„Bin ein Rundum-Versorger“

Leon Albrecht vermittelt ausländische Fußballer nach Nordhessen

Idyllische Kulisse: Der Kasseler Spielervermittler und -berater Leon Albrecht stellt Kontakte von ausländischen Fußballspielern nach Nordhessen her. Im Interview berichtet er von seinen Erfahrungen. Foto:  dpa

Kassel. Leon Albrecht aus Kassel berät und vermittelt junge Fußballer aus aller Welt nach Nordhessen, wo seine Spieler von der Gruppen- bis zur Hessenliga zu finden sind.

Wir sprachen mit dem 25-Jährigen über einen Besuch von Franz Beckenbauer, junge Talente und internationale Kontakte.

Spielerberater haben in der Fußballwelt nicht den besten Ruf. Wie kamen Sie dazu? 

Leon Albrecht: Als ich in Paraguay zur Deutschen Schule ging, war die Cousine von Roque Santa Cruz in meiner Klasse. Roque war bereits ein Star, als im Rahmen seines Transfers nach München Franz Beckenbauer unsere Schule besuchte. Seitdem bin ich Bayern-Fan und fasziniert vom Fußball-Geschäft. Nach meiner Knieverletzung kam meinem argentinischen Cousin die Idee, zwei seiner Freunde ein Probetraining in Kassel zu verschaffen. Seit Franco Campos und Beru Torresi unter Mirko Dickhaut beim KSV mittrainieren durften, bin ich am Ball geblieben.

Was reizt Sie an dem Beruf des Spielerberaters? 

Albrecht: Momentan ist es weniger Beruf als vielmehr ein freizeitliches Projekt, woraus mal eine Karriere wachsen soll. Der besondere Reiz ist es, ganz nah am Geschehen dran zu sein, auch wenn man nicht mehr selbst spielen kann. Die Entwicklung von jungen Sportlern hoffentlich bis ins Profitum zu verfolgen und sie dabei zu unterstützen, ist der Antrieb.

Was erhoffen sich die Spieler vom Schritt nach Deutschland? 

Albrecht: In erster Linie Erfahrungen und Perspektiven. In Spanien ist beispielsweise die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch. Hierzulande können sie nicht nur eine neue Sprache lernen, sondern auch neue Perspektiven finden, sei es im bezahlten Fußball oder durch eine andere Ausbildung. Wichtig ist aber auch, dass keine unrealistischen Hoffnungen geschürt werden.

Ist für einen Amateurfußballer ein eigener Berater nicht etwas zu viel des Guten? 

Albrecht: Für die ausländischen Spieler bin ich ein Rundum-Versorger. Ich helfe mit der Sprache, bei der Wohnungs-, Arbeitsplatz- und natürlich Vereinssuche. Wichtig sind auch Behördengänge für Visa oder Ähnliches. All das wäre ohne Hilfe nur schwer zu stemmen.

Sie vermittelten bereits Koreaner, Spanier und Kolumbianer nach Nordhessen. Wie werden Sie aus Kassel heraus auf diese Talente aufmerksam?

Albrecht: Oft besuche ich noch meine Familie in Südamerika und treffe mich dort mit Fußball-Verantwortlichen. Seit zwei Jahren arbeite ich mit einem sehr gut vernetzten spanischen Trainer zusammen, Ferney Agudelo, der immer wieder interessante Talente findet. Zuletzt hatte ich Kontakt zu Vereinen und Agenturen in Uruguay oder auch nach Kroatien.

Wie läuft so ein Transfer ab? 

Albrecht: Nachdem ich oder einer meiner Partner den Spieler beobachtet haben, organisieren wir ein Probetraining. Wenn es zu weiterführenden Gesprächen kommt, ist meist schnell klar, ob die Chemie stimmt. Wenn die sonstigen Lebensumstände passen und alle Formalitäten wie der Verbandswechsel geklärt sind, steht einem Transfer nichts im Wege.

Im Profigeschäft gehen Transfers oft kurzfristig über die Bühne, oder es werden absurde Vereinbarungen bekannt. Haben Sie so was schon einmal erlebt? 

Albrecht: Bisher musste lediglich einer meiner Spieler das Land verlassen, weil er kein Visum bekommen hat. Ich denke aber, dass je mehr Geld im Umlauf ist, desto mehr Leute mitreden wollen. Im Amateurbereich läuft vieles freundschaftlich-familiär ab, es ist also auch viel gelassener.

Wann wäre der Punkt erreicht, an dem Sie sagen könnten: Ich habe es geschafft? 

Albrecht: Ich bin bereits sehr zufrieden wie es läuft, auch wenn es anstrengend ist, wenn man sich wie aktuell um neun junge Sportler kümmern muss. Wenn einer von ihnen den Sprung ins Profigeschäft schaffen würde, wäre das fantastisch. Eine Anstellung bei einer großen Beratungsagentur ist sicherlich aber auch eine Option.

Von Gregory Dauber

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