Läufer Noah Heinemann hofft auf Wettkämpfe im Jahr 2021

Mit neuen Wegen durch die Krise

Startbereit: Läufer Noah Heinemann vom LAV Kassel versucht sich mit neuen Trainingsmethoden und hofft auf einen Neustart in diesem Jahr.
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Startbereit: Läufer Noah Heinemann vom LAV Kassel versucht sich mit neuen Trainingsmethoden und hofft auf einen Neustart in diesem Jahr.

Der Nachwuchs leidet besonders unter Corona. Heute spricht Leichtathlet Noah Heinemann (18) vom LAV Kassel über seine Erfahrungen.

Du schreibst selbst Geschichten und möchtest mal Filme drehen. Welchen Titel würdest du denn deinem Sportjahr 2020 geben?

Ich würde dem Film den Titel „A new way on track“ geben. Es hat sich einiges getan. Wegen Corona fielen viele Wettkämpfe aus, andererseits hatte ich so aber auch die Möglichkeit und Zeit, mich auf das neue Training einzustellen. Das war sehr hilfreich.

Neues Training? Du wolltest nach deiner Rückkehr im Februar 2019 vom Sportinternat in Frankfurt schon mit dem Leistungssport aufhören. Warum machst du weiter?

Man kann sagen, dass ich im Corona-Sommer den Weg zum Leistungssport zurückgefunden habe. Ich habe im Juni Uwe Becker kennengelernt. Er hat mich überzeugt, dass ich die gute in Frankfurt begonnene Ausbildung der Grundlagen und spezieller Sprinttechniken auch in Nordhessen fortsetzen kann. Und dass ich auch unter Corona-Bedingungen – oder auch gerade deshalb – neue Trainingswege gehen kann.

Wie sehen diese neuen Wege aus?

Viele Läufer machen in der Corona-Zeit nur langweilige Dauerläufe. Ich habe bei Uwe norwegische, amerikanische und von ihm selbst entwickelte Trainingsmethoden kennengelernt und kriege von ihm jeden Tag neue Übungen, bei denen viele Elemente aus völlig anderen Disziplinen – wie zum Beispiel Parcourlaufen, Boxen und Fechten – dabei sind. So etwas kannte ich vorher überhaupt nicht. Das ist zwar anstrengend, macht aber auch sehr viel Spaß und ist total abwechslungsreich.

Wie ist das für dich, im Corona-Lockdown deine Freunde nicht sehen zu können?

Mir fehlt es sehr, nicht in einer größeren Gruppe trainieren zu können, nicht sich gegenseitig herausfordern und motivieren zu können. Allein zu trainieren – zumal ja auch die Sportstätten selbst für allein trainierende Personen geschlossen sind – , erfordert eine unglaublich große Selbstdisziplin. Besonders am Anfang war das schwer.

Wie wirkt sich Corona auf dein Privatleben aus?

Mir fehlt die Schule, Leute treffen, mich mit ihnen unterhalten. Man hängt viel vor dem Computer. Das ist schon langweilig. Ich gehe sonst auch gern ins Kino. Das fällt seit Längerem flach. Auch meinen Nebenjob im Kino in Wolfhagen kann ich seit Monaten nicht machen. Schön ist, dass man mehr Zeit in der Familie hat und dass ich durch den Sport noch rauskomme.

Viele Wettkämpfe sind ausgefallen. Wie schwer fällt es dir, sich ohne Ziel zu motivieren?

Der Leistungssport definiert sich auch durch Wettkämpfe. Dass Titelkämpfe wie Hessische und Deutsche Meisterschaften ausgefallen sind, ist sehr schade. Darauf hinzutrainieren, motiviert nämlich sehr. Ohne Wettkämpfe hängt man als Sportler in der Luft. Ich wollte in diesem Jahr statt Crossläufen zum ersten Mal so richtig Hallen-Wettkämpfe ausprobieren. Das geht nun leider auch nicht.

Befürchtet du, dass sich die Corona-Jahre 2020 und 2021 negativ auf deine sportliche Entwicklung auswirken?

Nein, eigentlich nicht. Ich bin dadurch, dass ich schon fast mit dem Leistungssport aufgehört hatte, aber auch vielleicht in einer besonderen Situation. Das Training in den vergangenen Monaten hat mich bereichert. Ich konnte weiter an meinen Schwächen arbeiten. Ich fühle mich gut gerüstet.

Welche sportlichen Ziele hast du dir gesteckt?

Anstatt auf die 3000 und 5000 Meter konzentriere ich mich mehr auf die 800 Meter – früher eigentlich meine Hass-Strecke. Ich will meine Geschwindigkeit und Kraft verbessern. Zudem meinte mein Trainer, dass ich Potenzial über 2000 Meter Hindernis hätte. Das will ich in der neuen Saison in Angriff nehmen – vielleicht auch bei den Deutschen Meisterschaften. (Sebastian A. Reichert)

Zur Person:

Noah Heinemann (18) begann als Siebenjähriger beim VfL Wolfhagen mit der Leichtathletik. Nach zehn Jahren beim TSV Niederelsungen ist er nun zum LAV Kassel gewechselt. Der Mittelstreckler gehört zur Trainingsgruppe um Uwe Becker, der mit seinen Kindern Ella (9), Noah (12) und Mia (14) statt dem Trikot der LG Vellmar jetzt ebenfalls das Kasseler Trikot trägt. Heinemann hat noch eine 33-jährige Schwester, besucht die Oberstufe der Walter-Lübcke-Schule und wohnt bei seinen Eltern in Wolfhagen. In seiner Freizeit schreibt der 18-Jährige Geschichten und dreht Filme. Nach dem Abitur möchte er Spielfilm-Regie studieren. Im Herbst schloss er seinen C-Trainer-Schein Leichtathletik Leistungssport ab.

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