Profi Marc Unger aus der Schwalm über den Triathlon-Boom

Phänomen Ironman: "Triathlon ist Trendsport - für Besserverdienende"

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Marc Unger auf dem Rad.

Sport-Fans fiebern am Wochenende mit Patrick Lange bei der Ironman-WM auf Hawaii - Triathlon liegt im Trend. Ein Sportler aus der Schwalm erklärt, warum der Dreikampf Marathon den Rang abläuft.

Lange Zeit war er nur etwas für Exoten, für Abenteurer und Profis: der Triathlon. Mittlerweile aber hat sich der Dreikampf aus Schwimmen, Radeln und Laufen zu einem massentauglichen Volkssport entwickelt. Immer mehr Menschen finden Gefallen an der Trendsportart Triathlon, die Mitgliederzahlen schießen unaufhaltsam in die Höhe und Wettkämpfe wie die der Ironman-Serie sind trotz hoher Startgebühren bereits Wochen vorher ausgebucht.

Woher kommt der plötzliche Hype um den Ausdauersport? Ist der Triathlon der neue Marathon? Und wie gesund ist so ein stundenlanger Dreikampf eigentlich? Wir haben mit dem Triathlon-Coach Marc Unger aus Willingshausen gesprochen.

Herr Unger, was hat sich in Sachen Triathlon in den vergangenen zehn Jahren getan?

Marc Unger: So einiges. Triathlon wird immer mehr etwas für die breite Masse. Während andere Sportvereine unter Mitgliederschwund leiden, gewinnen Triathlon-Vereine stetig an Mitgliedern dazu. In meinem Verein zum Beispiel, dem SC Neukirchen, haben sich die Mitgliederzahlen inzwischen mehr als verdoppelt. Um die 50 Triathleten sind bei uns angemeldet.

Wettkämpfe wie der Ironman boomen – ganz im Gegensatz zu Marathons, deren Anmeldezahlen seit Jahren rückläufig sind. Triathlon-Rennen sind inzwischen bereits Wochen vorher ausgebucht – und das, obwohl Kosten und Aufwand bestimmt zehnmal so hoch sind. Allein die Startgebühren fangen bei 500 bis 600 Euro an. Hinzu kommen die Kosten die Ausrüstung.

Ist Triathlon also ein Sport für Besserverdiener?

Unger: Im Endeffekt ist das wahrscheinlich schon so. Allerdings sind auch viele einfach bereit, für ihre Leidenschaft in anderen Lebensbereichen Abstriche zu machen – und das neue Auto gegen ein neues Fahrrad oder den normalen Urlaub gegen das Trainingslager einzutauschen.

Was reizt die Leute so am Triathlon?

Unger: Die Leute suchen nach einer neuen Herausforderung. Für viele tut es der normale Marathon nicht mehr. Und wenn die Ausdauer bereits da ist, dann ist der Schritt zum Triathlon nicht mehr allzu groß. Einzeln hat man die drei Disziplinen ja meistens alle schon gemacht. Dann denken sich viele: Ich probier das jetzt einfach mal. Und sobald sie dann ihren ersten Erfolg feiern können, ist die Motivation natürlich groß.

Hinzu kommt der Event-Charakter des Ganzen. Und im Gegensatz zu einem Berlin-Marathon, bei dem man zwar auch direkt mit den Profis zusammen startet, ist man hier viel näher dran. Was die Leistung angeht, gibt es keine Überflieger wie beim Marathon, die gefühlt schon im Ziel sind, wenn man gerade losläuft.

Der Triathlon ist also keine Randsportart mehr – woran liegt das?

Unger: Zum einen hat sich der Markt an Triathlon-Equipment in den letzten Jahren extrem vergrößert. Es gibt heute kaum noch einen namhaften Radhersteller, der noch kein Triathlon-Rad im Angebot hat. Auch profitiert der Sport derzeit stark von den sozialen Netzwerken. Bilder von Wettkämpfen wie dem Ironman auf Hawaii gehen um die Welt. Die Leute bekommen im Netz Werbung von den Sportartikerherstellern angezeigt. So wird Triathlon für die Menschen immer interessanter.

Kann man da also von einem Hype sprechen?

Unger: Als Hype würde ich das nicht bezeichnen. Dafür ist Triathlon einfach noch zu wenig in den Massenmedien vertreten und die Berichterstattung auf kleine Kreise begrenzt. Das ist nicht wie beim Wintersport, bei dem dann fünf Millionen Menschen vorm Fernseher sitzen. Vielleicht auch, weil so ein Zehn-Stunden-Triathlon viel langwieriger ist. Momentan besteht der Zuschauerkreis jedenfalls weitesgehend aus Insidern. Ein Trendsport beziehungsweise eine Mode ist der Triathlon aber allemal.

Wie gesund ist der Ausdauersport Triathlon?

Unger: Die Triathlon-Bewegung geht durch alle Altersklassen. Die meisten Sportler sind zwischen 20 und 60 Jahre alt, vereinzelt aber auch mal über 70.

Am Wichtigsten ist es, seine körperlichen Voraussetzungen richtig einzuschätzen. Die Gefahr, dass das Ganze wegen chronischer Überlastung und Müdigkeit nach hinten losgeht, ist dagegen wahrscheinlich größer als beim Laufen. Wenn ich selbst merke, dass ich nicht mehr als die Mitteldistanz schaffe, dann ist das vollkommen ausreichend. Das Training für einen Triathlon ist in jedem Fall gesund. Das Herz-Kreislauf-System wird dreimal anders trainiert, genau wie verschiedene Muskelgruppe. Die Belastung ist dadurch nicht so einseitig ist.

Zur Person: Marc Unger (31) stammt aus Schwalmstadt und wohnt mit Freundin und Tochter in Willingshausen. Er arbeitet als selbstständiger Sporttherapeut und seit 2016 als Triathlon-Coach beim SC Neukirchen. Der Triathlon-Profi trat 2013 und 2015 noch als Amateur auf Hawaii an. 

40 Jahre Triathlon: Erster Ironman Hawaii fand 1978 statt

Der Ironman auf Hawaii ist ein Mythos, der Sportler auf der ganzen Welt seit 40 Jahren in seinen Bann zieht – heute mehr als je zuvor. Knapp 58 000 Mitglieder zählen die 1537 Vereine der Deutschen Triathlon Union mittlerweile. 1978 war das Geburtsjahr des damit noch recht jungen Ausdauer-Dreikampfs. Weil sich damals 15 Schwimmer, Radfahrer und Läufer einfach nicht einigen konnten, wer denn der stärkste Sportler von ihnen ist, traten sie an den Ufern von Oahu (Hawaii) auf insgesamt 140 Meilen gegeneinander an. Die Idee zum Ironman Hawaii kam von dem Navy-Commander John Collins. Sieger wurde damals der Taxifahrer Gorden Haller.

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