Kuriosität in der Verbandsliga

Kurios: Schiedsrichterin kontrolliert Hände von Fußballern

Kein Dreck am Stecken, aber an der Hand: Auf unkonventionelle Art und Weise sollte ein Sünder im Fußball überführt werden. 
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Kein Dreck am Stecken, aber an der Hand: Auf unkonventionelle Art und Weise sollte ein Sünder im Fußball überführt werden. 

Verrückte Geschichte: Um einen Handsünder zu ermitteln, mussten Verbandsliga-Fußballer der Unparteiischen ihre Hände zeigen. 

Logisch. Beim Fußball kommt es auf die Füße an. Gelegentlich stehen trotzdem auch die Hände im Blickpunkt. Nämlich dann, wenn sie Regelwidrigkeiten begehen. Dass sie nach dem Motto „Zeigt her eure Hände“ auf dem Platz kontrolliert werden, war bisher nicht überliefert. Am Sonntag im Verbandsligaspiel zwischen CSC 03 Kassel und SG Hombressen/Udenhausen (4:0) passierte es. Was war denn da los?

In einer strittigen Situation entschied Schiedsrichterin Sabine Stadler vom SV Gläserzell auf Handelfmeter für die Gastgeber. Das Vergehen hatte sie selbst nicht wahrgenommen, aber ihr Assistent. Unbekannt war beiden die Identität des Übeltäters. Stadler entwickelte auf der Suche nach ihm detektivischen Eifer. Sie überprüfte die Hände der infrage Kommenden auf vom Ball hinterlassene Dreckspuren. Dennoch gelang die Überführung des Handsünders nicht, er kam ohne Rote Karte davon

Linienrichter reklamiert 

Die Aussagen der Beteiligten dazu fallen unterschiedlich aus. „Außer dem Linienrichter hat keiner ein Handspiel gesehen. Auch von den 03ern hat niemand reklamiert. Nur der Linienrichter glaubt, etwas gesehen zu haben, und hebt die Fahne. Obwohl die Assistenten in 99 von 100 Fällen nicht winken“, schildert Marco Siemers seine Sicht. Fragwürdig findet der Trainer von Hombressen/Udenhausen auch die Aktion der Schiedsrichterin. „Der Platz war tief, und Dreck hatten nach zehn Minuten schon fast alle an den Händen“, sagt der frühere Torjäger des OSC Vellmar und betont: „Wer Hand gemacht haben soll, weiß ich immer noch nicht.“

Einer seiner Spieler, der nah dran war, trägt zur Aufklärung bei. „Das war ein Elfmeter, auch wenn es nur der Linienrichter gesehen hat“, sagt Tobias Mirwald. Die Überprüfung der Hände durch Sabine Stadler fand er „überraschend und amüsant. So etwas habe ich nie erlebt und auch nicht davon gehört.“ Den Sinn der Maßnahme zweifelt er an. „Ich war wie andere auch vorher schon auf dem Boden und hatte Dreck an den Händen.“ Den Übeltäter nennen mochte der 34-Jährige verständlicherweise nicht.

Für andere Glasklar 

Keinen Zweifel an der Berechtigung des Strafstoßes, den Maximilian Werner zum 1:0 verwandelte, lässt Christoph Reuter. „Das war ganz klar. Gewundert hat mich nur, dass es nur der Linienrichter gesehen hat, obwohl er wahrscheinlich die schlechteste Sicht hatte“, sagt der Kapitän der Rothosen. Erstaunt war er zudem über die Reklamationen des Gegners. „Luca Trump hatte nach einem Abpraller abgezogen und der Ball hätte eingeschlagen, wenn ihn nicht ein Spieler mit der Hand geklärt hätte“, berichtet Reuter. 

Zumal Schlussmann Christoph Möller bereits geschlagen war. Der Sünder habe sich daraufhin betont unauffällig verhalten. Während dessen Mitspieler nach Reuters Beobachtung lautstark gestikulierten und signalisierten, dass kein Handspiel vorläge. Offensichtlich sei der Regelverstoß auch für andere 03er gewesen, wie Reuter erklärt: „Daniel Beyer und Luca sind sofort zur Schiedsrichterin gelaufen und haben reklamiert.“

Einen Handtest der Unparteiischen kannte Reuter bisher nicht. „Das ist mir noch nie passiert und macht bei all dem Matschboden wohl auch kaum Sinn.“ Zu ihrer unkonventionellen Aktion äußern mochte sich Stadler gestern nicht. Und auch Willi Reinemann, Regionalbeauftragter der Schiedsrichter, sagte nur so viel: „Ich habe so etwas noch nie gehört und habe es selbst auch nie so gemacht.“

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