Carolin Schäfers Start beim Siebenkampf-Wettkampf in Ratingen unsicher

Schäfers Olympia-Start in Gefahr

So war es bei den Olympischen Spielen in Rio: Die Bad Wildunger Siebenkämpferin Carolin Schäfer kommt in der aktuellen Olympia-Saison nicht richtig in Tritt.
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Die Bad Wildunger Siebenkämpferin Carolin Schäfer kommt in der aktuellen Olympia-Saison nicht richtig in Tritt.

Kassel/Bad Wildungen – Tagelanges Hin und Her um den Start von Vize-Weltmeisterin Carolin Schäfer (29) beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen. Die Veranstaltung am Wochenende bietet praktisch die letzte Chance für Deutschlands Siebenkämpferinnen, ein Olympia-Ticket zu buchen. Wegen schwerer Nebenwirkungen nach ihrer Corona-Impfung steht der Start der größten Olympia-Medaillenhoffnung aus Nordhessen dort auf der Kippe.

Anfang April hatte Carolin Schäfer die erste Corona-Impfung (Biontech/Pfizer) erhalten; vier Wochen später die zweite. Als Mitglied der Sportfördergruppe der Polizei hatte der Siebenkampf-Star diese Vorzugsmöglichkeit genutzt. Nach der Impfung traten aber schwere Nebenwirkungen bei der zuvor nach eigenen Angaben topfitten Mehrkämpferin auf. Vor allem hat Carolin Schäfer nach der Impfung Probleme mit der Impulsübertragung von den Nerven auf die Muskeln.

Nach bereits ersten abgebrochenen Tests musste Carolin Schäfer schon ihre Teilnahme am Mehrkampf-Meeting in Götzis (29./30 Mai) absagen – wegen der Impf-Nebenwirkungen. „Mein Körper sagt Nein“, teilte sie damals mit. Danach unterzog sich die Weltranglisten-Zehnte im Red-Bull-Hauptsitz in Österreich einem Komplett-Check. Ihr behandelnder Arzt ist Prof. Dr. Dr. Perikles Simon. Nach der Diagnose des Sportmediziners aus Mainz soll ein Start in Ratingen aktuell unverantwortlich sein.

Ein entsprechendes Arzt-Attest liegt Carolin Schäfer nach eigenen Angaben vor. Brisant ist, dass die 29-Jährige die Olympia-Norm von 6420 Punkten bereits 2019 erfüllt hat. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte aber in Abstimmung mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) festgelegt, dass für das Olympia-Ticket diese Norm noch mit einem aktuellen Leistungsnachweis von 6250 Punkten bestätigt werden muss. Dieser fehlt Carolin Schäfer.

Bundestrainer Frank Müller hatte am Donnerstag die Hoffnung auf einen Ratingen-Start von Carolin Schäfer noch nicht aufgegeben. Weitergehend dazu äußern wollte er sich nicht. Alle Beteiligten seien auf der Suche nach Wegen, damit Carolin Schäfer bei Olympia starten könne, hieß es. Im Raum steht nach Informationen unserer Zeitung, dass die Athletin von Eintracht Frankfurt möglicherweise einen Leistungsnachweis zumindest über einzelne Disziplinen erbringt – zum Beispiel bei der U23-DM in Koblenz (26./27. Juni).

Nach Platz fünf bei Olympia 2016 sollten die Spiele in Tokio die Karriere von Deutschlands bester Siebenkämpferin mit einer Medaille krönen. Im Herbst 2019 war Carolin Schäfer auch deshalb in die Trainingsgruppe um Weltmeister Niklas Kaul gewechselt. Ob die Nordhessin aber wirklich bei den Olympischen Spielen (und das mit Podest-Chance) starten kann, ist angesichts der aktuellen Situation ziemlich fraglich. Ihren letzten Wettkampf bestritt sie beim Gewinn der Deutschen Meisterschaft im August 2020. Der Siebenkampf in Tokio beginnt in 47 Tagen, am 4. August.

Komplett anders ist hingegen die Stimmung bei Vanessa Grimm: Vor ihrem Bestmarken-Coup in Götzis (Platz fünf/6316 Punkte) lagen die Olympia-Chancen der Hofgeismarerin ungefähr bei 5 Prozent – jetzt bei etwa bei 50 Prozent. Der Bundestrainer traut der 24-Jährigen zu, in Ratingen die Direktnorm zu knacken. Selbst wenn die Hallenmeisterin die Norm nicht schaffen sollte, hat sie gute Chancen, es über die Weltrangliste in das Starterfeld der 24 Tokio-Teilnehmer zu schaffen. (Sebastian A. Reichert)

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