Umfrage unter heimischen Vereinen

Reiter haben Sehnsucht nach Turnieren

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Voltigier-Training unter Corona-Auflagen: Niel Scheuring (rechts) steigt mit einer aus drei Cola-Kisten improvisierten Aufstiegshilfe auf Pferd Chacco. Normalerweise wird den Reitschülern von Winnie Langer beim Aufstieg Hilfestellun g gegeben, das ist wegen des Mindestabstands derzeit aber nicht möglich. 

Die Coronakrise hat für viele Sportler Auswirkungen – auch für die Reiter in der Region. Wir haben uns bei Reitvereinen im Landkreis umgehört.

Großenritte

„Wir Reitsportvereine sind noch besser weggekommen“, sagt Uwe Mihr, Vorsitzender des Reitsportvereins Großenritte. Die Pferdebesitzer hätten in gewohntem Rhythmus die Pflege übernehmen und die Bewegung der Pferde aufrechterhalten können. Größere Abstriche musste dagegen beim Reitunterricht gemacht werden. So beschränkt sich der RSV Großenritte auf Einzelunterricht – unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygiene-Maßnahmen. „Das war auch so gewollt“, erklärt der Vorsitzende. Es sei besser, wenn mit fachlicher Anleitung und Hilfe geritten wird.

Vor allem aber das Sportliche leidet unter Corona. Reitturniere finden nicht statt oder stehen auf der Kippe. „Das ist ein Problem“, betont Mihr. „Wichtig ist, dass es wieder losgeht. Jeder Reiter möchte wieder Turniere reiten.“ Auch die Großenritter haben für Mitte August ihr großes Dressurturnier geplant. „Wir haben es noch nicht abgesagt“, erklärt Mihr. Wenn es überhaupt stattfindet, dann allerdings nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Bewirtung, so sind die Auflagen. Gleichzeitig seien auch viele Sponsoren durch die Coronakrise in finanzieller Not. Bei einer Absage würden dem Verein zwischen drei- und fünftausend Euro verloren gehen. „Das ist ein finanzieller Einschnitt für so einen Verein“, betont Mihr. „Dadurch gerät er aber nicht in Schieflage.“

Oberkaufungen

Eines der größten Probleme für die Schüler beim Voltigier-Training des Reit- und Fahrvereins Oberkaufungen ist der Aufgang auf das Pferd. Durch den einzuhaltenden Mindestabstand ist dabei keine Hilfestellung möglich. „Wir sind noch nicht soweit, dass wir den Aufgang im Galopp schaffen“, erklärt Selina Festing. Deshalb haben sich Trainerin Winnie Langer und die jungen Reiter anders beholfen: Sie bastelten ein Gestell aus drei Cola-Kisten, das den Schülern ermöglicht, ohne Hilfe auf ihr Pferd Chacco zu steigen. Neu für die Schüler ist auch, dass sie beim Training nun Handschuhe tragen müssen. Beim Voltigieren werden die akrobatischen Übungen oder die Kür auf dem Pferd oft auch zu zweit ausgeführt. Diese Doppelübungen sind durch die Coronavirus-Auflagen aber ebenso wenig erlaubt. „Dadurch geht die Vielseitigkeit und die Variation verloren“, sagt Voltigier-Koordinator und Jugendwart Niel Scheuring.

Außerdem erklärt er, dass der Trainingsbetrieb für die jüngeren Reiter unter 13 Jahren noch ruht. „Die Kleinen trainieren noch gar nicht, da ist auf jeden Fall Hilfe nötig.“ Und genau diese Hilfestellungen können nicht gegeben werden.

Guxhagen/Dörnhagen

Neue Ideen sind auch beim Ländlichen Reit- und Fahrverein Guxhagen/Dörnhagen gefragt. „Das Problem wird sich in Richtung Winter ziehen, wenn viele in die Reithallen wollen und das Wetter nichts anderes zulässt“, sagt Michaela Freitag, Verantwortliche des Schulbetriebs. Die Frage und Herausforderung sei dann, wie diese Phase überbrückt wird – notfalls mit Reserven und Spenden. Denn: „Wir können ja nicht für etwas Geld verlangen, was wir nicht leisten“, betont Freitag.

Aktuell hätten die Reiter viele Ausweichmöglichkeiten: „Die Pferde können auf die Weide, man kann ins Gelände reiten oder auf den Außenplatz gehen. Da ist man nicht so gebunden“, erklärt Freitag. Nun müsse man zukunftsorientiert arbeiten, um einen Plan B zu haben – auch wenn der Schulbetrieb wieder runterfahren müsste.

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