Wilhelmshöhe Open 

Mit drei Bänderrissen ins Halbfinale: Louis Weßels kann kein Schmerz stoppen 

+
Beim Aufschlag: Louis Weßels lieferte sich mit Chun Hsin Tseng ein spannendes Duell und steht nach dem 6:7, 7:6, 6:4-Erfolg im Halbfinale. 

Kassel – Wer seine jüngste Krankengeschichte kannte, der traute seinen Augen nicht.

Im Viertelfinale der Wilhelmshöhe Open gegen Chun Hsin Tseng aus Taipeh bewegte sich Louis Weßels so locker, leicht und natürlich, als hätte es die drei Bänderrisse in seinem rechten Fuß innerhalb des vergangenen halben Jahres nicht gegeben.

Weßels spielte großartiges Tennis, überzeugte vor allem mit seinen Paradeschlägen Aufschlag und Vorhand und zog mit einem 6:7, 7:6, 6:4-Sieg in das Halbfinale ein, in dem er heute auf Lucas Gerch trifft. Und weil auch Tseng tolles Tennis spielte, wird die Begegnung der beiden als eines der besten Matches in die Geschichte der Wilhelmshöhe Open eingehen.

Der Triumph des Bielefelders erhält ein noch größeres Gewicht, blickt man auf den 3. Juli zurück. Das ITF-Turnier in Ludwigshafen dauerte für den 20-Jährigen nur eine Minute, denn beim zweiten Ballwechsel zog sich Weßels einen Riss des vorderen Außenbands zu. Das ist eine Verletzung, mit der er vertraut ist, denn Bänderrisse im rechten Fuß hatte er auch schon im Dezember und im April erlitten. „Ich habe mich wohl daran gewöhnt“, sagt der Zwei-Meter-Mann.

Brauchte Weßels im Dezember noch drei Wochen zur Genesung, waren es im April nur noch 14 Tage. Und nun stand eine Woche nach dem Malheur in Ludwigshafen das Turnier in Marburg auf dem Programm. Louis Weßels war nicht nur dabei, sondern am Sonntag auf dem Siegerpodest ganz oben.

Trotz der Schmerzen? Der 468. der Tennis-Weltrangliste erzählt, dass er keine Probleme mit dem vorderen Außenband hatte, dass sich aber die Achillessehne unangenehm bemerkbar machte. „Das lag daran, dass das Tape sehr straff angelegt werden musste“, sagt der Mann, der auch jetzt in Kassel wieder fest auf die Zähne beißen muss, um die Matches zu überstehen. Ein Sieg an der Burgfeldstraße wäre toll, aber nicht der bisher größte Erfolg des vielversprechenden Talents.

Es war vor drei Jahren in Hamburg, als der damals 17-Jährige vom Turnierdirektor Michael Stich mit einer Wildcard ausgestattet wurde und sogar die erste Runde erfolgreich überstand. Bei den großen Turnieren im Juniorenbereich glänzte der Schlaks meistens im Doppel. Wimbledon, US Open, Australian Open: Jeweils war erst im Halbfinale Schluss.

Nun aber hat sich der junge Mann mit dem geringen Schmerzempfinden ein hohes Ziel gesetzt. „Im Januar will ich bei den Australian Open in der Qualifikation an den Start gehen“, verrät Weßels, der sich bis dahin auf einen Platz unter den 250 besten Tennisspielern der Welt hochgearbeitet haben muss.

Das wird kein Problem, wenn er weiterhin so gut spielt, wie gestern in Kassel gegen Chung Hsin Tseng. Eins aber soll sich bald ändern. Louis Weßels ist auf der Suche nach einem professionellen Trainer, obwohl er mit seinen jetzigen Coaches sehr zufrieden ist. Die heißen Alexandra und Dirk Weßels. Und die Nachnamen sind natürlich kein Zufall – Alexandra und Dirk sind die Eltern des Halbfinalisten.

Die weiteren Partien des Freitags:

Es wird ein deutsch-französisches Tennis-Halbfinale bei den Wilhelmshöhe Open – zumindest im Einzel. Gestern schlug der an Eins gesetzte Franzose Sadio Doumbia den letzten Qualifikanten Valentin Günther 7:5, 6:2, sein Landsmann Jules Okala gewann gegen Vorjahressieger Orlando Luz aus Brasilien 6:3, 6:1. Im kürzesten Viertelfinale des Tages siegte der Deutsche Lucas Gerch gegen den Tschechen Matej Vocel 6:0, 6:2 und Louis Weßels bezwang Chun Hsin Tseng 6:7, 7:6, 6:4. 

Im Halbfinale kommt es nun zu nationalen Duellen. Ab 13 Uhr treffen heute auf der Anlage an der Burgfeldstraße Gerch und Weßels sowie Doumbia und Okala aufeinander. Anschließend findet das Doppelfinale zwischen den Franzosen Doumbia/Fabien Reboul und dem deutsch-australischen Duo Mats Rosenkranz/James Frawley statt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.