Jens Perlwitz vom CSK 98 Kassel über die Situation im Kanusport

Kasseler Kanuten mit blauem Auge davongekommen

Jens Perlwitz im Bootshaus des Casseler Schwimmverein Kurhessen von 1898 e.V.
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Jens Perlwitz im Bootshaus des Casseler Schwimmverein Kurhessen von 1898 e.V.

Wir sprachen mit Jens Perlwitz über die Perspektiven des Kanu-Sports. Der 72-Jährige Kasseler ist der scheidende Vizepräsident des deutschen Kanuverbandes.

Wie stellt sich die Situation für die Kanuten in Kassel dar?
Es könnte schlechter sein. Ich denke sogar, dass der Kanusport von der Coronakrise profitieren kann, weil er neu von Freizeitsportlern entdeckt wird.
Wo gibt es die größten Einnahmeverluste?
Natürlich fallen aktuell Veranstaltungen weg. Vereinsfeste, Schüler-Wettbewerbe und Sportfeste haben in der Vergangenheit immer wieder für wichtige Einnahmen gesorgt, die jetzt fehlen. Auch Firmenfeste fallen in diese Kategorie.
Der Kanurennsport ist Freiluftsportart, die auch allein betrieben werden kann. Welche Schutzmaßnahmen sind nötig?
Erst einmal müssen wir alle unseren Beitrag mit Hygienekonzepten leisten. Zum Glück sind die Kanuten weniger stark betroffen als andere. Einer- und Zweierboote können aufs Wasser. Vierer-Boote oder sogar die populärer gewordenen Drachenboote konnten natürlich zuletzt nicht fahren. Insgesamt sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.
Gibt es bei den Kasseler Kanuten Überlegungen, wie man der Krise begegnen kann?
Auf alle Fälle. In erster Linie mit einer verstärkten Mitgliederwerbung. Der WVC Kassel hat es im Sommer sogar geschafft, die Hessischen Meisterschaften im Kanurennsport und im Stand-Up-Paddling durchzuführen. Die Hygieneauflagen waren streng, aber alle Sportler haben mitgezogen, und es gab keine Probleme.
Kanurennsport bleibt eine Randsportart. Was sollte man tun, damit der Sport weiter im Blick der Öffentlichkeit bleibt?
Mit der Fulda in der Stadt haben wir natürlich hervorragende Bedingungen. Probleme gibt es bei unserer Regattastrecke, die vom Buga-Gelände in die Fulda hineinreicht und zunehmend versandet. Hier sind wir mit der Stadt Kassel im Gespräch, um Abhilfe zu schaffen. Gerade jetzt während der Coronakrise haben wir auch positive Effekte gespürt. Viele Menschen, die an der Fulda unterwegs waren, sind neugierig geworden. Hier wollen wirmit den elf heimischen Kanuvereinen weiter auf die Menschen zugehen, um auf diese Art Werbung für unseren Sport zu machen. Zuletzt haben einige der Kasseler Vereine wie beispielsweise der KSK ihre Jugendarbeit intensiviert. Hier sind wir auf einem richtigen Weg und sehen die ersten positiven Ergebnisse.
19 Jahre als Vize-Präsident Leistungssport beim DKV liegen hinter Ihnen. Was waren die Höhepunkte?
Auf alle Fälle die Olympischen Spiele in Rio im Jahr 2016. Als Vorstandsmitglied der ICF durfte ich an der Siegerehrung unseres C1- Olympiasiegers Sebastian Brendel teilnehmen und zusammen mit dem Vertreter des brasilianischen Olympischen Komitee die Medaillen überreichen. Das bleibt in Erinnerung. Und natürlich die Begegnung mit den vielen Sportlern.
Aus nordhessischer Sicht gibt es da noch Sarah Brüßler und Felix Frank, die sich sicherlich noch Hoffnungen auf internationale Starts machen, oder?
Auf alle Fälle. Vor allem Sarah war in diesem Jahr in Top-Form. Für sie war die Olympia-Absage ein Desaster. Ich hoffe jetzt, dass sie 2021 den Sprung nach Tokio schafft. Außerdem hat der WVC Kassel einen starken Mädchen-Nachwuchs.
Und sie selbst? Setzen Sie sich noch in ein Kanu?
Manchmal hole ich noch mein Wildwasserkajak heraus, aber Neuerungen gegenüber wollte ich immer offen bleiben. Deshalb habe ich auch dazu beigetragen, dass das Drachenboot an der Fulda heimisch wurde. Inzwischen habe ich das Stand-Up-Paddling für mich entdeckt. (Martin Scholz)

Zur Person: Jens Perlwitz

Jens Perlwitz (72) ist Vorsitzender des CSK 98 Kassel und seit 19 Jahren Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Kanuverbandes. Das letztere Amt wird der frühere Rechtspfleger 2021 abgeben. Der Bettenhäuser ist verheiratet und hat einen Sohn (35) sowie eine Tochter (32 Jahre). Der frühere A-Lizenzinhaber fuhr früher viel Wildwasser-kajak und ist heute auch im Stand-Up-Paddling aktiv. 

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