterlag AFC im Übrigen: Nieste.

DIE MINIMALISTEN

Mit 51 Toren hat der Tabellendritte aus Kaufungen im Kreis der Titelaspiranten vergleichsweise wenig auf der Habenseite – das klingt in dieser Liga fast schon minimalistisch. Am Wochenende taten aber auch die Lossetaler etwas fürs Torekonto und gewannen 8:0 gegen Bosna. Marcel Eichholz traf dreimal. „Von Platz eins bis zehn ist alles drin. Verlierst du zweimal, wirst du durchgereicht“, sagt Trainer Taylan Bilecen.

DER TITELASPIRANT

Es gehört zu dieser kuriosen Liga, dass die Mannschaft mit den besten Aufstiegschancen derzeit auf Platz acht steht. Eintracht Baunatal II hat sechs Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Lohfelden II, aber drei Spiele weniger absolviert. Dazu passt, dass Baunatal in 14 Spielen 72 Tore erzielt hat. Fotos: nh

Von Florian Hagemann und Torsten Kohlhaase

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