Wanfrieder Colin Räbiger ist Nationalspieler

Beachhandball: DHB will sich jetzt mehr für den Boom in der Sandkiste einsetzen

Eine Handballerin schmeißt sich mit vollem Einsatz beim Beachhandball in den Sand.
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Immer spektakulär: Beachhandball, hier bei einem Pfingstturnier von SV SVS/TSG Münden.

Die nordhessischen Beachhandball-Turniere sind legendär – in Külte, in Datterode, insbesondere die Kasseler bei der WVC im Auebad sowie beim Tuspo Waldau. Sogar deutsche Meister wurden dort ermittelt.

Das waren tolle Tage mit mitreißendem Sport, aber auch hohem Spaß- und Partyfaktor in den Sommerpausen der Hallenspiele. All das, bevor Volleyball im Sandkasten zur großen Schau an der Ostsee und vor allem bei Olympischen Spielen wurde. „Diesen Zug der Zeit hatten wir ein wenig verpasst. Beachhandball war etwas in Verruf geraten als Freizeit- und Partysport und wurde deswegen im Deutschen Handball-Bund kleiner gefahren“, sagt aktuell Beachkoordinator Jens Pfänder. Nicht zuletzt auch, um nach dem WM-Triumph 2007 die Kräfte für einen Boom in der Halle zu bündeln.

Der Deutsche Handballbund (DHB) will sich jetzt mehr für Beachhandball einsetzen

Nun aber verst��rkt der DHB enorm sein Engagement bei den Beachern, richtete acht Stützpunkte ein zur gezielten und gemeinsamen Förderung von Jugendlichen, Männern und Frauen und hofft auf einen Boom. Die Zusammenarbeit mit den German Beach Open, in der sich seit dem zwischenzeitlichen DHB-Rückzug die Sandkasten-Spieler ihre Turniere organisieren, werde forciert. „Wir wollen den Beachhandball vom späten Frühling bis in den Sommer etablieren und auch international mehr mitmischen mit starken Nationalteams auf allen Ebenen“, sagt Pfänder.

Einer, der für sich im Sand große Perspektiven sieht, ist Colin Räbiger. Der gebürtige Wanfrieder, dessen ältere Brüder Tim (28, TSV Vellmar) und Phil (30, Eintracht Baunatal) in Nordhessen und in der Halle geblieben sind, ist zum Nationalspieler avanciert. „Es wäre das Größte, wenn das Beachen 2024 in Paris olympisch wäre und ich dabei sein könnte“, sagt der Torwart.

Sommer, Sonne, Strand und Handball

Der spektakuläre Sport im Sommer, der andere Boden, das lockere Flair und deutlich weniger Erfolgsdruck – all das begeistert Räbiger seit seinem Debüt mit einer Bremer B-Jugend 2010 und der DM-Teilnahme im Beachhandball-Mekka Cuxhaven. Inzwischen aber sei das Niveau enorm gestiegen. Trotz seiner 2,07 m werde er daher auch nur im Tor eingesetzt und nicht als mitspielender Angreifer.

Colin Räbiger, Nationalspieler aus Wanfried

Der einstige Zerberus in Baunatal (2013/14), der kurzzeitig auch bei der MT Melsungen ausgebildet wurde, spielt in der Halle beim Zweitliga-Aspiranten Tus Vinnhorst in Hannover – gemeinsam mit Hendrik Pollex, auch ein ehemaliger Baunataler (2014/15).

„Das Problem ist immer, Beachen und Halle zu koordinieren und den Trainern im Klub klarzumachen, dass das Spiel im Sand ein super Ausgleich ist, dem Körper guttut. Die Bewegung im Sand stärkt nicht nur Sprungkraft und Kondition“, sagt Bürokaufmann Räbiger, der nun Wirtschaftswissenschaften studiert. „Der Zeitaufwand ist enorm für das Beachen, das könnte ein ambitionierter, höherklassig spielender Handballer mit Familie und/oder Beruf kaum bewältigen.“

Kein Trend wie im Beachvolleyball

Dass die Entwicklung hingeht zu zwei getrennten Disziplinen mit eigenständigem Ligen- oder Turnierbetrieb wie im Volleyball, das sieht Räbiger nicht. Das sei auch nicht nötig. „Denn obwohl wir in Deutschland die absolute Trennung haben und das Beachen nur Sommersport ist, sind wir international doch konkurrenzfähig.“ Bei der vergangenen EM wurden die Männer Sechster. Nun hofft er darauf, dass die zuletzt in Italien geplante, aber abgesagte Weltmeisterschaft im November in Katar nachgeholt werden kann. Und dass er dann dabei sein kann, der Nationalspieler aus Wanfried.

Handball-Bund: Blicke auf Volleyball, Olympische Spiele als Ziel

Das Umdenken im Deutschen Handball-Bund habe 2015 eingesetzt mit dem neuen Präsidenten und Beach-Förderer Andreas Michelmann und dem Start von zwei Teams bei den Europameisterschaften, sagt Jens Pfänder (60). Er selbst, einst Bundesliga-Trainer in Solingen und Nettelstedt-Lübbecke, ist seit 2016 im Amt als Beachhandball-Koordinator des DHB.

„Jetzt forcieren wir als Sportart mit anderen Nationen den Aufstieg von den World Games hin zur Olympischen Disziplin“, sagt er. Dabei lohne der Blick zum Volleyball, Parallelen seien deutlich. „Die Grundausbildung junger Athleten geschieht hier wie da in der Halle, erst am Ende der A-Jugend erfolgen Trennung und Sichtung für Halle und Sand auch entsprechend des Talents.“ Nun gehe es auch darum, die bestehenden, frei organisierten Teams und die speziellen Vereine bzw. Abteilungen zusammenzuführen und zu entwickeln.

Von Gerald Schaumburg

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