Mit Schlachtrufen zum Derbysieg

Bergshausen gewinnt in der Volleyball-Oberliga gegen Wehlheiden

Kampf um jeden Punkt: Die Spielerinnen der FSV Bergshausen Julia Esper (14) und Maike Hügelow (13) blocken den Angriff der Wehlheiderinnen Christine Sturm (14) und Lotta Weinrich (3).
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Kampf um jeden Punkt: Die Spielerinnen der FSV Bergshausen Julia Esper (14) und Maike Hügelow (13) blocken den Angriff der Wehlheiderinnen Christine Sturm (14) und Lotta Weinrich (3).

Kühl ist es am Sonntagnachmittag in der Hegelsberghalle im Kasseler Norden. Die Luft in der von Licht durchfluteten Halle zirkuliert stark, was auf der Tribüne deutlich zu spüren ist.

Kassel - Im Kontrast dazu steht die erhitze Stimmung von Publikum und Spielerinnen der zwei Volleyball-Mannschaften, die sich auf dem Spielfeld gegenüberstehen. TG Wehlheiden gegen FSV Bergshausen. Nicht einfach irgendein Spiel der hessischen Damen-Oberliga, sondern ein Derby.

Die rund 60 Anhänger beider Teams feuern diese mit Schlachtrufen an. Die Fans der FSV sind knapp in der Minderheit, dafür deutlich lauter. „Hepp, hepp, FSV“ schallt in den knapp zwei Stunden oft durch die Halle und wird durch ihre Akustik noch verstärkt, sodass es dem ungewohnten Zuschauer in den Ohren wehtut. Vermutlich hat es damit zu tun, dass dieses Aufeinandertreffen das erste Ligaspiel nach über einem Jahr Coronapause ist.

Ulrike Albrecht von der FSV Bergshausen beim Aufwärmen.

Die TGW-Fans antworten mit frenetischem Applaus, sobald ihr Team einen Punkt macht. Das gelingt den Wehlheiderinnen vor allem zu Spielbeginn ständig, der erste Satz geht mit 25:13 klar an die Damen in Rot. Nach Anlaufschwierigkeiten lässt sich die FSV von ihren Unterstützern auf den Rängen hochpeitschen und holt drei Sätze am Stück. Am Ende steht ein 3:1 – ein klarer Sieg.

Die Stimmung ist während des Spiels auf Feld und Tribüne hitzig aber fair. Eine Szene erregt die Gemüter besonders, die Halle brodelt: Der Schiedsrichter pfeift. Aus. Wehlheiden bekommt den Ball und ein Raunen geht von den Fans aus Bergshausen aus. „Jawoll, das ist die richtige Antwort“, brüllt ein Zuschauer – die FSV hat den nächsten Angriff der TGW abgewehrt. Tanja Schulz-Wulf springt hoch und schmettert den Ball übers Netz. Punkt und Satz gehen an die Gäste.

In den Spielpausen bilden sich Zuschauergrüppchen, die sich über den neuesten Klatsch austauschen. Kuchen, belegte Brötchen und heiße Getränke stehen gegen eine Spende im Eingangsbereich der Halle bereit und finden schnell Abnehmer. „Dort aber bitte Maske tragen“, sagt TGW-Spielerin Sabrina Hubenthal, die aktuell in der Babypause ist. Sie kontrolliert den Zugang zur Halle, der nur mit gültigem, negativen Coronatest oder Impfnachweis gestattet ist, und das Einhalten der Maskenpflicht im Eingangsbereich. Die Zuschauer halten sich an die Vorgaben, manche behalten sogar auf der Tribüne die Maske auf. Zwei junge Frauen sitzen am Spielfeldrand, die eine bedient die Zähltafel. Das funktioniert. Die andere tippt die Punkte auf ein Tablet ein – der Liveticker. Das funktioniert nicht. Schuld daran ist ein Funkloch.

TG-Trainer Horst Distram bespricht mit seinen Spielerinnen in einer Auszeit die Taktik. Gerade zu Beginn traten die Wehlheiderinnen stark auf.

In den Pausen zwischen den Sätzen versammeln die Trainer ihre Teams um sich. TGW-Coach Horst Distram spricht ruhig aber bestimmt mit seinen Spielerinnen, die währenddessen ihren Durst mit Wasser stillen – auf den Flaschen steht Fortuna Quelle. Es hilft nicht, diesmal ist die gleichnamige römische Glücksgöttin den Wehlheiderinnen nicht zugewandt. Ein kleines Mädchen läuft im Minitrikot über das Spielfeld. Das scheint ihr sichtbar Freude zu bereiten.

FSV-Trainerin Kelsey McNamara tritt anders auf als ihr Wehlheider Pendant, sie heizt ihre Mannschaft ein. Mit Erfolg, die Damen aus Bergshausen gewinnen mit 25:15, 25:20 und 25:21 die restlichen Sätze.

„Wir sind happy über das Ergebnis und freuen uns, endlich wieder spielen zu dürfen“, erklärt McNamara nach dem Spiel. Distram ist weniger fröhlich: „Das Ergebnis ist verdient. Wir sind stark gestartet, haben aber einfach zu viele Leistungsschwankungen.“ Viele Fans haben den Nachmittag sichtlich genossen, tauschen sich nach Spielende mit den Athletinnen aus. Die Stimmung ist entspannt, jetzt da der Spielbetrieb wieder losgeht. (Raphael Digiacomo)

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