„Am liebsten bis über den Herkules“

Rasenkraftsportler des SSC Vellmar bestreiten ersten Wettkampf nach Corona-Pause

Bestens abgeschirmt: Der Vellmarer Rasenkraftsportler Hartmut Nuschke beim Hammerwurf auf der vereinseigenen Werferanlage am Ortsrand von Frommershausen.
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Bestens abgeschirmt: Der Vellmarer Rasenkraftsportler Hartmut Nuschke beim Hammerwurf auf der vereinseigenen Werferanlage am Ortsrand von Frommershausen.

Vellmar – Auf der anderen Seite sieht man ihn: Der Herkules thront auf dem östlichen Bergkamm des Habichtswaldes und scheint herüberzublicken nach Frommershausen. Was der antike (Muskel-) Held am dortigen Ortsrand sieht, dürfte ihm gefallen. Eine Handvoll Rasenkraftsportler betreibt dort seit 1998 den Werferplatz. „Steinbären“ nennt sich die 15-köpfige Sparte des SSC Vellmar etwas selbstironisch. Wohl wissend, dass sie eine Randsportart betreiben, meinen sie es ernst, wenn es an die Gewichte geht. Und die haben es in sich. In der Ultraklasse werden schon mal brikettartige 50-Kilogramm-Gewichte in die Sandgrube gewuchtet, obwohl diese Spezialdisziplinen eher die Ausnahme sind.

„Am liebsten bis über den Herkules würden wir werfen“, scherzt Spartenleiter Hartmut Nuschke, der vor 22 Jahren den Grundstein für die kleine Anlage gelegt hat, die inzwischen sogar Gäste aus Südhessen anzieht.

„Ich muss doch wissen, was Sache ist“, sagt Ishild Müller. Die 79-Jährige ist neu in der W 80 und hat sich Sonntagfrüh um 7 Uhr aus Hanau von ihrem Mann nach Frommershausen fahren lassen, „um wieder Wettkampfpraxis zu sammeln“. Die Athletin des Phoenix Mutterstadt ist allerdings der einzige Gast der Vellmarer, die beim ersten Leistungstest streng auf Teilnehmerzahl und Hygieneregeln achten.

Dies stört allerdings die Stimmung unter den Schwerathleten keineswegs. Dreikampf ist heute angesagt – Hammer-, Gewicht- und Steinwurf stehen auf dem Programm, bei dem geschleudert, geworfen und gestoßen wird, was die Muskeln hergeben. Weiten werden zwar gemessen aber Titel keine vergeben – es geht einfach darum, wieder unter Wettkampfbedingungen zurückzufinden in die Sportart.

So wie Weltmeister Thomas Schmitt: „Obwohl ich inzwischen im Münsterland lebe, fühle ich mich Vellmar noch verbunden. Das ist einfach eine Möglichkeit, meiner Kraft freien Lauf zu lassen, ohne etwas kaputt zu machen“, sagt der 31-Jährige, der WM-Titel in neun Disziplinen hält.

Mit den Disziplinen ist es im Rasenkraftsport dabei so eine Sache, wie auch Hartmut Nuschke bestätigt: „Es gibt Wettbewerbe in den Einzeldisziplinen und verschiedene Formen des Mehrkampfs“, sagt der 63-jährige IT-Systemingenieur, der vor 50 Jahren zur Schwerathletik kam, „weil ich beim Laufen nicht schnell genug war“.

Auch heute biete der Rasenkraftsport noch Möglichkeiten. Nachwuchs sei erwünscht und auch in die Jahre gekommene Handballspieler kann sich Nuschke gut im Verein vorstellen.

Auch in einem anderen Sport aktiv ist Karin Reitemeier. In der Leichtathletikabteilung des SSC Vellmar ist die 54-Jährige gern auf den Sprintstrecken unterwegs. Drei- bis viermal in der Woche trainiert Reitemeier, die einen Vorteil auf den Punkt bringt: „Krafttraining brauche ich nicht zusätzlich zu machen, weil ich das ja hier beim Rasenkraftsport habe.“ Kontakt: Hartmut Nuschke unter nuschke@t-online.de

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