Vor Ort: RSV Elgershausen unterliegt Seeheim 16:20 – und viele Erinnerungen werden wach

Ein Ringkampf mit Tradition

Einer für alle, alle für einen: Die RSV-Ringer vor dem Kampf mit Sportchef Bernd Neid (rechts mit Brille) und Trainer Denny Heine (dahinter). Alle Fotos:  Pia Malmus

Schauenburg. Es ist eine Reise in die Vergangenheit. Für die Ringer des RSV Elgershausen, für viele Zuschauer und für den Reporter auch. In die Schulturnhalle, dorthin, wo die Schauenburger Mattenfüchse vor 30 Jahren Mattenschlachten erlebt und erlitten haben, wo samstags das Karree proppenvoll war und die Stimmung überschwappte, wenn es um Bundesliga-Punkte ging.

Erinnerungen. Die Realität: 150 Besucher drücken den Elgershäusern nun die Daumen. Vergeblich. Denn die Hausherren verlieren das Landesliga-Topduell gegen Seeheim – 16:20! „Wir haben uns weit unter Wert verkauft“, bilanziert Sportchef Bernd Neid – die Ausfälle von Christian Schäfer (krank) und Erik Tanhel (Heimaturlaub in der Ukraine) waren nicht zu kompensieren. Und Denny Heine – als Trainer, Hallensprecher und Vater hart gefordert – wettert: „So darf man nicht verlieren, wenn man Meister werden will.“ Was aber immer noch klappen kann – am kommenden Samstag mit einem Erfolg im Gipfeltreffen in Großostheim.

30 Jahre alter Rundengong

Zurück zur Zeitreise. Bunter ist sie geworden, die alte Halle, immerhin. Aber vier Toiletten reichen nicht. „Die Schauenburghalle ist für uns recht teuer und diesmal nicht frei“, erklärt Heine. Deshalb haben Walter Siemoneit, Marco Geßler, Manfred Häfner, der mal deutscher Meister war, Frank Böhme und andere Helfer schon um 10 Uhr begonnen, ihr Inventar heranzukarren. Die Trainingsmatte vom Goldberg, Tische, Stühle, aber auch den 30 Jahre alten Rundengong, handgeschmiedet, ein tolles Relikt aus guter, alter Zeit. Heute wird in der zweituntersten Liga gerungen, von Amateuren, voller Enthusiasmus. Die Ergebnisse werden nicht mehr mit einer Klapptafel angezeigt, sondern per Beamer an die Wand geworfen.

Beim Sport hat sich wenig verändert in den 30 Jahren. Für Thomas Janke hat der Kampf bereits am Montag begonnen – gegen die Pfunde. „Abkochen“ war angesagt. Fünf, sechs Kilogramm. Beim Wiegen, 30 Minuten vor Beginn, als Kampfrichter René Seydewitz das Gewicht, die Länge der Fingernägel und die Haut der Athleten (auf Ausschläge) untersucht, erfüllt Janke exakt das 57-kg-Limit. Der Lohn: vier Punkte fürs Team, denn Seeheim hat keinen Gegner für Janke.

Die Kehrseite der Medaille sieht Berkay Hoscan. Der Neffe des Ex-Publikumslieblings Mustafa Hoscan hat 900 Gramm gutgemacht, doch weitere 600 nicht geschafft. Das kostet dem Team 0:4 Punkte. Der 16-Jährige darf zwar einen Freundschaftskampf machen, aber den verliert er auf Schultern.

Ein bisschen Nostalgie

Acht Kämpfe sehen die Fans also nur, keiner geht über die volle Distanz. In diesen 24:10 Minuten ist sie in Ansätzen zurück, die einst von Gästen gefürchtete Atmosphäre dieser Halle, in der auch schon mal der Regenschirm einer aufgebrachten Besucherin für Schrecken gesorgt hatte. Alexander Herdt verliert klar, der eingesprungene Vjaceslav Kaufman liegt rasch auf dem Buckel. Ev-genij Schidlowski begeistert mit Durchdrehern und einem tollen Überwurf. 8:12 bei Halbzeit und Zeit für Rechenspiele.

Doch die sind schnell Makulatur. Yasar Atasoy, der blonde Türke – Onkel Mehmet war Kickboxer, Bruder Deniz ist Fußballer in Rengershausen –, tritt ungeschlagen gegen Sandro Görisch an. Die erste Aktion gelingt, auch eine Kopfklammer, 4:0 führt der 20-Jährige, der im Frühjahr sein Abi an der List-Schule ablegen will. „Ja und dann habe ich eine Sekunde gepennt“, gesteht er später. Sein Seeheimer Rivale kontert mit Überwurf, und Atasoy verliert die sportliche Reifeprüfung.

8:16 liegen die Elgershäuser nun zurück, der Wettkampf ist nicht mehr zu gewinnen. Toni Siemoneits Schultersieg entfacht nur verhaltenen Beifall, Ata Samie ist trotz der Erfahrung aus 51 Lebensjahren ohne Chance, und David Litaus temperamentvoller Auftritt mit überlegenem Sieg bringt nicht mehr als Ergebniskosmetik.

Von Gerald Schaumburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.