MT und KSV ohne Zuschauer

Fragen und Antworten: So erleben Sie den Sport im Risikogebiet Kassel

Die Tribüne im Kasseler Auestadion.
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Hier wird niemand sitzen: Beim Heimspiel des KSV Hessen am Samstag sind dieses Mal keine Zuschauer im Auestadion zugelassen.

Nein, ein ganz normales Sportwochenende wird es in Kassel nicht geben. Denn nachdem die Stadt nun offiziell am Donnerstag zum Corona-Risikogebiet erklärt wurde, müssen zwei Spitzenklubs erhebliche Einschränkungen hinnehmen.

Kassel - Weder die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen noch die Fußballer des Regionalligisten KSV Hessen dürfen am Samstag vor Publikum spielen. Die MT hat ab 20.30 Uhr in der Rothenbach-Halle GWD Minden zu Gast, die Löwen bekommen es bereits ab 14 Uhr im Auestadion mit Astoria Walldorf zu tun. Zwar können keine Fans dabei sein, wir planen aber Liveradios und -ticker von den beiden Sport-Ereignissen.

Allerdings hat die Corona-Pandemie am Wochenende noch Auswirkungen auf weitere Vereine im Kasseler Raum. Wir blicken auf dieser Seite nicht nur auf die Situationen bei der MT und beim KSV Hessen, sondern erklären auch, was die Einstufung Kassels als Risikogebiet für die Klubs bedeutet.

Wie blicken die Melsunger mit einem Tag Abstand auf die Nachricht?

MT-Manager Axel Geerken wurde am Donnerstag 48 Jahre alt. Trotz seines Geburtstags hatte er viel zu organisieren. „Wir nehmen die Situation natürlich so an. Es ist aber schon enttäuschend, wenn dein Konzept von allen Seiten gelobt wird und du dann gesagt bekommst, dass du keine Zuschauer mehr reinlassen darfst“, sagt Geerken.

Zumal wirtschaftlich einiges daran hängt: „Die Kosten und der Aufwand bleiben.“ Zumindest kann die Zahl der Ordnungskräfte für die Partie gegen Minden etwas verringert werden. Der Manager bleibt positiv: „Es scheint, als wären die Probleme gut zu lokalisieren. Ich hoffe, dass wir dann zum übernächsten Heimspiel wieder Zuschauer empfangen können.“

Welche Auswirkungen haben die Einschränkungen noch für einen Klub wie die MT?

Die Hallenzeitung ist natürlich bereits produziert worden. 1500 Exemplare wurden für die Partie gegen Minden gedruckt. Zwar werden morgen nur für die beteiligten Teams und die Medienvertreter ein paar Hefte in der Rothenbach-Halle benötigt, Pressesprecher Bernd Kaiser sagt aber auch: „Der Inhalt geht nicht verloren.“ Das MT-Magazin ist für Fans online abrufbar und wird zudem im Melsunger Edeka-Markt ausgelegt.

Wird der KSV trotz fehlender Zuschauer im Auestadion spielen?

Ja. Denn die Löwen haben selbst ja keinen Coronafall in ihren Reihen zu beklagen. „Wir haben damit gerechnet, dass es uns bei einzelnen Spielen erwischt“, sagt Vorstandsmitglied Jens Rose. „Da sind wir nicht blauäugig. Aber es tut uns für die Zuschauer und Spieler leid.“ Auch ohne Fans muss der KSV aber Stadionmiete zahlen. „Wir müssen die Spieler und Schiedsrichter schützen. Im Stadion können wir alle besser verteilen. Als Veranstalter tragen wir das Risiko“, sagt Rose. Wie lange die Situation anhält, kann auch der 59-Jährige nicht einschätzen. „Ich hoffe nur, dass es nicht allzu lange dauern wird“, sagt Rose.

Was wird aus den Tickets?

Wer bereits ein Ticket für das Heimspiel gegen Walldorf gekauft hat, bekommt einen Gutschein oder eine Erstattung, sagt Rose. Beim Preis der Dauerkarten habe der Klub ohnehin nur 15 statt 21 Spiele berechnet, um einen Puffer zu haben.

Wie reagieren die KSV-Fans auf den Ausschluss?

„Das ist für uns natürlich ein harter Schlag. Vor allem, weil alle den Eindruck haben, dass es mit dem Hygiene-Konzept bisher richtig gut gelaufen ist“, sagt der KSV-Fanbeauftragte Gregory Dauber. Die Anhänger der Löwen haben sich an Ordnungsdiensten beteiligt. Für den Samstag war im Anschluss an die Partie auf der Nordtribüne eine Lesung geplant, organisiert vom Fanprojekt. Auch die fällt nun aus. „Bitter ist es auch für die Mannschaft, die auf Unterstützung verzichten muss“, sagt Dauber, der auf eine schnelle Rückkehr ins Stadion hofft. Er ist aber überzeugt: „Unsere Anhänger werden mit der Situation angemessen umgehen und die Maßnahmen verstehen.“

Wie sieht es auf anderen Plätzen und in den Hallen in Kassel aus?

Die Stadt Kassel teilt auf Anfrage mit, dass an allen Veranstaltungs-Orten bis zu 250 Teilnehmer erlaubt sind. Mannschaften, Verantwortliche, Ordnungspersonal und weiteres Personal sind da natürlich eingerechnet. Fußball und Handball vor Publikum in den unteren Klassen ist also möglich. Für MT und KSV macht das keinen Unterschied. Das Auestadion oder die Rothenbach-Halle für eine so geringe Zuschauerzahl zu öffnen, wäre organisatorisch ein zu großer Aufwand. Und: Wie sollte ausgewählt werden, wer dabei sein darf? Beide Klubs haben mehr Dauerkarten verkauft, als sie nun an Plätzen anbieten könnten.

Hat Corona am Wochenende noch weiteren Einfluss auf den heimischen Sport?

Ja, die Fußballer des Verbandsligisten TSG Sandershausen müssen komplett für zwei Wochen in Quarantäne. Der Grund: Ein Spieler ist positiv auf das Virus getestet worden. In die Isolation müssen auch die Verantwortlichen, da der Betroffene mit der Mannschaft trainiert hat. Drei Spiele werden deswegen – Stand jetzt – verlegt.

Und auch die Oberliga-Handballer des TSV Vellmar werden an diesem Wochenende nicht spielen. Allerdings hat das eine andere Ursache. Die Vellmarer müssten in Offenbach antreten, mehrere Akteure arbeiten allerdings im medizinischen Bereich. Da Offenbach einer der Corona-Hotspots ist, wollen sie dieses Risiko vermeiden, der Gegner hat der Verlegung zugestimmt. (Frank Ziemke, Maximilian Bülau und Björn Mahr)

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