Der Kasseler Willi Eckhard hat den Schwerathleten des KSV Hessen seit 70 Jahren die Treue gehalten

Mitglied seit dem 1. Juli 1946

Die erste Ringermannschaft des VfL Hessen, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Besatzungsmächten im Jahr 1946 wieder zugelassen wurde, mit (von links) Hermann Hahn, Willi Bölling, Heinrich Bölling, Willi Eckhardt, Georg Lecke, Albert Becker, Willi Arend und Willi Fuldan. 4 Fotos: Privat/nh

KASSEL. Willi Eckhardt hat den Mitgliedsausweis mit der Nummer „70“ aufgehoben, obwohl der Verein seit dem Sommer 1993 nicht mehr existiert. Die Rede ist vom KSV Hessen Kassel, der damals in Konkurs ging. Eckhardt war Mitglied der Schwerathletik-Abteilung, die 1993 genauso wie die anderen 22 Amateur-Abteilungen aufgelöst wurde.

Auf dem Ausweis ist der Eintritt in den Verein mit dem 1. Juli 1946 datiert, also genau vor 70 Jahren. Damals gab es den KSV Hessen allerdings noch nicht. Eckhardt war erst Mitglied im VfL Hessen, der dann durch Fusionen im alten KSV Hessen aufging. In den neuen Mitgliedsausweisen wurde dann das Datum des ursprünglichen Eintritts in den Vorgängerverein eingetragen.

Die Ringer des damaligen VfL Hessen waren die erste Mannschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Besatzungsmächten im Jahr 1946 wieder zugelassen wurde.

„Angefangen mit dem Ringen hatte ich als Schüler damals beim Tuspo Reichsbahn“, erzählt Eckhardt. „1946 wurde dann der VfL Hessen in der früheren Villa Credé gegründet, und ich war dann seit dem 1. Juli 1946 dort Mitglied.“

Den ersten größeren Erfolg holte sich Eckhardt 1948 mit Rang drei bei den deutschen Jugendmeisterschaften, die in der Kasseler Goethe-Anlage ausgetragen wurden. Es folgten in den Jahren danach viele Titel auf Bezirks- und Landesebene. Und wenn bei den Gewichthebern Not am Mann war, dann ging Eckhardt auch an die Hantel. Immer für den KSV Hessen, dem er bis heute vereinstreu ist. Nach dessen Auflösung dann dem SAV Kassel, dem Nachfolgeverein, bei dem er Gründungsmitglied ist. Der SAV ernannte ihn 2005 wegen seiner Verdienste um den Umbau der Krafträume des Vereins an der Schlagd zum ersten Ehrenmitglied.

Zwischendurch engagierte sich Eckhardt, der die Trainerlizenz Schwerathletik erwarb, auch zwölf Jahre beim KSV Elgershausen als Jugendtrainer und ging sogar in der zweiten Liga als Aktiver auf die Matte.

Früher Ordner beim KSV

Der gebürtige Kasseläner Willi Eckhardt, der mit dem ehemaligen Schalker Präsident Günter Siebert befreundet ist, dürfte vielen Tribünenbesuchern bei den früheren Fußballern des KSV Hessen ebenfalls bekannt sein. Dort war er Ordner am Eingang zur Mitteltribüne.

Wenn auch der alte Vereinsausweis heute in der Andenkenkiste schlummert – Willi Eckhardt, der im Februar 86 Jahre alt wurde, versucht, sich immer fit zu halten. „Ich bin immer ein Kämpfer gewesen“, sagt er. Montag, Mittwoch und Freitag geht er in den Fitnessraum an der Schlagd. Donnerstags ist Entspannung in der Sauna angesagt. 1 Foto: Fritschler

Von Peter Fritschler

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