Tischtennis zwischen Estland, Leipzig und Niestetal

SC Niestetal: Tischtennis-Meisterin Airi Avameri aus Estland muss viel pendeln

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Den Ball im Blick: Airi Avameri spielt für den SC Niestetal in der 3. Bundesliga und lebt im Tischtennis-Leistungszentrum in der Nähe von Leipzig. 

Kassel. Die 19-jährige Airi Avameri verstärkt das Damenteam des SC Niestetal in der 3. Tischtennis-Bundesliga. Obwohl sie fast immer gewinnt, ist ihr nicht langweilig. 

Sie hat sich ein enormes Pensum auferlegt. Um es zu meistern, muss man wohl klar strukturiert und innerlich gefestigt sein. Und das ist Airi Avameri. Anders ließe sich ihr Leben zwischen mehreren Polen auch kaum bewältigen.

Nicht nur, dass sie sich schon in jungen Jahren weit ab der Heimat behaupten muss. Schließlich lebt sie seit Sommer 2017 nahe Leipzig in einem Tischtennis-Leistungszentrum. Außerdem absolviert sie ein Fernstudium im Fach Jura. Als ob das alles noch nicht reichen würde, spielt sie auch Tischtennis für den Drittligisten SC Niestetal. „Ohne meinen Trolley“, sagt sie, „geht gar nichts.“

In normalen Wochen trainiert und lebt Avameri in der Tischtennis-Akademie von Alberto Ammann in Eilenburg. Mit zwei Weißrussinnen teilt sie sich eine Wohnung. Sie trainiert fünf bis sechs Stunden am Tag, dienstags und freitags zudem Fitness. Stehen Spiele mit dem SC Niestetal an, reist Avameri am Freitagabend per Bus oder Bahn nach Kassel. Viereinhalb Stunden hin, am Sonntag viereinhalb Stunden zurück. Untergebracht ist sie hier im Hotel.

Zeit für Heimatbesuche bleibt kaum. Was sie vermisst? „Vor allem meine Mutter und meine Katze Hades.“

Gedanken an eine Heimkehr kamen ihr noch nicht. „So weit könnte es höchstens in Wochen kommen, in denen ich schlecht spiele und mental schlecht drauf bin“, sagt sie. Aber sportlich läuft es ja gut. Avameri nimmt die Unannehmlichkeiten auf sich, weil sie im Lauatennis, wie Tischtennis in Estland genannt wird, weiterkommen will. Weiter als es ihr in Estland möglich wäre.

„Ein bisschen Stress sollte man schon haben.“

Große Erfolge hat sie vorzuweisen, aber dabei soll es nicht bleiben. Dreimal wurde sie baltische Meisterin, in der U 18 nordeuropäische Meisterin. Bei der U21-EM 2016 wurde Avameri im Doppel Fünfte.

Als langweilig empfindet sie die Saison mit Niestetal nicht, obwohl sie fast immer klar gewann. 21 Einzel entschied sie für sich, dreimal unterlag sie.  „Manchmal denke ich aber, das ist nicht meine Liga. Ein bisschen Stress sollte man schon haben.“

Stress erlebte sie bisher allerdings nur in den Partien gegen Spitzenreiter Staffel. Sowohl im Hinspiel als auch im Rückspiel unterlag sie Wenling Tan-Monfardini, dazu nun auch Gaia Monfardini (siehe Bericht rechts).

Soweit so gut also, aber warum dazu auch noch ein aufwändiges Studium wie das der Juristerei? „Das kam durch meine Mutter. Sie ist Polizistin und Gerechtigkeitsfanatikerin und hat mich angesteckt“, sagt Avameri. Als zu trocken empfindet sie die Materie nicht: „Wenn man sich dafür echt interessiert, ist es nicht langweilig.“

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