Partner mit Improvisationstalent

Schiedsrichter Steffen Rabe im Porträt

Emotionen rausnehmen: Schiedsrichter Steffen Rabe (Burgwald) erklärt während der Partie einem Spieler von Eintracht Edertal eine Entscheidung. Foto: zmp

Frankenberg. Er gehört zu den besten Fußball-Schiedsrichtern in Hessen: Steffen Rabe. Seit 1999 ist er als Unparteiischer unterwegs - Ende März sorgte er in Kassel für Aufsehen, als er der Umkleidekabine des G-Platzes an der Damaschkestraße einen schon länger fehlenden Duschvorhang spendierte. „Dass das so große Wellen schlägt, hätte ich nicht gedacht“, so der Unparteiische.

Wir treffen Steffen Rabe bei einem Kreisoberligaspiel. Ense/Nordenbeck gegen die Eintracht Edertal, es geht am letzten Spieltag um den Aufstiegsrelegationsrang. Die gute Nachricht: In der Kabine ist alles in Ordnung. Es ist warm, die Dusche intakt. „Wir erwarten ja keine Wunderdinge, aber gewisse Grundzüge sollten vorhanden sein“, sagt der Schiedsrichter. Und er fügt hinzu: „Gute Vereine erkennt man daran, dass der Umgang mit den Schiedsrichtern gut organisiert ist. Klappt das, funktioniert es in allen Bereichen. Weil an uns denken viele ja zuletzt.“

Auch in Ense stellt der 34-Jährige schnell sein Improvisationstalent unter Beweis, als Gästetrainer Frank Vester 30 Minuten vor Spielbeginn in die Kabine kommt. „Herr Schiedsrichter, können wir ein paar Minuten später anfangen? Bei uns arbeiten Spieler bei der Post und die sind noch auf der Straße.“ Klingt wie eine einfache Bitte, ist es aber nicht. Denn am letzten Spieltag müssen alle Partien eigentlich zeitgleich beginnen. Doch der Schiedsrichter hat schnell eine Lösung parat: „Wenn der Heimverein ein paar Minuten länger braucht, um den Platz nach dem Reservespiel neu abzustreuen, dann kann ich es nicht verhindern.“

Das entspricht genau dem Selbstverständnis, das Rabe als Schiedsrichter hat. Nicht von oben herab gegen die Vereine agieren, sondern Partner des Spiels sein. „Es gibt Situationen, wo man als Schiedsrichter die Theorie einhalten muss, es aber praktisch umsetzt. Wenn die Klubs sich einigen bin ich doch der Letzte, der sich da quer stellt.“

Diese Haltung stellt Rabe auch im Spiel unter Beweis. Er lässt viel laufen, redet mit den Spielern, erklärt in Ruhe Entscheidungen. Da kann es auch vorkommen, dass er sich mit einem Spieler nach einer strittigen Abseitsentscheidung abklascht. „Es ist wichtig, immer die Emotionen heraus zu nehmen“, erklärt Rabe. „Dann merken Viele: Der ist nicht böse unterwegs.“

Ein Erfolgsrezept, dass er sich auch von seinen Förderern wie dem ehemaligen Regionalligaschiedsrichter Wolfgang Pfuhl abgeschaut hat. „Der autoritäre Schiedsrichtertyp hat ausgedient. Heute muss ich erkennen, wie mein Gegenüber reagiert und individuell darauf eingehen.“

Mittlerweile gibt Rabe sein Wissen an die nächste Generation weiter, ist Lehrwart im Kreis Frankenberg und im Lehrstab des Hessischen Verbandes. „Ich habe viel von Anderen profitiert. Jetzt will ich was zurückgeben. Es macht Spaß, wenn junge Leute mit Eifer bei der Sache sind.“

Zur Person

Steffen Rabe (34) ist Fußball-Schiedsrichter und wohnt in Burgwald (Landkreis Waldeck-Frankenberg). Der Bankkaufmann ist seit 1999 Schiedsrichter und leitete Spiele bis in die Regionalliga. Er arbeitet bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf in Gladenbach, ist verheiratet und erwartet mit seiner Frau Martina im September das erste Kind.

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