Sparkassencup als Vorbereitung auf Afrika-Meisterschaft

Interview mit  Ägyptens Nationalcoach Ragab: "Ich setze auf die Jugend"

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Klare Ziele mit jungen Spielerin: Marwan Ragab, Trainer der ägyptischen Nationalmannschaft, die beim Sparkassencup zu Gast war.

Gensungen. Freundlich sind sie, die Ägypter, die bis gestern mit ihrer Nationalmannschaft beim Sparkassencup in Gensungen auf Torejagd gingen. Auch auskunftsfreudig, allerdings in verschiedenen Sprachen. So entstand ein Interview mit kleineren Hindernissen.

Die Fragen an Nationaltrainer Marwan Ragab beantwortete er schriftlich - und zwar auf Arabisch, was den Interviewer vor ein kniffliges Problem stellte. Hilfe gab’s vom Mannschaftsarzt Dr. Sameh Salem, der einst zehn Jahre in Deutschland lebte und nun als Übersetzer fungierte.

Dabei offenbarte er, dass sein Chef fest entschlossen ist, mit stark verjüngter Mannschaft die Ägypter wieder an die Spitze Afrikas zu führen.

Herr Ragab, wie oft sind Sie beim Sparkassencup schon auf die 16:23-Niederlage im Achtelfinale der vergangenen WM gegen Deutschland angesprochen worden? 

Marwan Ragab: Sehr oft. Und die Niederlage ärgert mich immer noch, denn eigentlich waren die Mannschaften gar nicht so weit auseinander. Der Hauptunterschied war der deutsche Torwart Carsten Lichtlein.

Die Mannschaft hatte zuvor Algerien und Tschechien geschlagen sowie Schweden einen Punkt abgeknüpft, wurde aber am Ende nur 14. Wie kam es zu diesem Einbruch? 

Ragab: Von einem Einbruch würde ich nicht sprechen. Das Erreichen des Achtelfinales war ein großer Erfolg für diese junge Mannschaft, die nur danach im Platzierungsspiel einmal nicht so gut spielte.

Seit dem vierten Platz 2001 läuft’s bei Weltmeisterschaften nicht mehr so rund. Woran liegt’s? 

Ragab: Ich kann das schlecht beurteilen, denn ich bin erst seit 2013 am Ruder. Ich setze nach einem Umbruch auf eine neue, junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von derzeit 24 Jahren. Mein Ziel ist es, diese Talente an das internationale Niveau heranzuführen.

Hat sich womöglich die ägyptische Handball-Philosophie abgenutzt, also die körperbetonte 3:2:1-Deckung? 

Ragab: Ich glaube nicht. Das spielen wir seit Langem, und es klappt mit der aktuellen Mannschaft immer besser. Und die Spieler sind auch in der Lage, das 60 Minuten durchzuhalten.

Wieviel europäischer Handball steckt in Ihrer Trainingsarbeit? 

Ragab: Da ist einiges eingeflossen, besonders was die Trainingssteuerung betrifft. Tugenden wie Wille, Ehrgeiz, gepaart mit der notwendigen Athletik, die haben wir uns zu eigen gemacht. Trotzdem lässt sich nicht das ganze System umkrempeln. Aufgrund der körperlichen Voraussetzungen ist eine 6:0- oder 5:1-Deckung gut für Europäer, nicht aber für uns.

Wie sehr beeinträchtigen die politischen Unruhen Ihres Landes die Entwicklung des Handballs in Ägypten? 

Ragab: Das waren unruhige Zeiten, die auch an uns nicht spurlos vorbei gegangen sind. Es gab weniger finanzielle Unterstützung für den gesamten Sport. Die Handball-Föderation hat versucht, das so weit wie möglich aufzufangen. Selbst wenn es einige Zeit kein Geld gab, war die Begeisterung für den Handball stets groß. Und mit dem neuen Präsidenten hat sich die Situation für uns wieder verbessert.

Sie setzen auf die Jugend. Die Erfolge sind da: Goldmedaille bei den Jugendspielen 2010 und die Silbermedaille 2014 in Nanjing. Wann startet diese Generation im Seniorenbereich durch? 

Ragab: Ich bin zuversichtlich. Man muss auf die jungen Spieler setzen, den Mut haben, sie zu bringen, dann werden sie sich auch durchsetzen. Dass in der Vergangenheit viele Talente den Sprung nicht schafften, lag auch am fehlenden Vertrauen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass wir uns wie beim Sparkassencup stets mit starken Mannschaften messen, um uns die nötige mentale Stärke zu holen.

Besonders im Hinblick auf die Afrika-Meisterschaft 2016 in Kairo, oder? 

Ragab: Klar, denn dort wollen wir wieder die Nummer eins des Kontinents werden.

Zur Person

Marwan Ragab (41 Jahre), geboren in Kairo, spielte von 2001 bis 2004 in der ägyptischen Handball-Nationalmannschaft und war als Kreisläufer und Abwehrchef maßgeblich am größten Erfolg der Afrikaner, dem 4. Platz bei der WM 2001 in Frankreich, beteiligt. Seit 2013 ist der Hochschullehrer Nationaltrainer.

Von Ralf Ohm

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