Vor Ort beim Ringerturnier des RSV Elgershausen: Von Jungen und Alten, über Tradition und Perspektiven

Mattenfüchse stark wie Herkules

Bereit für den nächsten Kampf: Felix Klein (links) und Jason Brakel vom gastgebenden RSV Elgershausen. Fotos:  Fischferr

Schauenburg. Ihr Trainer ist schon sechsfacher Großvater – „aber noch total fit“, sagt Selim Rieske. „Und er zeigt uns ganz tolle Techniken und Würfe.“ Sechs Jahre ist der Lausbub jung, trägt stolz wie Bolle sein rotes Ringerleibchen. Und auf Josef Majdak lässt er nichts kommen. „Der hat schon in der Bundesliga gerungen“, sagt Selim und weiß, was das Wichtigste ist beim Training und im Wettkampf: „Auf den Trainer hören und neue Griffe lernen.“

Am besten kann er den Kopf-Hüftschwung, und mit dem will er auch beim Herkulesturnier „seines“ RSV Elgershausen erfolgreich sein. Und irgendwann einmal so stark sein wie der Namenspatron dieses Wettbewerbs, der aus der offenen Nordhessen-Meisterschaft hervorgegangen ist. Wir haben Stimmen und Stimmungen eingefangen in der Schauenburg-Halle, wo Aktive aus 18 Vereinen 141 Starts in beiden Stilarten bestritten haben.

Die Jungen

Als Selim gebeten wird, auf der bunten Ringermatte sein Können beim Aufwärmen zu zeigen, ist er sofort Feuer und Flamme. Gemeinsam mit Felix Buchwald, seinem Kumpel, auch aus Baunatal, wird kräftig zugepackt. Der Siebenjährige mag am liebsten den Achselwurf, und natürlich macht er den sofort. Fast perfekt. „Ich hatte irgendwie noch kein Hobby. Und habe dann mit Mama am Fernseher Wrestling gesehen, das war klasse. Dann habe ich gefragt, wie das auf deutsch heißt und ob es das hier auch irgendwo gibt“, sagt Selim.

Die Eltern

Papa Markus Gottwald ist froh, dass sein Filius Felix nun beim RSV Elgershausen ringt. „Darin geht er auf, da kann er sich auspowern, und das Kräftemessen der jungen Heißsporne findet nicht mehr nur auf dem Schulhof statt“, sagt er und lacht. Natürlich ist die Familie dabei, als Felix in Hoof sein erst drittes Turnier bestreitet. „Aufgeregt war er, von Tag zu Tag mehr, und am Ende hat er geredet wie ein Wasserfall.“

Auch Andreas Rieske ist froh, dass sein Selim dreimal pro Woche in die kleine Halle am Goldberg geht. „Das Ringen begeistert den Jungen total, und dass er zwei von drei Kämpfen gewonnen hat, das motiviert noch mehr“, sagt der Vater, der Win-Chun-Kämpfer ist. „Selim hat mir zugesehen und dann so lange gequengelt, bis wir ihn zum Ringen angemeldet haben.“ Im Internet hat er dann mit dem Schauenburger Klub einen Volltreffer gelandet: „Ein Verein mit Tradition, gutem Ruf und super Trainern.“

Die Alten

Josef Majdak ist 64, Bernd Neid 63, der unverwüstliche Musti Hoscan 48 – allesamt alte, aber jung gebliebene Mattenfüchse, die ihre Liebe zu diesem Sport weitergeben an die Jüngsten. Im Training, im Wettkampf. Sie sitzen auch jetzt an der Matte, instruieren die Burschen, beruhigen, muntern auf, erklären, und manchmal machen sie ihnen auch Feuer unterm Hintern. Frank Oehme ist dabei, auch Denny Heine, der seit 35 Jahren mit dem Elgershäuser Traditionsklub verbunden und dort engagiert ist.

Die Tradition

„Viele Menschen schwärmen noch von den glanzvollen Bundesliga-Zeiten mit Weltklasse-Athleten“, sagt Heine, „und an das Schweinebratenessen im Gasthaus Stock.“ Damals gab essamstags im Ort nur ein Programm – den Ringkampf. Sogar die Baunataler Rundsporthalle füllten sie mit mehr als 2000 begeisterten Zuschauern. „Leider haben sich viele Aktive, die damals im Rampenlicht standen, vom Verein abgewendet. Wir könnten sie gut gebrauchen.“ Und: kürzlich verstarben mit Helmut Zimmermann, Johann Weber und Wilhelm Ohlwein drei ehemals tragende Säulen.

Die Perspektive

Selim und Felix, die fröhlichen Mattenfüchse, stehen für die Zukunft des Ringens beim RSV. „Wir wollen wieder eine große Familie werden, von den Kindern über die erste Mannschaft bis hin zu den Veteranen“, beschreibt Heine das, was in der Halle zu spüren ist. „Und wir wollen im Ort und in Nordhessen wieder präsenter werden.“ Der Aufstieg der ersten Mannschaft in die dritte Liga sei ein wichtiger Faktor, erklärt Marco Greßler, der Vorsitzende. „Die Hessenliga wird für uns alle eine Herausforderung.“ 30 Aktive von sechs bis 48 hat der Verein und 160 Mitglieder, von denen viele eingespannt sind in die Organisation dieses Turniers. Und die sich freuen über jeden gelungenen Griff, nicht zuletzt von Felix und Selim. Der muss gleich wieder ran auf der Matte, ausgerechnet gegen Jason Brakel, seinen Vereinskameraden. Gegen den hatte er gestern verloren.

Von Gerald Schaumburg

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