Ohne geht es nicht 

Fußballer und Handballer wollen Schiris gewinnen und halten

Kassel. Jahr für Jahr sorgen die Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls und damit verbundene Strafen für die Vereine für Diskussionen. 

Dabei fällt es Fuß- und Handballern nicht nur schwer, Anwärter zu finden, die sich ausbilden lassen. Ebenso schwierig ist es, diese nach bestandener Prüfung und den ersten Einsätzen bei der Stange zu halten. Ein Situationsbericht.

Die Ursachen dafür, dass die Zahl aktiver Schiedsrichter abnimmt, sind vielfältig. Ein Grund ist der oft respektlose Umgang von Spielern, Eltern und Zuschauern mit den häufig noch sehr jungen Unparteiischen. „Die eklatanten Vorfälle auf den Plätzen sind für viele Schiedsrichter schwer zu ertragen. Zudem ändert sich das Freizeitverhalten. Es gibt ja auch immer weniger Mannschaften, gerade bei der Jugend“, sagt Willi Reinemann, der Fußball-Regionalbeauftragte für Ansetzungswesen. Ähnliches gilt im Handball.

„Vom letzten Schiedsrichter-Anwärterlehrgang, den vor einem Jahr 16 Kandidaten abschlossen, haben acht schon wieder aufgehört“, berichtet Peter Sauerwald, derzeit kommissarischer Schiedsrichterwart des Hessischen Handballverbandes. Im Fußballkreis sind nur noch 40 Prozent der in den letzten drei Jahren Ausgebildeten an der Pfeife.

So könnte es passieren, dass in den Handball-Landesligen und den Fußball-Gruppenligen künftig keine Gespanne mehr eingesetzt werden können. Oder Fußballspiele der B-Klasse ausfallen, weil kein Unparteiischer dafür zu finden war. So wie es jetzt bereits im Schwalm-Eder-Kreis passiert.

„Wir müssen gegensteuern und die Leute länger an uns binden. Das geht aber nur, wenn sie im Gespann arbeiten“, sagt Reinemann. Dann bilden sich Beziehungen und Freundschaften. Ansonsten fühlt sich der Schiedsrichter als Einzelkämpfer.

Wirken sollen außerdem zwei Maßnahmen. „Wir praktizieren bereits das Patenmodell. Ältere Schiedsrichter sind dabei, wenn jüngere pfeifen, beraten diese, geben Tipps und nehmen sie wenn nötig auch mal an die Hand“, erläutert Reinemann. Noch in der Diskussion sei der Tandemschiedsrichter. „Hierbei stünden zwei im gesamten Spiel gemeinsam auf dem Platz. Ein Erfahrener pfeift die erste Halbzeit, ein Neuer die zweite.“

Auch die Handballer ließen sich etwas einfallen. „Junge Schiedsrichter werden von einem Betreuer begleitet. Dieser kann zwar nicht ins Spielgeschehen eingreifen, aber drumherum für Ruhe sorgen und in heiklen Situationen die Gemüter beschwichtigen. Das funktioniert“, sagt Sauerwald.

Anfänger, die sich bewährt haben, werden gezielt gecoacht. Ein anderer Weg ist die schulische Nachwuchsgewinnung. „Wir haben in der Gesamtschule Fuldatal eine Handball-Schiedsrichterschein-AG veranstaltet. Immerhin zwei der Teilnehmer begannen danach mit der Ausbildung“, betont Sauerwald.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.