Der Platz war ihre Heimat

Kasseler Sportplätze: An der Mattenbergstraße feierte Oberzwehren große Erfolge

Auf dem Sportplatz Mattenbergstraße sind derzeit nur Freizeitteams aktiv. Im Hintergrund ist die Sporthalle zu sehen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Bevor der Sportplatz Mattenberg von den Oberzwehrener Fußballern genutzt werden konnte, kickten sie an der Kronenackerstraße. Dort war später kurz Union Mattenberg zu Hause.

Das macht die Anlage aus: Der heutige sogenannte B-Platz an der Mattenbergstraße zeichnet sich, wie auch der ehemalige A-Platz vor allem wegen der besonderen Atmosphäre aus, die ein Sportplatz ohne Laufbahn immer ausstrahlt. „Bei den großen Spielen der Vereinsgeschichte waren oft genug 1000 Zuschauer anzutreffen“, schwärmt der damalige Torjäger Herbert Minkel.

Dies bleibt in Erinnerung: Vor allem sind es die Spiele in den erfolgreichsten Zeiten des TSV Oberzwehren, wie die Partien der Meistermannschaften aus den Jahren 1956 und 1957. „Der Sportplatz war vor allem beim Spiel gegen den SV Weimar (Ahnatal), das der TSV 1956 mit 2:0 gewann, proppenvoll“, erinnert sich Minkel. In der folgenden Spielzeit glückte nach einem 3:2- Erfolg nach Verlängerung im entscheidenden Spiel gegen Immenhausen abermals der Aufstieg. Damals siegte und feierte das Team jedoch auf neutralem Platz auf der Hessenkampfbahn. Minkel war in den beiden Jahren auch der erfolgreichste Torjäger. Zunächst gelangen ihm 33 Tore, ein Jahr später in der höheren Spielklasse waren es 32 Treffer. Erfolgreich etablierte sich kurzzeitig ein Ableger des TSV, der 1. FC Oberzwehren. Er stieg in die A-Klasse, die Bezirksklasse und 2005 in die Bezirksoberliga auf. Damit spielte der FCO ab der Saison 2005/06 in der Bezirksoberliga (Gruppe 1) und damit kurze Zeit sogar zwei Ligen höher als der Stammverein TSV. Das Gastspiel dauerte allerdings nur drei Jahre, womit dann auch Schluss war (siehe Anekdote unten).

Sie hinterließen Spuren: Unvergessen sind die Spieler der damaligen Meistermannschaft wie Gerhard Umbach, Alfred Conrad, Herbert Minkel, Peter Scholz, Willi Specht, Horst Meibert, Karl Hoffesommer, Hans Umbach, Werner Stickrodt, Hans Münnstedt, Hans-Werner Schüller und Helmut Burba mit ihrem legendären Trainer Hans Kistner. Burba machte sich nicht nur beim TSV auch als Trainer einen Namen. Später folgten beim TSV noch weitere Trainergrößen wie Horst Casselmann, Hans Alt, Edgar Umbach oder Joschi Burjan.

Diese Vereine sind oder waren hier zu Hause: Bevor die Sportanlage Heisebach übergeben wurde, war ausschließlich der TSV Oberzwehren hier heimisch. Nach der Abspaltung vom TSV war der Sportplatz Mattenberg bis zur Auflösung des Klubs im Jahre 2008 die Heimspielstätte des 1. FC Oberzwehren. Alle Sportplätze unserer Serie finden Sie im Internet unter http://zu.hna.de/spplatz

Die Anekdote

Das Jahr 1979 sollte ein dunkles Kapitel in der Vereinsgeschichte des TSV Oberzwehren werden: Unter Führung von Alfred Weckwerth wendeten sich einige Mitglieder vom Traditionsklub ab und gründeten den 1. FC Oberzwehren. Mit diesem ging es zunächst stetig bergauf. 1990/91 folgte ein Tief: Der TSV und der 1. FC spielten in der Bezirksliga, am Ende stieg der TSV auf und der FC ab. Es sollte aber nicht lange dauern, bis die Mannschaft von der Mattenbergstraße zurück war. 2005 dann der Höhepunkt der noch jungen Vereinsgeschichte: Als Zweiter hinter dem 1. FC Schwalmstadt II stieg das Team in die Bezirksoberliga auf und der TSV zur zusätzlichen Freude des FCO in die Kreisliga A ab. Drei Jahre hielt sich die Mannschaft oben, doch 2008 war Schluss mit dem Klub. Die Mannschaft holte nur 21 Punkte und schaffte sportlich als Letzter den Klassenerhalt in der Gruppe 1 nicht. Zum Misserfolg kamen wirtschaftliche Probleme. Der damalige erste Vorsitzende Mieczyslaw Pilniok sagte im Juni 2008 zur Situation: „Wir haben vieles versucht. Mit Sponsoren gesprochen, mit dem Sportamt und der Stadt Kassel geredet, aber unsere wirtschaftliche Lage ist aussichtslos.“

Nur kurze Zeit später wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Verein 1. FC Oberzwehren war am Ende und verschwand so rasch, wie er gekommen war. (sdx)

Von Horst Schmidt

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