1956 erstmals im Auestadion

Leichtathletik-Sportfest: Vor 60 Jahren ging’s los

Leichtathletik-Sportfest im Kasseler Auestadion: Der Oberhausener Fritz Roderfeld (links) gewinnt die 100 Meter. Roderfeld war später Sprinttrainer der Schalker Leichtathleten. Fotos: HNA-Regiowiki

Kassel. Genau 60 Jahre ist in diesem Jahr her, dass die damals neuen Leichtathletik-Anlagen des Kasseler Auestadions eingeweiht wurden. Am 17. Juni 1956 veranstaltete der frühere KSV Hessen sein erstes internationales Sportfest.

Die Fußballer hatten das neue Stadion bereits früher eingeweiht. Der KSV Hessen unterlag am 23. August 1953 in der Oberliga Süd, seinerzeit die höchste Spielklasse, vor 20 000 Zuschauern gegen Viktoria Aschaffenburg 1:2.

Die Leichtathleten hatten drei Jahre später bei ihrem Debüt 12 000 Zuschauer. Und die bekamen auf der neuen roten Aschenbahn und dem Rasen des Stadions gute Leistungen zu sehen. Von Olympiahoffnungen, vom 22. November bis 8. Dezember waren in Melbourne Olympische Sommerspiele, und jungen Talenten war da in den „Hessischen Nachrichten“ zu lesen.

Und es gab Leistungen, die sich durchaus sehen lassen konnten. Die waren seinerzeit auch ein Beweis dafür, dass die neue Bahn für damalige Verhältnisse höchsten Ansprüchen gerecht wurde.

Es gab vier neue Jahresbestleistungen: Der Gummersbacher Manfred Molzberger sprang 7,43 Meter weit, Heiner Will (Rendsburg) warf den Speer über 76,23 Meter, Horst Drumm (Koblenz) gewann den Stabhochsprung mit 4,10 Metern und Guido Blankenhagen (Hüls) siegte über 3000 m Hindernis in 9:07,4 Minuten. Eine ausgezeichnete Zeit lief dazu die Frankfurter Frauen-Sprintstaffel in der Besetzung Ebenritter, Weigel, Schwarzkopf und Egert mit 46,7 Sekunden.

Und auch die heimischen Athleten schlugen sich großartig. Der Eschweger Polowczyk wurde mit 64,40 m Zweiter im Speerwurf, der Fritzlarer Hübner mit 3,83 m im Stabhochsprung. Für Seppl Klick (Fritzlar) gab es Rang zwei (Kugel, 15,54) und drei (Diskus, 43,79). Der 18-jährige Helmut Kropf (KSV Hessen) lief als Dritter über 800 Meter in 1:54,2 seine spätere Bestzeit auf dieser Distanz. Einen dritten Platz gab es auch für den heute 82-jährigen Hans Wulff (KSV) im Hammerwerfen mit 51,44 Metern.

Im Juni 1958 lief die 4x800-m-Staffel des TSV Bayer Leverkusen beim KSV-Sportfest in 7:28,8 Minuten deutschen Rekord. Von Armin Hary, der die 100 m in 10,9 Sekunden gewann, hätte niemand gedacht, dass er nur zwei Jahre später Weltrekordler und Olympiasieger werden würde.

Beim DLV-Frauensportfest 1962 mit Teilnehmerinnen aus Belgien, England, Polen und den Niederlanden kamen trotz Regen 12 000 Zuschauer. Und die sahen im Hürdensprint, der bis 1968 nur über 80 Meter ging, den Weltrekordlauf der Engländerin Betty Moore. Die stellte mit 10,5 Sekunden den alte Marke von Erika Fisch (10,7) ein.

Im Mai 1976 war das nationale Sportfest des KSV Hessen vorerst die letzte größere Veranstaltung dieser Art im Auestadion. Erst als der PSV Grün-Weiß 1987 mit seinen Meetings anfing, kam wieder Bewegung in die Szene. Aus diesen Meetings wurde dann 1998 das Askina-Sportfest.

Damals dabei: Helmut Kropf und Hans Wulff

Speziell an das erste Sportfest im Kasseler Auestadion können sich Hammerwerfer Hans Wulff und 800-m-Starter Helmut Kropf nicht mehr ändern. „Das ist einfach zu lange her“, sagen beide unisono. Aber an die Sportfeste im Stadion generell ist schon Erinnerung da. „Die waren immer gut besucht und es war richtig was los“, sagt Hans Wulff. Der heute 81-jährige Wulff war einmal einer der besten Hammerwerfer Deutschlands. Helmut Kropf, inzwischen 78 Jahre alt, war zweimal deutscher Jugendmeister über 400 Meter. „Da waren immer viel Zuschauer und eine tolle Stimmung, nicht so lahm wie heute,“ erinnert er sich. Kropf, den man ob seines Laufstils die „Spinne von Jamaika“ nannte, hätte eigentlich eine vielversprechende sportliche Karriere vor sich gehabt, musste aber auf diese verzichten. 1957 war sein Vater Erich verstorben und Helmut Kropf musste in der damaligen Brauerei Kropf Verantwortung übernehmen.

Von Peter Fritschler

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