Nordhessische Meisterschaften im griechisch-römischen Ringen

Ließ den Gegnern keine Chance: Simon Greßler vom RSV Elgershausen (9 Jahre, in Blau) trat in der Gewichtsklasse unter 36 Kilogramm an. Nach drei Schultersiegen belegte er den ersten Platz. Das Bild zeigt ihn gegen Andreas Neiwert (Metternich-Rübenach). Fotos: Malmus

Schauenburg. Er hat eine Kämpferfrisur und große Ziele: „Irgendwann will ich zu Olympia fahren, das ist das Größte.“

Simon Greßler wartet auf seinen ersten Ringkampf bei den Offenen Nordhessischen Meisterschaften im griechisch-römischen Stil. Sein Verein, der RSV Elgershausen, ist Ausrichter. Wir haben ihn und einen weiteren Schauenburger Nachwuchsringer begleitet:

10.20 Uhr

Nach dem Einlauf der Mannschaften beginnen die ersten Kämpfe. Der 17-jährige Onurcan Ulusoy hat in seiner Klasse unter 96 Kilo nur einen Konkurrenten, er soll ganz am Ende kämpfen. Solange hilft er als Punktrichter aus. „Das mache ich sonst nie, bin ja immer auf der Matte. Wir sind heute Gastgeber, da helfe ich aber gern“, sagt Onurcan. Nach dem Wiegen gibt es für Simon Greßler eine Stärkung – Schnitzelbrötchen. „Vorher sollte man nicht so viel essen“, verrät er die Geheimtipps. Der Neunjährige tritt in der Gewichtsklasse von 34 bis 36 Kilo an.

10.55 Uhr

Für Simon steht der erste Kampf an. Sein Gegner geht in Führung, Simon wird wütend. Trotzdem gewinnt der Schauenburger noch in der ersten Runde per Schultersieg, der Gegner verletzt sich. „Man hat oft Schmerzen und kann Ringen nicht empfehlen“, sagt er. Muskelschmerzen lässt er nur von seiner Oma massieren.

11.30 Uhr

Bei einer Portion Pommes findet Onurcan Ulusoy einen Moment, sich zu unterhalten. Er fastet eigentlich zurzeit, es ist Ramadan. „Bei Wettkämpfen geht das aber nicht“, erklärt er. Eine Woche Fasten hat ihn fünf Kilo Gewicht gekostet. Der Reiz des Ringens? „Die Gegner ohne Tritte und Schläge zu bezwingen, das hat schon Stil“, findet er. Seit sechs Jahren ringt er, wie schon sein Großvater. Im April wurde er Vierter bei den Deutschen Meisterschaften, das war sein größter Erfolg bisher. 12 Uhr

Simon Greßler geht schnell 12:0 in Führung und gewinnt wieder per Schultersieg. Bevor es den nächsten Snack gibt, „Pommes mit Mayo“, wird spontan der Nackengriff demonstriert: „Das kann man einfach nicht erklären.“

Onurcans Kampf wird vorgezogen, er weiß nicht warum. „Ich wurde überrascht, konnte mich nicht aufwärmen“, sagt er zwischen Wut und Frust nach der Niederlage. Nach einigen Minuten wächst die Erkenntnis, dass der Gegner heute zu stark war, auch die Kraft hat gefehlt. Schlecht gekämpft hat Onurcan nicht, meinen auch die Trainer. Um den Tag sinnvoll zu beenden, will er noch ein paar Freundschaftskämpfe machen. „Auch Niederlagen bringen Erfahrung“, verrät er und verabschiedet sich.

13 Uhr

Vor Simons letztem Kampf wirkt Vater Marco Greßler am Mattenrand angespannt: „Manchmal träumt er.“ Heute aber nicht, sein Sohn holt problemlos den dritten Schultersieg und wird Erster.

Von Gregory Dauber

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