Vor Ort bei Triathlet Martin Huhndorf in Homberg

Nordhessens Sportler des Jahres ist auch ein Ironman

Besondere Andenken: In der Küche hängt ein selbstgestaltetes Hawaii-Bild. Dazu zeigt Martin Huhndorf die Medaille, eine Kette und den Pokal – eine hawaiianische Wasserschüssel.

Mardorf. Er blickt auf ein ganz besonderes Jahr 2015 zurück: Erst wurde der Triathlet beim Ironman auf Hawaii 36. im Gesamtklassement und Dritter in seiner Altersklasse.

Dann kürten die Leser unserer Zeitung Martin Huhndorf vom SC Neukirchen zu „Nordhessens Sportler des Jahres“. Zu Besuch beim 38-Jährigen, der mit Freundin Anna im Homberger Stadtteil Mardorf im Schwalm-Eder-Kreis lebt.

Direkt vor der Haustür beginnt eine Laufstrecke. Das Pensum an diesem Nachmittag: 21 Kilometer Dauerlauf bei mittlerer Intensität mit eingestreuten Steigerungsläufen. 1:36 Stunden benötigt er dafür - später nachzulesen im Online-Trainingstagebuch, in dem er akribisch jede Einheit vermerkt.

Erst mal aber führt Huhndorfs Weg in die Garage: Raus aus den schmutzigen Schuhen, damit Flur und Wohnzimmer sauber bleiben. Im Keller hat er sich einen kleinen Trainingsraum eingerichtet mit Hantelbank und Spinning-Rad, auch Rennrad und Triathlon-Rad stehen hier. An den Wänden hängen Erfolgsmomente - unter anderem der Zieleinlauf des Ironmans auf Mallorca, bei dem er die Qualifikation für den Ironman auf Hawaii schaffte. „Aber hier bin ich eher selten“, erklärt er. „Ich bin lieber draußen.“

Einen Tag ohne Sport, den gibt’s bei Huhndorf nicht. Wer in knapp neun Stunden 3,8 km schwimmt, 180 km Rad fährt und am Ende noch einen Marathon läuft, der braucht viel Disziplin. Neben Training in den Triathlon-Sportarten stehen Kraft- und Athletik-Einheiten auf dem Programm. 15 Stunden pro Woche trainiert Huhndorf mindestens, bis zu 30 vor Wettkämpfen. Dazu arbeitet er als Ingenieur für Qualitätsanalyse im Baunataler VW-Werk - in Vollzeit. Warum er sich dieses Pensum antut? Er liebt das Spiel mit den eigenen Grenzen. „Mich motiviert, sie immer weiter zu verschieben.“

Mal trainiert er allein, mal mit den Teamkollegen des SC Neukirchen, mit denen er in der Regionalliga Nord startet. „Das ist durch nichts zu ersetzen“, sagt er. „Triathlon ist eine vermeintliche Einzelsportart, aber im Verein sind wir eine Gemeinschaft.“ Auch Marc Unger zählt dazu. „Mit ihm kann ich intensive und wertvolle Einheiten absolvieren.“ Den Trainingsplan schreibt Coach Gerhard Marx. „Er schnürt mir ein Rundum-sorglos-Paket“, erklärt der Triathlet. „Bei diesen hohen Umfängen ist das Wichtigste, verletzungsfrei zu bleiben.“ In seiner Anfangszeit stoppte ihn mal eine Knochenhaut-Entzündung, weil er sein Pensum zu schnell gesteigert hatte. „Sonst aber bin ich gut durchgekommen.“ Anfang Juli steht der nächste Höhepunkt an: der Ironman in Frankfurt, eingebettet darin die Europa- und die Deutsche Meisterschaft. „Ich würde gern meine Altersklasse gewinnen.“

Am Kühlschrank hängt die Liste des Ziel-Einlaufs auf Hawaii. „Zur Motivation“, sagt Huhndorf und grinst. Im Wohnzimmer steht sein Pokal - eine hawaiianische Wasserschale mit einer Kette und seiner Medaille. „Es war das Rennen meines Lebens.“ Zum dritten Mal war er dabei. „Ich bin diesmal mit offenen Augen unterwegs gewesen. Ich habe viel wahrgenommen. Das war ein Schlüssel zum Erfolg.“ Die Folge: „Mir war nicht unmittelbar danach sofort bewusst, dass ich noch ein Langdistanz-Jahr dranhängen will.“ Doch er will. Und hat sich Jahresurlaub aufgehoben - falls die Qualifikation für Hawaii 2016 gelingt.

Seit neun Jahren an seiner Seite: Freundin Anna. Sie hat ihn als Triathleten kennengelernt, die Liebe begann erst nach Huhndorfs ersten Triathlon-Rennen 2003. „Sie ist mein Gegenpol“, sagt er. „Ich trage seine Sportbegeisterung mit“, sagt sie. Auch für das „Projekt Hawaii“, wie Huhndorf es nennt, entschieden sie sich gemeinsam. „Das ist eine Lebenseinstellung. Sonst gäbe es zu viele Konflikte.“

Ausrüstung in Zahlen: Räder, Shirts und Badekappen

Ein Triathlet braucht Ausrüstung für gleich drei Disziplinen: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Wir blicken auf das, was Martin Huhndorf nutzt.

1Triathlon-Rad (Neuwert 5000 Euro) steht in seiner Garage. Der 38-Jährige nutzt es in den Wettbewerben. Im Winter trainiert er mit seinem Mountainbike, im Sommer mit einem Rennrad, das er auch bei Liga-Wettkämpfen nutzt.

2 Badehosen fürs Training im Hallenbad.

3 Schwimmbrillen schützen die Augen im Wasser.

4 Anzüge stehen zur Wahl fürs Schwimmen: ein Neopren-Anzug, der in der Anschaffung 500 Euro kostet, sowie drei Einteiler im Neuwert von je 150 Euro.

4 Laufjacken schützen ihn bei ungemütlicher Witterung wie Kälte oder Regen.

6 Paar Laufschuhe stehen für Training und Wettbewerb zur Auswahl.

14 Laufhosen nennt Huhndorf sein Eigen: drei lange, drei mittellange und acht kurze.

20 Badekappen zählen zum Fundus. „Die gibt’s geschenkt bei vielen Wettkämpfen“, erklärt Martin Huhndorf.

25 Laufshirts in unterschiedlichen Längen stehen ihm für verschiedene Witterungsverhältnisse zur Verfügung.

Hintergrund: Hawaii: 5000 Euro kostete der Trip

5000 Euro kostete der Trip nach Hawaii - 4000 davon für die Teilnahme am Ironman, der Rest für den anschließenden Urlaub. Finanziert hat er die Wettkampfkosten aus eigener Tasche. „Sollte mir die Qualifikation noch mal gelingen, wäre Unterstützung sehr hilfreich“, sagt Huhndorf.

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