„Mit angezogener Handbremse“

Saisonauftakt Kreisliga Tischtennis: Neue Regeln wegen Corona

Andreas Schmidt vom OSC Vellmar reinigt eine Tischtennisplatte. 
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Nach jedem Spiel die Platte reinigen: Andreas Schmidt, Abteilungsleiter Tischtennis beim OSC Vellmar, zeigt, wie es geht. 

Vellmar – Es ist das erste Spiel der Saison für die Mannschaften OSC Vellmar II und FTSV Heckershausen in der Tischtennis-Kreisliga. Und das unter Corona-Bedingungen. Die neuen Regeln wirken sich auf den Sport besonders aus.

Quietschende Turnschuhe rutschen über den Hallenboden. Ein helles Ping. Der weiße Tischtennisball springt auf die dunkelgrüne Platte. In der nächsten Sekunde trifft er auf den Holzschläger. Ein dumpfes Pong. Die Geräusche schallen durch die Sporthalle Obervellmar. Die ersten Sportler der beiden Tischtennismannschaften des OSC Vellmar II und FTSV Heckershausen spielen sich locker warm. Gleich treten sie gegeneinander an, beim Auftaktspiel der neuen Saison der Kreisliga.

Besondere Auswirkungen: Neue Regeln wegen Corona

„Wir sind froh, wieder spielen zu können. Aber es ist wie mit einer angezogenen Handbremse zu fahren“, sagt Andreas Schmidt, Abteilungsleiter Tischtennis beim OSC Vellmar. Die Corona-Richtlinien haben bei seinem Sport besondere Auswirkungen: Die Doppel fallen wegen der Abstandsregelungen weg. Die zwölf Einzel, die heute anstehen, werden komplett ausgetragen.

So habe man nochmal ein bisschen mehr Spielzeit und kann seine Leistungszahl, die QTTR-Zahl, verbessern – oder verschlechtern, erklärt Schmidt. Es sei verständlich und richtig, dass die Doppel ausgelassen werden. „Schade ist es aber trotzdem“, sagt Marius Jaworski aus Vellmar vor dem ersten Aufschlag.

Nur mit Handschuhen: Marius Jaworski vom OSC Vellmar an der Zähluhr.

Nach und nach trudeln die restlichen Gast- und Heimspieler in die Halle ein. Die meisten sind schon umgezogen. Umkleiden und Duschen dürfen sie nicht nutzen. Manche ziehen sich das Trikot am Spielfeldrand über. Friedhelm Mänz vom OSC Vellmar weist nochmal auf die neue Regelung und die Hygienerichtlinien hin.

Die Masken verstecken Emotionen

Dann kann es losgehen. Gespielt wird parallel an zwei Tischen. Dafür dürfen die Sportler ihre Masken absetzen. Aufschlag. Ping. Pong. Ping. Pong. Das typische Geräusch erfüllt die Halle. Der Ball landet im Netz. Lautes Schimpfen an der Platte. Auf den Bänken sitzen still die restlichen Teammitglieder. Die Masken verstecken jegliche Emotionen. Ab und zu klatscht jemand. Kollegen werden am Rand gecoacht. Ein paar Besucher sind zwar erlaubt, heute sind aber keine da.

In Aktion: Reiner Herrmann vom FTSV Heckershausen.

„Unter Corona ist es deutlich ruhiger“, sagt Mänz nach seinem Match, während er sich den Mundschutz wieder aufsetzt. „Die Maske belastet. Nach dem Spiel bin ich geschwitzt und brauche Sauerstoff. Unter der Maske schwitze ich noch mehr.“ So geht es auch anderen Sportlern. Immer wieder verlassen sie die Halle, um frische Luft zu schnappen.

Das nächste Einzel steht an. Vorher wird die Platte geputzt. „So sauber waren die Tische noch nie“, sagt Schmidt. Er zuppelt sich die blaue Maske zurecht, auf der OSC Vellmar steht. Lachfältchen bilden sich um seine Augen.

Ein Ball fliegt quer durch die Halle auf den desinfizierten Tisch. Einer der Spieler spurtet ihm hinterher. „Jetzt bloß nicht mehr die Platte berühren!“, ruft ihm Friedhelm Nentwich vom OSC zu. Teamkollege Thomas Stenzel hebt abwehrend die Arme und grinst. Ihren Humor haben sie immerhin nicht verloren.

Die Doppel fehlen und der Spaßfaktor wird gedrückt

Die Partie geht 8:4 für Heckershausen aus. Und wie war es nun ohne Doppel und mit Maske? „Das Doppel fehlt. Dabei kann man normalerweise gut ins Spiel finden“, findet Axel Rose vom FTSV Heckershausen. Das bestätigt auch sein Kollege Reiner Herrmann.

Es stellt sich die Frage, ob wir unter diesen Bedingungen wirklich Spaß haben und spielen wollen

 Andreas Schmidt, Abteilungsleiter Tischtennis beim OSC Vellmar

„Die guten Hygienemaßnahmen drücken auf den Spaßfaktor. Normalerweise sitzen wir am Ende noch gemütlich zusammen“, sagt Hubertus Weerkamp, Sportwart beim OSC. Dieser Meinung ist auch Schmidt: „Ohne Maske auch für die Spieler am Rand wäre es besser. Es stellt sich die Frage, ob wir unter diesen Bedingungen wirklich Spaß haben und spielen wollen.“

Von Jessica Sippel

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