Staufenberger Teams erfolgreich

Niedersachsen mischen die Kasseler Fußball-Kreisliga A auf

Grenzgänger: Die Trainer Michael Kosch von der SG Escherode/Uschlag (links) und Andreas Kühne (SG Landwehrhagen/Benterode) auf der Brücke in Uschlag, die Niedersachsen von Hessen trennt.
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Grenzgänger: Die Trainer Michael Kosch von der SG Escherode/Uschlag (links) und Andreas Kühne (SG Landwehrhagen/Benterode) auf der Brücke in Uschlag, die Niedersachsen von Hessen trennt.

„Erbarmen, zu spät, die Hesse komme ...“, heißt es in einem Lied der hessischen Band Rodgau Monotones. In der Kasseler Fußball-Kreisliga A 1 verbreiten eher die Niedersachsen Angst und Schrecken. Genauer gesagt, zwei Teams aus Staufenberg, nur wenige Kilometer hinter der hessischen Landesgrenze beheimatet. Was ist denn da los?

Die SG Escherode/Uschlag führt die Tabelle an, Zweiter ist die SG Landwehrhagen/Benterode. Dahinter folgt mit Eintracht Baunatal II das erste hessische Team. Der Witz dabei: Der Herbstmeister kassierte seine einzige Niederlage ausgerechnet gegen den Nachbarn. Dieser verlor zwei Partien. Und das auf eigenem Platz gegen den GSV und den Vierten FSC Lohfelden.

Staufenberg mit zehn Ortsteilen ist die südlichste Gemeinde Niedersachsens. Das Land erstreckt sich bis zur Nordsee. Der Weg nach Kassel dauert nur wenige Minuten. Dachten sich auch die Verantwortlichen der Spielgemeinschaften. Sie beantragten vor vier Jahren, nach Hessen wechseln zu dürfen, und wurden erhört. Worüber sie froh und dankbar sind.

Dass die Hessen die gute Tat bereuen könnten, weil die Niedersachsen vornweg marschieren, glaubt Andreas Kühne nicht. „Dafür spielen wir nicht hoch genug“, sagt der Trainer von Landwehrhagen/Benterode und witzelt: „Aber das könnte ja noch kommen.“ Sein Kollege Michael Kosch von Escherode/Uschlag bekundet, „dass unsere Klubs und Spieler wesentlich mehr sportliche, persönliche und berufliche Bezüge zu Kassel haben als nach Hann. Münden oder Göttingen“. Und, laut Kühne (51) ebenso wichtig, „wir haben die weiten Wege nicht mehr. Früher sind wir zum Spielen bis Duderstadt gefahren, jetzt dauert die längste Anreise 20 Minuten“.

Viele der Akteure haben immer im Heimatverein gespielt oder sind zumindest schon lange dort. Doch damit allein ist der Höhenflug nicht zu erklären. Zumal der Blick auf die Torschützenliste Erstaunliches offenbart. Denn unter den ersten zehn der Liga taucht kein Spieler der Topteams auf. „Bei uns hat das auch mit langwierigen Verletzungen zu tun. So wie bei Ricardo Morales, der normalerweise pro Saison für 30 Tore gut ist. Ähnliches gilt für Christopher Schulz“, sagt Kosch. Weil der Kader nach Ansicht des 41-Jährigen „breit aufgestellt, flexibel und vielseitig“ ist, gab es viele verschiedene Schützen. Patrick Gossmann (5) traf am häufigsten. Bei Landwehrhagen/Benterode brachten es Jan Gude und Tim Herrmann auf je sieben Tore. „Wir haben halt keinen Torjäger. Mal schauen, ob wir in der Winterpause noch einen finden. Aber wenn die anderen treffen, ist es auch recht“, betont Kühne, der das Team seit sieben Jahren trainiert.

Besagter Jan Gude war es auch, der am 5. September den Treffer zum 1:0-Sieg von Landwehrhagen/Benterode gegen Escherode/Uschlag erzielte. „Klar, das war bitter, aber es gab dafür ja auch nur drei Punkte“, sagt Kosch, „jetzt freuen wir uns aufs Rückspiel.“ Das am 22. Mai über Meisterschaft und Aufstieg entscheiden könnte.

Aber wer hat die besseren Karten im Rennen um das einzige Ticket nach oben? „Wir, weil wir die bessere Mannschaft sind. Und ich weiß nicht, ob Escherode/Uschlag weiterhin Spiele in den letzten Minuten für sich entscheiden kann, wie es oft der Fall war“, sagt Kühne. Und fügt an: „Die tollen Leistungen des Gegners will ich damit nicht schmälern.“ Kosch drückt sich zurückhaltender aus: „Der, der oben steht, steigt auf. Ich hoffe, wir. Wenn nicht, geht die Welt nicht unter.“ Der Trainer weiß um die späten Tore. „Glück kam bei uns immer mal dazu. Aber wir hatten oft auch den längeren Atem“, sagt der Trainer. Die Kreisoberliga wäre Neuland für beide. Auch früher in Niedersachsen traten sie nie auf so hohem Niveau an. Gelingt einem der Nachbarn der Coup, könnte es in der kommenden Saison in der Kreisoberliga heißen: „Erbarmen, zu spät, die Niedersachse komme.“ (Wolfgang Bauscher)

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