Gespanne gleichberechtigter Trainer werden im heimischen Fußball immer häufiger

Nicht ohne meinen Partner

Experiment geglückt: Tobias Nebe (links) und Tobias Klöppner harmonierten beim KSV Baunatal als Gespann gleichberechtigter Trainer. Archivfoto: Fischer

kassel. Trainergespanne gibt es im Fußball oft. Fast immer ist dabei einer der Chef, einer der Assistent. Neuerdings findet sich gelegentlich auch das Modell zweier Gleichberechtigter. Wie es etwa Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä ab April 2012 bei Bundesligist Bayer Leverkusen bildeten. Oder Tobias Nebe und Tobias Klöppner mehrere Jahre lang beim KSV Baunatal. Inzwischen finden sich im heimischen Fußball Nachahmer. Wir fragten die Beteiligten nach ihren Erfahrungen mit dem nicht unumstrittenen Modell.

Nebe und Klöppner

Das Gespann bildete sich eher zufällig. Angestrebt hatte keiner von beiden diese Lösung. Trotzdem funktionierte es bestens. „Klöppi und ich waren nicht immer einer Meinung, wir sind sehr verschieden. Aber das passte gut zusammen“, sagt Nebe, „Streit gab es nie. Immer konnten wir uns einigen.“ Die Risiken dieser Konstellation unterschätzt Nebe nicht. „Bei uns war das leicht. Schwer wird es, wenn beide eine unterschiedliche Spielauffassung vertreten oder sich selbst zu wichtig nehmen“, sagt er.

Eine feste Rollenverteilung gab es nicht: „Gewisse Rituale haben sich aber eingespielt. Ich war eher für das Taktische und Spielerische zuständig, Klöppi für Ansprachen, Motivation und emotionale Belange.“ Auch mit seinem heutigen Assistenten Cihan Timocin arbeitet Nebe, wieder nach dem herkömmlichen Modell von Trainer und Co-Trainer, eng zusammen: „Ich schätze seine Meinung sehr und diskutiere alles mit ihm aus.“

Andezion und Kunze

Seit Saisonbeginn 2016/17 amtieren Afewerki „Forki“ Andezion und Thomas Kunze bei Kreisoberligist VfL Kassel. „Das hat sich so ergeben, auch weil wir uns schon lange gut kannten“, berichtet Kunze. Die Rollen sind klar verteilt. „Forki ist der Typ Schleifer, ich bin für die Taktik zuständig“, betont er leicht amüsiert. Einig wurden sich beide immer. „Irgendwann hat einer eben die besseren Argumente“, erklärt Kunze. Ob die Orientierung für die Spieler bei einem Gespann schwieriger ist? „Wir haben einmal im Spiel unterschiedliche Sachen reingerufen und die Jungs verwirrt. Sonst klappt das, auch weil sie sich jeweils eher an einem von uns orientieren.“

Nach einer unbewiesenen Binsenweisheit im Fußball ist ein Trainer bei einem Verein nach drei Jahren verbraucht. Sind es bei einem Duo sechs? „Nein, Stress und Anforderungen sind genauso hoch. Zumal wir beide ständig miteinander kommunizieren. Wir gehen immer volle Pulle.“ Die Gespann-Lösung muss für Kunze nicht unbedingt sein: „Hier und jetzt ist sie die beste. Woanders kann das wieder ganz anders sein.“

Gerland und Rothauge

Schon seit neun Jahren arbeiten Eike Rothauge und Manuel Gerland im Gespann. Bis vor Kurzem bei der TSG Wilhelmshöhe, nun ebenfalls in der KOL beim TSV Oberzwehren. „Wir denken in die gleiche Richtung und treffen alle Entscheidungen einvernehmlich“, sagt Gerland. Anders als die vier Kollegen, die sich mehrere Modelle vorstellen können, sehen sie die Duo-Lösung grundsätzlich als optimale: „Es wäre zwar auch interessant, das mal allein zu machen. Aber uns gibt es nur im Gespann. Wir geben auch nur zusammen ein echtes, komplettes Bild ab.“ Zumal die Aufgabenverteilung bestens funktioniere: „Dabei sind wir ganz unterschiedliche Typen, wie der gute und der böse Bulle.“ Ob er verrät, wer welche Rolle spielt? „Na gut, Eike ist der Böse.“ Fotos: nh

Von Wolfgang Bauscher

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